Digitalisierung

Mit IoT-Konnektivität zu neuen, digitalen Geschäften

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Es bedarf dringend der Digitalisierungsaspekte um IoT, Cloud und Security, um Geschäftsmodelle in der Industrie nachhaltig auszurichten. Welche IoT-Aspekte im einzelnen relevant werden, um vor allem die notwendige Konnektivität voranzutreiben, erläutert Dr. Elisabetta Castiglioni, CEO A1 Digital, im Interview mit KEM Konstruktion.

Interview: Nico Schröder, Korrespondent KEM Konstruktion, Augsburg

KEM Konstruktion: Frau Dr. Castiglioni, welche Digitalisierungsangebote machen Sie?

Dr. Elisabetta Castiglioni: Wir verstehen uns als End-to-End-Anbieter. Wichtiger Bestandteil unserer Lösungen ist natürlich Konnektivität. Da kommen wir auch her. Zusammen mit Partnern sind wir letztlich in der Lage, Hardware- und Softwarelösungen darzustellen, Applikationen zu analysieren und gemeinsam mit einem Projektmanagement Gesamtlösungen zu erarbeiten.

KEM Konstruktion: Im Einzelnen betrifft das welche Kompetenzen?

Castiglioni: Sie müssen die fünf IoT-Aspekte Integration und Benutzerverwaltung, Visualisierung und Applikationen, Real-Time Analytics, Device Management und Konnektivität plus Cloud plus Security verstehen und auf den Anwendungsfall hin konzipieren sowie entsprechend hohe Qualität in der Hard- und Software einsetzen. Wie gesagt, Sie brauchen vor allem auch Wissen um Konnektivität. Bei IoT-Plattformen geht es zudem ums Aggregieren von Daten, um die Konsolidierung und um die weitere Verarbeitung der Daten Richtung Machine Learning, also um Analytics. Die gewonnenen Erkenntnisse müssen letztlich in betriebswirtschaftliche Prozesse übersetzt werden. Erst so entsteht beim jeweiligen Kunden ein Gewinn zum gesamten Projekt – sei es seitens Instandsetzung, Preisgestaltung oder anderer unternehmerischer Aspekte. Wir bieten auch Design-Thinking-Workshops und Business-Case-Modellierungsworkshops an, wo wir den Kunden quasi an die Hand nehmen und ihm nach und nach zeigen, welche Technologien vorteilhaft sind und wo sich diese gewinnbringend einsetzen lassen.

KEM Konstruktion: Welche Infrastruktur steht am Anfang – also noch bevor es um Cloud, Security und neue digitale Services geht?

Castiglioni: Kunden werden beispielsweise Sensorik nutzen, um die Temperatur oder die Luftfeuchtigkeit zu messen. In der Regel werden Standardsensoren benutzt. Teilweise werden Sensoren entwickelt. Das ist Teil der Hardware. Für diese Hardware wird Konnektivität beispielsweise mittels Funkkonnektivität und SIM-Chips oder via Bluetooth erreicht.

KEM Konstruktion: Bringt es Vorteile, wenn die Konnektivität direkt von Ihnen kommt?

Castiglioni: In der Regel haben wir einen attraktiven Preis für den Kunden.

KEM Konstruktion: Als CEO führen Sie A1 Digital seit dessen Gründung, und zwar als Tochtergesellschaft der A1 Telekom Austria Group, im Februar 2017. Wie haben Sie das Unternehmen seitdem ausgerichtet?

Castiglioni: Als Business-to-Business-Unternehmen haben wir uns darauf spezialisiert, digitales Potenzial unserer Kunden – über die Schwerpunkte IoT, Cloud und Security – in nachhaltige Geschäftsergebnisse zu übersetzen. Das bedeutet, dass wir Entscheider dabei unterstützen, Prioritäten festzulegen und zu erörtern, wo die Herausforderungen unterschiedlicher Industrien liegen.

KEM Konstruktion: Welche Industrien sind das im Schwerpunkt?

Castiglioni: Schwerpunktmäßig der Maschinen- und Anlagenbau, Logistik und Transport sowie die Bauindustrie.

KEM Konstruktion: Wenn Sie von „Herausforderungen unterschiedlicher Industrien“ sprechen – gibt es Anforderungen, die Sie in unterschiedlichen Industrien oder in unterschiedlichen Unternehmen wiederholt vorfinden? Also gibt es Herausforderungen, die eine Art Standard bilden?

Castiglioni: Fast immer geht es um Geschäftsmodellveränderungen. In der Digitalisierungswelle müssen Geschäfte ins 21. Jahrhundert gebracht werden. Häufig sollen neben einem Produkt neue, zusätzliche Services angeboten werden. Dabei wandeln sich Produkthersteller in dem Sinne, dass sie verstärkt mit Endabnehmern kommunizieren. Sie wandeln sich von Unternehmen, die einfach produziert haben und dann über einen Handelskanal an einen Endabnehmer verkauft haben, den sie aber nicht genau kannten. Die Herausforderung liegt nun darin, einen Kanal zum Endabnehmer herzustellen, der in beide Richtungen funktioniert. Wenn ich sozusagen selbst mit einem Endabnehmer kommuniziere, wird dieser zurückkommunizieren. Derart kann sich ein Produkthersteller zu einem Serviceanbieter weiterentwickeln. Also ich verändere praktisch mein Modell: Ich produziere, ich verkaufe und ich verewige mich aber gleichzeitig im laufenden Geschäft meines Kunden.

KEM Konstruktion: Ein Geschäftsmodell dieser Art wäre beispielsweise ein Service-Kanal zu vorausschauender Wartung oder ähnlichem?

Castiglioni: Ja, genau, eben zum Produkt einen Service anzubieten, der natürlich die Produktivität erhöhen wird.

KEM Konstruktion: Welchen Zugang zu IoT und welche Rollenverteilungen finden Sie in den IT-Abteilungen von Unternehmen heute vor?

Castiglioni: Wir treffen teils auf eine IT, die aus den vergangenen 30 Jahren heraus auf zwei Themen ausgerichtet ist: auf Office Tools und andere Themen wie Netzwerke und dann natürlich mit ERP-Systemen auf Business-Applikationen. IT nun von der Maschinensteuerung oder Sensorik her zu sehen, löst insofern oft regelrecht politische Kämpfe aus als nicht klar ist, wer eigentlich für IoT-Security im Unternehmen zuständig ist. Das kann sehr hinderlich sein.

KEM Konstruktion: Wie implementieren Sie Security?

Castiglioni: Bei IT-Lösungen, die wir anbieten, ist Sicherheit von Anfang an mitbedacht, also Security ist integraler Bestandteil. Sie muss von Anfang an in der Architektur mitbetrachtet werden. Dafür haben wir Spezialisten, die sich im Development-Prozess einklinken, sodass die Prozesse tatsächlich gegeben sind und Security-Checks zur Hard- und Software fortlaufend gemacht werden, Schwachstellen analysiert und Updates gefahren werden.

KEM Konstruktion: Fördern Security-Technologien die Geschäfte derer, die sie anwenden?

Castiglioni: Security ist ein Business Enabler, wenn wir den Mehrwert auch tatsächlich darstellen, also zeigen können, dass die Produkte sicher sind. Man kommt um die Security nicht mehr herum. Angreifer sind hochprofessionell. Insofern liegt es eben an uns, Unternehmen dahingehend zu beraten, dass sie – neben den von uns eingesetzten sicheren Produkten – eine ihren Risiken angemessene Security-Architektur aufbauen und wir nachher mit den Kunden geeignete Security-Programme fahren, um zu einer ganzheitlichen Security kommen.

KEM Konstruktion: Im Logistikbereich können Ihre Lösungen unter anderem im Tracking und Monitoring eingesetzt werden. Welche Perspektive bietet Ihr aktueller Anwendungsfall bei der Rail Cargo in Österreich?

Castiglioni: Bei der Rail Cargo Group in Österreich digitalisieren wir 14.000 Waggons, um die Logistikprozesse zu optimieren. Wenn Sie wissen, wo der Waggon sich gerade befindet, was auf dem Waggon ist und an welchem Zug er fährt, haben Sie natürlich ein riesen Potenzial, um die Optimierung oder die Vorhersage von den Lieferzeiten voranzubringen.

KEM Konstruktion: Auf welcher Ebene setzen Ihre Digitalisierungsangebote in Bezug auf die Fertigung auf?

Castiglioni: Wir sehen die Konnektivität der Produkte als Schwerpunkt, weniger allerdings die Fertigungstiefe an sich. Also unsere Lösungen tragen dazu bei, dass ein Produkt intelligenter wird, weil beispielsweise ein Sensor integriert ist, der funkt. Auf die Fertigungsprozesse und die Maschinen, die diese Produkte herstellen, sind andere Anbieter spezialisiert.

KEM Konstruktion: Welchen Stellenwert sollte aus Ihrer Sicht der direkte finanzielle Nutzen für Kunden haben, also in Richtung Return-of-Investments oder Payback Times gedacht?

Castiglioni: Grundsätzlich sagen wir, wir helfen genau dieses Potenzial zu heben. Es gibt auch Business Cases, die leicht zu rechnen sind beziehungsweise Payback Times im Rahmen von Monaten erlauben. Klassisch wäre Asset Tracking in der Bauindustrie, wo viele Anlagen hochwertig sind und leichter verschwinden können, wenn sie nicht getrackt werden. Wir haben Kunden, die ihre Maschinen leichter wiederfinden konnten. Das rechnete sich sehr schnell.

KEM Konstruktion: Welche Ziele der Markterschließung verfolgen Sie?

Castiglioni: Wir wollen signifikanter Player in Europa sein. Deutschland ist im Moment ein Schwerpunkt, aber unsere Services kennen keine Grenzen. Unsere Kunden sind international. Das heißt, unser Geschäft ist an sich international und eine internationale Expansion wollen wir weitergehen.

KEM Konstruktion: Wie interessant ist der deutsche Markt für A1 Digital?

Castiglioni: Nummer eins ist der deutsche Markt. Deutschland ist die Lokomotive der europäischen Wirtschaft. Die Struktur der deutschen Wirtschaft – wenn wir eben Österreich als Markt sehen, wo das Unternehmen herkommt – ist in seinen Industrien relativ ähnlich, also Maschinenbauindustrie, Konstruktion, Logistik oder andere Industrien. Hier haben wir bereits viele Referenzen sammeln können. Und damit wachsen wir.

KEM Konstruktion: In wie vielen Projekten arbeiten Sie aktuell als Systemintegrator?

Castiglioni: Wir haben derzeit etwa 600 Live-Projekte.

KEM Konstruktion: In welchen Märkten liegen Ihre aktuellen Schwerpunkte?

Castiglioni: Hauptsächlich in Österreich und in Deutschland. Wir haben aber auch Kunden in USA, in UK und sogar in Australien.

KEM Konstruktion: Wo stehen Sie in Bezug auf Mitarbeiter, Standorte und Wachstum?

Castiglioni: Wir sind etwa 200 Mitarbeiter in drei Ländern. Als D-A-CH-Unternehmen sind wir an den drei Standorten München, Wien und Lausanne vertreten. In Lausanne sitzt unsere Cloud-Entwicklung, die eine eigene Infrastructure-as-a-Service-Lösung vorantreibt. Unser Wachstum liegt im hohen zweistelligen Bereich. Damit Wachsen wir stärker als der Markt.

www.a1.digital/

Details zu Brachenlösungen unter
http://hier.pro/eE7Zc


Dr. Elisabetta Castiglioni, A1 Digital
Bild: A1 Digital

„Wenn ich als Unternehmen sozusagen selbst mit einem Endabnehmer kommuniziere, wird er zurückkommunizieren.“

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