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Entwicklungen zu Linearführungen mit Zustandsüberwachung

Linearführungen mit Condition Monitoring
Laufruhig und zustandsüberwacht

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Bereits in der Entwicklung werden Linearführungen auf optimale Laufeigenschaften hin ausgelegt, wobei die unterschiedlichen Anwendungen relevant sind. Damit die Systeme im Einsatz einwandfrei funktionieren und zur hohen Verfügbarkeit von Maschinen und Anlagen beitragen, integrieren einige Linearführungshersteller analoge oder digitale Methoden und Messsysteme zur Zustandsüberwachung.

» Nico Schröder, Korrespondent KEM Konstruktion, Augsburg

Inhaltsverzeichnis
1. Spektrum der Linearführungen
2. Engineering-Werkzeuge für Linearführungen
3. Linearführungen als Teil der digitalen Welt
4. Softwarelösungen ergänzen Linearführungstechnik

KEM Konstruktion: Welche technischen Features unterstützen die Laufeigenschaften Ihrer Linearführungen?

Dietmar Rudy (Schaeffler): Günstige Laufeigenschaften bedeuten erstens ein niedriges und gleichmäßiges Reibungsniveau und somit niedrige Verschiebekräfte, zweitens ein angenehmes und leises Geräuschverhalten und drittens ein günstiges Schwingungsverhalten. Unsere Linearführungen erreichen dies zunächst durch eine gleichmäßige Verteilung des Schmierstoffs auf allen Laufbahnen – und zwar unabhängig von der Einbaulage der Führungswagen – sowie durch eine zielgerichtete Dosierung des Schmierstoffs vor dem Einlauf der Wälzkörper in die Lastzone. Der Schmierstoff wirkt nicht nur reibungsreduzierend, sondern auch geräusch- und schwingungsdämpfend. Weiterhin wird das Laufverhalten maßgeblich durch eine barrierefreie Gestaltung der Führungskanäle und die Umlenkgeometrie beeinflusst. Wichtig für das Reibungsniveau ist auch das Dichtungsdesign. Für die neue sechste Generation der INA-Rollenumlaufeinheiten RUE-F, die Schaeffler in Kürze dem Markt vorstellen wird, haben wir zum Beispiel ein reibungsreduziertes Dichtungsdesign an den Frontdichtungen der Führungswagen entwickelt. Mit all diesen Optimierungen konnte das Reibungsniveau der neuen Baureihe RUE–F nochmals um bis zu 40 % verringert werden.

Das Schwingungsverhalten wird hauptsächlich durch die sogenannte Hubpulsation beeinflusst. Diese resultiert aus der schwankenden Anzahl tragender Wälzkörper im Laufwagen und induziert Schwingungen in die Maschinenstruktur. Die Gestaltung der Einlaufzone ist hier entscheidend. Diese sind bei der neuen RUE–F so optimiert, dass Pulsationsamplituden praktisch nicht mehr messbar sind.

Entwicklungstrends bei Linearführungen – ein Überblick

Michael Hornung (Igus): In unseren Drylin-Linearführungen setzen wir auf Kunststoffgleitlager als entscheidenden Faktor der Bewegung. Im Gegensatz zu Kugellagern bieten diese viele technische Vorteile: Breite Kontaktflächen der Polymergleiter führen unmittelbar zu geringeren Flächenpressungen. Das ermöglicht dem Anwender einerseits, neben gehärteten Wellen auch weiche und gezogene Rundwellen einsetzen zu können und andererseits, auch innovative Materialien wie Aluminium und Kohlefaser als Gegenlaufpartner. So wird das Linearsystem leicht. Das Gleiten erzeugt weit weniger Geräusche oder Vibrationen, da kein mechanisches Abrollen metallischer Partner und keine Kollision der Wälzkörper erfolgt. Auch das Aneinanderreihen von Führungsschienen, um größere Hublängen zu ermöglichen, ist mit Lineargleitlagern weitaus einfacher, da die entstehenden Verbindungsnuten von Gleitelementen besser überfahren werden können als von Kugeln. Ein wesentlicher, technischer Nachteil aller Wälzlager besteht in der Begrenzung der zulässigen Geschwindigkeiten und Beschleunigungen. Die Maximalwerte sind limitiert, gerade bei geringen Lasten, da die Trägheit der einzelnen Kugeln für hohe Beschleunigen zu groß ist. Lineargleitlager aus Hochleistungspolymeren punkten hingegen mit hohen Gleitgeschwindigkeiten und Beschleunigungen und erhöhen die Produktivität in vielen Anwendungen. Alle Polymerlager in unseren Lineargleitführungen sind selbstschmierend und wartungsfrei. Selbstschmierend bedeutet, dass die Linearführung sauber und hygienisch ist. Es gibt keine fettigen Oberflächen, keine Schmierung, in der sich Staub und Schmutz binden kann. Und im Gegensatz zu Kugellagern kann die Führung einfach und schnell gereinigt werden. Einer der wichtigsten Vorteile der Drylin-Linearsysteme ist die hohe Lebensdauer. Denn Gleitlager aus Hochleistungspolymeren sind oftmals langlebiger als es ein herkömmliches Kugellager jemals sein kann.

Andreas Kropp (NSK): Beim gesamten NSK-Linearführungs-Programm bildet die hochgenaue Fertigung eine wichtige Voraussetzung für hohe Tragzahlen sowie den präzisen und reibungsarmen Lauf der verschiedenen Baureihen. Die einzelnen Serien sind durch verschiedene technische Features gekennzeichnet – ein Beispiel: Die RA-Rollenführungen verfahren hochpräzise und vibrationsarm. Hier ist es den NSK-Entwicklern gelungen, den Zielkonflikt zwischen ruhigem, reibungsarmem Lauf und extremer Steifigkeit zu lösen. Möglich wird das durch spezielle Rückhalte- und Umlenkungsmechanismen und einer Verwendung von Rollen mit größtmöglichem Durchmesser, die zudem eine leicht ballige Oberfläche aufweisen. Dadurch werden Vibrationen, die beim Rollenumlauf entstehen, auf ein Minimum reduziert. Die sorgfältig aufeinander abgestimmt Distanz- und Rückhaltetechnologie der Rollenkörper führt zu einer gleichförmigen Verschiebekraft.

Bei den Baureihen NH und NS, die universell in anspruchsvollen Industrie-Anwendungen eingesetzt werden, ermöglicht die hochpräzise Fertigung zum Beispiel optional eine freie Kombinierbarkeit von Schienen und Führungswagen. Aufgrund konstruktiver Merkmale wie einer speziell entwickelten Laufbahngeometrie erreichen sie eine doppelt so lange Lebensdauer wie vergleichbare Produkte. Ein weiterer Vorteil ist die geringe Geräuschentwicklung, die 3 dB niedriger als in der Vorgängerbaureihe ist. Zudem zeichnet sich diese Baureihe durch eine einfache Montage aus – Grund hierfür ist die hohe Geradheit im nicht aufgeschraubten Zustand. Darüber hinaus können die NH/NS-Linearführungen Einbaufehler besser tolerieren, da die hierdurch eingeleiteten Momente nicht in große Kräfte umgesetzt werden. Man kann hier quasi von einer Fähigkeit zur Selbstausrichtung sprechen.

Spektrum der Linearführungen

KEM Konstruktion: In welchen Bauformen und Baureihen bieten Sie Linearführungen an?

Rudy (Schaeffler): Im Sinne kundenorientierter Lineartechnik ist ein vollständiges Produktprogramm von großer Bedeutung. Als Automobil- und Industriezulieferer verfügt Schaeffler über ein entsprechend umfangreiches Standard-Programm, beispielsweise über: Profilschienen-, Laufrollen- und Wellenführungen, Kugelumlauf- und Rollenumlaufschuhe, Linearkugellager, Gleitbuchsen, Linearmodule, Lineartische, Teleskopmodule, Miniaturmodule oder Klemmmodule. Die präzisen INA-Profilschienenführungen bieten wir als vier- und sechsreihige Kugelumlaufeinheiten sowie Rollenumlaufeinheiten an. Mit einer breiten Palette an Führungswagen-Bauformen sind dem Konstrukteur keine Grenzen gesetzt. Eine High-Speed-Version der vierreihigen Kugelumlaufeinheit ermöglicht zudem Geschwindigkeiten von 10 m/s.

Der internen Anordnung der Laufbahnen bei Profilschienenführungen kommt besondere Beachtung zu. Grundsätzlich werden mehrreihige Wälzlager gerne in O-Anordnung angeboten, da diese aufgrund des größeren Stützabstandeseine höhere Kippsteifigkeit aufweisen. Dieser vermeintliche Vorteil wandelt sich speziell in der Lineartechnik oftmals zum Nachteil: Da in aller Regel für eine Achse zwei Profilschienen parallel angeordnet werden, führen schon geringe Form- und Lagetoleranzen an den Anschraubflächen der Führungsschienen zu hohen Zwangskräften. Wir bieten daher die INA-Rollenumlaufeinheiten in X-Anordnung an. Diese sind genauso hoch belastbar und ebenso steif, verzeihen jedoch Formfehler der Anschraubflächen besser. Die Kippsteifigkeit der Linearachse resultiert ja aus dem konstruktiv gewählten Abstand der Profilschienen.

Hornung (Igus): Aus insgesamt acht verschiedenen Serien können unsere Kunden wählen. Drylin W ist unser Baukastensystem an Profilführungen und bietet die Auswahl aus Einzel- und Doppelwellen sowie vielen Lager- und Schlittenoptionen. Wenn es um kleine Bauräume geht, sind Flachführungen Drylin N ideal geeignet. Drylin R ist das Lieferprogramm klassischer Wellenführungen. Drylin T sind Schienenführungen mit identischen Abmessungen zu Kugelumlaufsystemen. Verdrehgesicherte-Drylin- Q-Vierkantführungen, vorgespannte Drylin-NSV-Prismenführungen, leichtlaufende WJRM-Rollenführungen und NT-Teles-kopschienen ergänzen das Lieferprogramm. Unsere Drylin-Linearführungen sind zudem auch die Basis von komplett einbaufertigen Linearmodulen mit Spindel oder Zahnriemenantrieb – wahlweise mit Motor und intuitiver Steuerung bis hin zu kartesischen Robotern. Das Herz unserer DrylinLinearsysteme als auch unserer Linearmodule sind die Gleitelemente aus Hochleistungskunststoffen.

Kropp (NSK): Zum Programm gehören die Linearführungen der NH/NS-Baureihen, die Rollenführungen der RA-Serie sowie die Miniatur-Linearführungen der Baureihen PU und PE in Größen 05 bis 15. Außerdem bieten wir mit dem Monocarrier komplette Verfahreinheiten mit U-Profil-Linearführung, Kugelgewindetrieb und Motoradapter. Kennzeichnend für das gesamte NSK-Programm ist, dass die Linearführungen durch Optionen an die individuelle Einsatzbedingungen anpassbar sind: Eine verbesserte Abdichtung in Form von Doppeldichtungen ermöglicht den Langzeitbetrieb in verschmutzter Umgebung. Eine besondere Oberflächenbehandlung – Duralloy oder Raydent – beziehungsweise die Ausführung in Edelstahl schaffen beispielsweise die Voraussetzung für den Einsatz in der Lebensmittelindustrie, wo die Maschinen hygienegerecht konstruiert sein müssen und häufig gereinigt werden. Die neue Schmiereinheit K1-L gewährleistet eine Minimalmengenschmierung über lange Zeiträume und sorgt damit für Sauberkeit bei zugleich reibungsarmem Betrieb.

KEM Konstruktion: Auf welche Einsatzgebiete und Märkte fokussieren Sie sich?

Rudy (Schaeffler): Mit den steifen und präzisen Profilschienenführungen sind wir vor allem im Werkzeugmaschinenbau, in der Medizintechnik, in der Nahrungsmittel- und Verpackungstechnik sowie in der Montage- Handhabungstechnik stark vertreten. Unsere aktuellen Entwicklungen fokussieren sich besonders auf die Leichtbaurobotik. Hier positionieren wir uns neu mit Wellgetrieben und Motoren für Gelenkarme und im Linearbereich mit Range Extendern, der 7. Achse, die den Arbeitsbereich von Robotern erweitern.

Hornung (Igus): Mit unseren Linearführungen sind wir branchenübergreifend vertreten – vom klassischen Maschinenbau, über die Bahntechnik, im Bereich Automotive bis hin zum Getränkeautomaten. Für die verschiedenen Branchen setzen wir auf unterschiedliche Werkstoffe, sowohl bei den Polymergleiter als auch bei den Führungen. So bieten wir für die Lebensmittelindustrie unsere Linearführungen aus Edelstahl mit FDA-konformen Gleitelementen an. Linearführungen aus Kunststoff oder Carbon sind in Branchen wie Flugzeug- und Automobilbau interessant, da es dort um jedes Gramm Gewichtseinsparung geht. In der Medizintechnik sind hygienische und saubere Linearführungen ein Muss. Und durch die Eignung für In- und Outdoor werden unsere Führungen zum Beispiel auch in der Agrartechnik oder Möbeln verwendet.

Kropp (NSK): Wir sind nicht auf bestimmte Einsatzgebiete und Märkte festgelegt. Aufgrund der hohen Präzision und Laufruhe kommen unsere Linearführungen aber überwiegend in High-End-Anwendungen zum Einsatz. Wichtige Anwendungsgebiete sind die Halbleiterfertigung, die Mess- und Prüftechnik sowie die Pharmaproduktion und Labortechnik. Führende Hersteller von Werkzeugmaschinen nutzen unserer Lineartechnik für die Tischführung ihrer Maschinen oder für das Bewegen und Positionieren von Werkzeugen. Ein weiteres typisches Einsatzbeispiel: In Medizingeräten für die Bildgebung, wie Computertomographen und MRT-Scannern, werden unsere Linearführungen zur Führung der bildgebenden Einheit eingesetzt. Bei der Linearbewegung dieser großen Einheiten ist eine hohe Laufruhe gefordert, um präzisere Aufnahmen und damit eine verbesserte Diagnose und Behandlung zu ermöglichen. Zielmarkt für die Linearführungen mit besonderer Oberflächenbehandlung oder in Edelstahl-Ausführung sind Hygiene-Anwendungen wie in der Lebensmittelproduktion. Diese Linearsysteme sind dauerhaft korrosionsbeständig und gewährleisten ebenfalls einen reibungsarmen Betrieb bei hohen Tragzahlen.

Engineering-Werkzeuge für Linearführungen

KEM Konstruktion: Mit welchen Engineering-Werkzeugen unterstützen Sie Anwender bei der Produktauswahl beziehungsweise in ihrer Systemauslegung?

Rudy (Schaeffler): In einem mehrstufigen Modell haben Schaeffler-Kunden die Möglichkeit, unsere Berechnungssoftware Bearinx entweder selbst zu nutzen oder unseren Berechnungsdienst in Anspruch zu nehmen. Die Übergänge sind hier fließend. Uns ist die Zusammenarbeit bei der Auslegung und ein einfacher Datenaustausch mit dem Kunden an dieser Stelle wichtig. Denn hier werden schon frühzeitig Entscheidungen getroffen, die auf die spätere konstruktive Ausführung der Maschine beziehungsweise Anlage einen großen Einfluss haben.

Mit dem Bearinx-Onlinemodul Easy Linear können komfortabel und ohne große Vorkenntnisse INA-Profilschienenführungen ausgelegt werden: Mit Easy Linearsystem lassen sich einzelne Linearmodule und angetriebene Mehrachssysteme konfigurieren und als System auslegen. Die Vollversion Bearinx-Online-Linearberechnung ist registrierten Kunden und die Version Bearinx-VIP Entwicklungspartnern vorbehalten. Schon die Version Easy Linearsystem berücksichtigt unter anderem alle beschleunigten Tisch- und Maschinenbettmassen, das nichtlineare elastische Federverhalten der Wälzkörper, die Elastizität von Tragkörper und Schiene bei Umlaufeinheiten, belastungsbedingte Druckwinkelverlagerungen bei Linearkugellagern und die reale Kontaktpressung bei Schiefstellung sowie die Profilierungen der Wälzkörper.

Online bieten wir auch einen Linearkonfigurator für unsere Profilschienenführungen an. Dieser ist Teil von Medias, unserer Beratungs- und Bestellplattform, in der auch alle Katalogprodukte ausführlich beschrieben sind.

Hornung (Igus): Wir betreiben in Köln ein hauseigenes und 3800 Quadratmeter großes Testlabor. Die Daten aus unseren Tests fließen in unsere Online Tools, mit denen sich die voraussichtliche Lebensdauer und gleichzeitig der Zeitpunkt eines Lagerwechsels berechnen lässt. Ein Lagerwechsel bedeutet in den meisten Fällen einen einfachen Tausch des Gleitelementes. Die Gehäuse können wiederverwendet werden.

Mithilfe unserer Online Tools können Kunden außerdem ihre Linearführung oder auch ihre Linearmodule mit Spindel- oder Zahnriemenantrieb individuell auslegen. Das Ganze geht bis zur präzisen Konfiguration des Spindelzapfens nach Kundenwunsch. Der Anwender hat direkt die Möglichkeit, für seine Produktwahl eine technische Bemaßungszeichnung als auch ein 3D-CAD-Modell herunterzuladen – Preise und Lieferzeiten inklusive. Und auch die Bestellung läuft direkt über das Online-Tool.

Kropp (NSK): Ein interaktiver Online-Katalog unterstützt die Konstrukteure bei der Auswahl des am besten geeigneten Linearsystems für den individuellen Anwendungsfall. Bei unserem Online-Tool Click!Speedy gibt der Anwender Parameter wie Baugröße, Länge, Dichtungen, Schmiermittel und Schmiereinheit ein. Er erhält dann einen Produktvorschlag, für den alle relevanten Daten wie Artikelnummer, Datenblatt, PDF-Zeichnung und CAD-Daten per Download-Link oder E-Mail zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus steht ein Online-Tool für die Berechnung von Linearsystemen zur Verfügung. Da es sich bei Lineartechnik-Projekten aber häufig um anspruchsvolle Einsatzfälle und um OEM-Anwendungen handelt, können diese Tools nur ein Hilfsmittel oder eine erste Orientierung sein. Grundsätzlich setzen wir auf Engineering-Beratung durch die Kollegen in unserem European Technology Center. Hier können wir zum Beispiel Tests unter den jeweiligen Betriebsbedingungen fahren und die Anwendung optimieren. Unser Ziel ist es dabei, immer das aus Anwender- und Kundensicht beste Ergebnis zu erzielen. Das lässt sich allein mit Software-Tools, so gut sie für einen ersten Überblick auch sein mögen, nicht erreichen.

Linearführungen als Teil der digitalen Welt

KEM Konstruktion: Verfolgen Sie besondere Ansätze zur Zustandsüberwachung von Linearführungen?

Rudy (Schaeffler): Wir haben es uns frühzeitig zum Ziel gesetzt, Wälzlagerungen von der analogen in die digitale Welt zu transformieren. Das ist nicht nur auf die Lineartechnik und nicht nur auf das Condition Monitoring begrenzt, sondern hat auch zum Ziel, Maschinen unter betriebswirtschaftlichen und technischen Bedingungen optimal zu betreiben. Für unsere Profilschienenführungen haben wir deshalb Dura Sense entwickelt. Das als Option orderbare System erlaubt die Überwachung des Schmierzustandes der Führungswagen. Das System gibt einen Wert aus, der den Schmierzustand der Wälzkontakte des jeweiligen Führungswagens charakterisiert. Es kann ein individueller Schwellwert gesetzt werden, bei dessen Überschreiten das System zum Beispiel ein Triggersignal für einen Nachschmierzyklus auslöst und so eine bedarfsgerechte Schmierung sicherstellt. Bis zu 30 % Schmierstoff kann so in der Praxis eingespart werden. Liegt ein Defekt am Schmiersystem vor, beispielsweise fehlender Schmierstoff, eine verstopfte oder undichte Leitung, erkennt Dura Sense dies und setzt ein entsprechendes Warnsignal an die Maschinensteuerung ab. Somit kann frühzeitig reagiert werden, bevor Schäden am Führungssystem auftreten. Kleiner werdende Schmierintervalle sind zum Beispiel ein Hinweis auf beginnende Materialermüdung.

Hornung (Igus): Um frühzeitig den Verschleiß der Gleitelemente zu erkennen, haben wir für unsere Drylin-W-Linearführungen ein smartes System entwickelt. Dazu misst ein Sensor, der direkt in der Gleitfolie aufgebracht ist, den Verschleiß des Lagers und gibt dem Anwender rechtzeitig ein Signal, wenn die Verschleißgrenze erreicht ist. Die analoge, sehr einfache Auswertung erfolgt über eine LED-Anzeige am Linearschlitten. Grün bedeutet alles okay und Rot weist auf das Erreichen der Verschleißgrenze von 0,5 mm und einen Lagerwechsel bei der nächsten Wartung hin.

Mit unseren Drylin-Linearschlitten bieten wir zudem die Option der i-sense-Fernwartungskonzepte, bei der die Daten direkt digital versendet werden. So werden Wartungsintervalle berechenbar und das Ausfallrisiko wird reduziert.

Alle Linearschlitten mit Zustandsüberwachung sind mit einer einfachen und schnellen Austauschtechnologie ausgestattet. Die Gleitfolie wird dabei direkt auf der Schiene gewechselt. Die Linearführung, das Linearmodul oder das Mehr-achsportal mit Zahnriemenantrieb müssen nicht auseinandergebaut werden. Denn mit einem einfachem Montagetool wird das Gleitlager aus dem Gehäuse geschoben und das neue Lager eingeschoben. Durch die Einsparung der Demontage reduzieren sich Stillstandzeiten und Wartungskosten so auf ein Minimum. Die Anlage kann innerhalb weniger Minuten wieder in Betrieb genommen und muss in vielen Fällen nicht einmal neu referenziert werden.

Kropp (NSK): Das ist für uns ein interessantes Thema, mit dem sich die Entwickler vor allem in Japan intensiv beschäftigen. Bei rotativen Lagern sind solche Sensorlager bereits im Feldeinsatz, beispielsweise in den Radsätzen von Hochgeschwindigkeitszügen und in Windkraftanlagen. Für die Lineartechnik haben wir das System ACOUS NAVI entwickelt, das eine Zustandsanalyse von Linearführungen erlaubt. Die Führungseinheit wird von einem Schwingungssensor überwacht und sobald Unregelmäßigkeiten auftreten, wird über eine IoT-Plattform – in diesem Fall das FIELD-System von Fanuc – eine Warnmeldung ausgegeben. Die Herausforderung ist dabei übrigens weder die Integration der Sensorik in das Antriebselement noch die Signalübermittlung, sondern die Entwicklung der Algorithmen, die für einen vorzeitigen Ausfall der Einheit repräsentativ sind. Hier haben wir aber jahrelange Erfahrung aus Praxistests vorzuweisen.

Für Wälzlager und Kugelgewindetriebe ist das Überwachungssystem in Japan bereits verfügbar, die entsprechende Applikation für Linearführung befindet sich in der Entwicklung. Die kürzliche Akquisition von Brüel & Kjaer Vibro, einem weltweit führenden Anbieter von Condition-Monitoring-Systemen, unterstreicht die Bedeutung, die NSK im Markt der vorbeugenden Instandhaltung und in der Integration von Lagertechnik, Sensorik und Datenauswertung sieht.

Softwarelösungen ergänzen Linearführungstechnik

KEM Konstruktion: Auf welche Softwarelösungen und digitalen Services setzen Sie gegebenenfalls noch?

Rudy (Schaeffler): Bei uns zielen Softwarelösungen und digitale Services nicht nur auf die Zustandsüberwachung von Wälzlagerungen ab, sondern viel mehr auf die Überwachung und Bewertung des gesamten Anlagenzustandes oder zumindest auf systemkritische Bereiche davon. Auch die qualitative Veränderung des Maschinenprozesses ist ein Ziel unserer Softwarelösungen. Mit der neuesten Entwicklung Schaeffler Optime machen wir Betreibern von großen Produktionsstätten ein verlockendes Angebot: Für wenige Cent pro Tag und Messpunkt überwacht Optime automatisiert, das heißt ohne Lernphase, ohne tiefe Konfiguration und ohne zusätzliches Personal, so gut wie alle permanent laufenden Maschinen und Aggregate in einem Werk – zum Beispiel in den anlagenintensiven Prozessindustrien, also bei der Rohstoffgewinnung, in Zementwerken sowie in der Papierindustrie. Das System erkennt spezifische Schadensbilder. Die eigentliche Innovation steckt in den Automatismen des Systems. Es konfiguriert sich selbst, verbindet automatisch alle Messpunkte miteinander zu einem Netzwerk, analysiert automatisch die Daten und visualisiert die Ergebnisse nach Dringlichkeit in einer intuitiven App. Das gab es am Markt bislang nicht. Für komplexere Aufgaben bieten wir unseren digitalen Service Condition Analyzer und ein komplettes Programm an CMS-Lösungen.

Hornung (Igus): Wie bereits erwähnt arbeiten wir an der unkomplizierten und sicheren Übertragung der Informationen aus der Verschleißmessung, um den Kunden optimale Sicherheit zu liefern. Aber auch bei den Online-Services tut sich einiges. Gerade erst haben wir ein neues Online-Tool zur Auswahl der richtigen Linearachse – egal ob spindel- oder zahnriemengetrieben – in der Drylin-Antriebstechnik releast. Videos, Blogs und unser Live-Chat ergänzen den Support und den direkten Kontakt zu unseren Kunden. Aber auch vermeintliche Basics müssen ständig für den Kunden verbessert werden. Dazu gehört das schnelle Finden der benötigten Produkte im Online-Shop und die automatische Datenverarbeitung von der Bestellung, über die Produktion bis zum Lager und Versand. Denn neben den Drylin-Linearführungen möchten wir in naher Zukunft möglichst alle individuell konfigurierten Linearmodule mit Antrieb innerhalb von 24 Stunden ausliefern.

Kontakte:
Schaeffler Technologies AG & Co. KG
Industriestraße 1–3
91074 Herzogenaurach
Deutschland
Tel. +49 9132 82–0
Fax: +49 9132 82–49 50
www.schaeffler.de

Igus GmbH
Spicher Str. 1a
51147 Köln
Tel. +49 2203 9649 0
www.igus.de

NSK Deutschland GmbH
Harkortstraße 15
40880 Ratingen
Tel. +49 2102 4810
www.nskeurope.de

 

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