Eplan will mit mehr Speed per Cloud Engineering-Abläufe beschleunigen

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Eplan will mehr Speed per Cloud

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Effizientere Engineering-Abläufe sowie die einfachere Zusammenarbeit zwischen Disziplinien und Partnern adressiert Eplan bereits mit den Tools Cogineer und Syngineer. Welche Rolle Cloud-Technologie künftig mit Eplan ePulse spielt, erläutert Sebastian Seitz, Vorsitzender der Geschäftsführung von Eplan und Cideon im Gespräch mit der KEM Konstruktion. Eplan ePulse soll als Bindeglied in der Zulieferkette dienen und damit helfen, ähnlich dem Angebot im Bereich Schaltschrankbau das Engineering zu beschleunigen.

Interview: Michael Corban und Nico Schröder, Redaktion KEM Konstruktion

KEM Konstruktion: Herr Seitz, Eplan treibt zusammen mit Rittal und Phoenix Contact die Realisierung einer digitalen und realen Durchgängigkeit im Schaltschrankbau voran – was motiviert Sie?

Sebastian Seitz (Eplan): Unsere Kunden sprechen inzwischen davon, dass sich der Aufwand im Schaltschrank-Engineering aufgrund der digitalen Durchgängigkeit um rund 30 bis 40 Prozent senken lässt – und in gleicher Größenordnung auch in der Fertigung. Das ist die überzeugende Antwort auf die Frage, wie sich angesichts des generell hohen Zeitdrucks in der Industrie der Prozess von der Angebotserstellung bis hin zur Lieferung des fertigen Schaltschranks effizient beschleunigen lässt – ohne auf Qualität zu verzichten. Unser Anteil an dieser Durchgängigkeit, angefangen von der Schaltplanerstellung in Eplan Electric P8 zusammen mit dem Schaltschrankaufbau in Eplan Pro Panel legt mit dem digitalen Modell die Basis für diese durchgängige Prozesskette, die sich zusammen mit den Lösungen unserer Partner als Wettbewerbsvorteil nutzen lässt. Prozesse zu industrialisieren, zu automatisieren, bringt also den Schaltschrankbauern einen realen Mehrwert.

KEM Konstruktion: Digitale Durchgängigkeit steht ja schon länger auf der Industrie-4.0-Agenda – warum liegt hier immer noch ein so hohes Potenzial?

Seitz: Weil sich der Gesamtprozess im Schaltschrankbau doch komplexer darstellt, als der erste Entwurf vermuten lässt. Eine Rolle spielt dabei, dass beim Einsatz von Maschinen und Automatisierungswerkzeugen für die Schaltschrankfertigung die Anforderungen an die bereitzustellenden und verfügbaren Daten – und damit die zugrundeliegenden Modelle – deutlich steigen. Wir realisieren am Ende ein neues ‚Fertigungsverfahren‘ für Schaltschränke. Vergleicht man das mit anderen neuen Fertigungsverfahren wie etwa dem 3D-Druck, zeigt sich sehr schnell, dass auch dort die Ansprüche an das 3D-Modell steigen, um 3D-Druck-optimiert fertigen zu können. Anders formuliert: Es ist eben ein Unterschied, ob ich von Hand einen Ausbruch in die Seitenwand eines Schaltschranks einbringe, oder ob das maschinell erfolgen soll. Neben die mechanische Bearbeitung treten zudem die Themen Bestückung und Verdrahtung – das erklärt auf der einen Seite das hohe Potenzial, verdeutlicht auf der anderen Seite aber auch die hohe Komplexität. Genau das macht allerdings auch unsere Stärke innerhalb der Friedhelm Loh Group aus; wir können die gesamte Prozesskette vom 3D-Modell bis hin zu Lösungen für die Automatisierung der Schaltschrankfertigung anbieten.

KEM Konstruktion: Können Sie ein konkretes Beispiel für den Einsatz dieser Lösungen nennen?

Seitz: Exzellent nutzt der Technologiedienstleister Alexander Bürkle diese Durchgängigkeit. Historisch war das Unternehmen zunächst Großhändler für Elektrokomponenten, bot dann aber Maschinen-, Anlagen- und Schaltanlagenbauern in wachsendem Umfang auch weitere Dienstleistungen an. Das reicht von kundenindividuellen Ausbrüchen in Seitenwänden über die Installation von Klimatisierungsequipment inzwischen bis zur Bestückung und vollständigen Verdrahtung. Zu jedem dieser Schritte nutzt das Unternehmen auf der Daten- und Prozessseite unsere Werkzeuge – und kann damit heute hochautomatisiert Schaltanlagen fertigen. In Losgröße 1! (Anm. d. Red.: Die Anwendung bei Alexander Bürkle wird in einer der folgenden Ausgaben der KEM Konstruktion noch detailliert beschrieben.)

KEM Konstruktion: Speziell für die Automatisierung von Engineering-Aufgaben in der Elektrokonstruktion hat Eplan ja auch den Cogineer im Angebot – wie sieht die Roadmap für dieses Tool aus?

Seitz: Hinter Eplan Cogineer steht ja die Grundidee, Regelwissen zu hinterlegen und Standardabläufe in Makros abzubilden, um auf diese Weise etwa Schaltpläne schneller automatisiert zu erstellen – wieder mit dem Ziel, den Konstrukteur zu entlasten und damit dem Unternehmen die Chance zu geben, der Auftragsflut Herr zu werden. Unser Ziel ist hier, die Anwendung weiter zu vereinfachen – unter anderem über eine noch höhere Durchgängigkeit in unserem Lösungsangebot, so dass wir Objekte über alle Disziplinen beziehungsweise Spezialgebiete hinweg verwenden können; sprich von der Verkabelung über das Layout und rein in den Schaltschrankbau. Oder um es konkreter zu machen: Ziel muss sein, den Aufwand, den Kunden heute in die Erstellung ihrer Daten investieren, zu senken – denkbar ist, dass wir von Beginn an mehr Templates und Vorlagen mitliefern. Das geht dann auch über die Generierung eines Schaltplans hinaus und kann bis zu 3D-Modellen oder auch Teilen der Dokumentation reichen. Die neue Ausbaustufe Eplan Cogineer Advanced bietet übrigens neu auch das Einlesen von Konfigurationsvariablen und Wertesätzen sowie die Einfach-Wiederverwendung von Teilfunktionen, was die Erstellung von Modellen deutlich vereinfacht. Daneben wollen wir weiter Datenqualität und -quantität verbessern, insbesondere im Zusammenspiel mit unserem Eplan Data Portal. Dieses bietet webbasiert Zugriff auf hochwertige Produktkataloge zahlreicher Komponentenhersteller und alle in der Eplan Plattform verankerten Lösungen greifen gleichermaßen auf diesen Webservice zu. Die einfache Übernahme der angebotenen Komponenten per Drag-and-Drop in die Dokumentation reduziert den Projektierungsaufwand und erhöht die Qualität der Maschinen- und Anlagendokumentation. Oder um es mit anderen Worten zu sagen: Rund um ein Eplan-Projekt wird alles für den Kunden noch einfacher. Das betrifft vor allem die Einbindung von Cloud-Technologie.

KEM Konstruktion: Wollen Sie kurz erläutern, welche Rolle die Cloud spielt?

Seitz: Zur Hannover Messe 2019 stellen wir unsere neue Cloud-Strategie Eplan ePulse vor. Ziel des neuen Lösungsangebotes ist, auf Basis eines kompletten Netzwerkes cloudbasierter Systeme sowohl Daten und Projekte, aber auch Disziplinen sowie Ingenieure weltweit zusammenzubringen. Eplan ePulse dient damit künftig als Bindeglied in der Zulieferkette – vom Endkunden über den Maschinen- beziehungsweise Anlagenlieferanten bis hin zu den Komponentenherstellern. Die hinterlegten Projektdaten können sowohl als Systembeschreibung für die eigene Fertigung als auch zur Kundendokumentation aller automationsrelevanten Aspekte des Digitalen Zwillings genutzt werden. Dafür haben wir übrigens eigens eine neue Cloud-Einheit geschaffen, die im Stil heutiger Denkfabriken frische Impulse setzt – Ziel ist, hier zu experimentieren und im Kontext mit Kunden und Partnern zu diskutieren. Nicht jede Idee wird im Anschluss das Licht der Welt erblicken, aber Querdenken ist ausdrücklich erwünscht.

KEM Konstruktion: Wir muss ich mir die Nutzung von Eplan ePulse vorstellen?

Seitz: Wir nutzen ja bereits seit Längerem Cloud-Technologie, der Zugriff kann sehr einfach per Internetbrowser erfolgen – so wie unsere Nutzer bereits heute über das Eplan Data Portal Gerätedaten downloaden können. In ähnlicher Weise lassen sich mit Eplan eView E-CAD-Projekte sichten, prüfen und per Redlining-Workflow kommentieren. Unter dem Dach von Eplan ePulse wird dieser Kurs der agilen Cloud-Entwicklung konsequent fortgesetzt. Entscheidend ist zudem, dass wir planen, Eplan ePulse über Schnittstellen zu Systemen anderer Anbieter für diverse Dateiformate zu öffnen.

KEM Konstruktion: Sie sprachen gerade Eplan eView schon an – hiermit soll ja unter anderem die papierbasierte Dokumentation ersetzt werden…

Seitz: …weil hier insbesondere die Betreiber von Anlagen einen Mehrwert für sich erkennen, wenn sie auf möglichst einfachem Wege auf die jeweiligen Dokumente zugreifen möchten – das schließt Papier genauso wie CDs oder USB-Sticks aus. Das erfordert natürlich Vertrauen in Public-Cloud-Strukturen, weswegen wir das Thema Security sehr ernst nehmen. Bei neutraler Betrachtung zeigt sich aber, dass der Austausch über eine Cloudlösung am Ende sicherer ist als die üblichen Wege via Papier, E-Mail oder USB-Stick.

KEM Konstruktion: Angerissen hatten Sie auch das Thema der Zusammenarbeit mehrerer Disziplinen – was macht das Kollaborationswerkzeug Syngineer?

Seitz: Eplan Syngineer kann heute schon einen erheblichen Mehrwert liefern, erfordert aber als Kollaborationswerkzeug natürlich die Anpassung von Prozessen – wobei die Stärke dieses Tools ist, dass die Kommunikation zwischen den beteiligten Disziplinen und Partnern einfacher wird, die vorhandenen Autorensysteme aber weiter genutzt werden können. Darauf aufbauend bietet Eplan Syngineer ein hohes Potenzial, die zahlreichen Herausforderungen in der disziplinübergreifenden Zusammenarbeit – und das gilt insbesondere für Industrie-4.0-Konzepte – leichter zu lösen.

KEM Konstruktion: Wie schnell kann ich denn mit Eplan Syngineer arbeiten?

Seitz: Das geht eher binnen Stunden als binnen Tagen und Wochen – der Anwender kann sehr schnell produktiv mit dem Tool arbeiten. Das genau war ja auch die Zielsetzung bei der Entwicklung: Wir wollten damit bewusst einen neuen Ansatz in die Diskussion einbringen, der auf lange Umsetzungsprojekte verzichtet. Erforderlich ist aber dennoch, die vorhandenen Prozesse und Abläufe unter die Lupe zu nehmen – und wo notwendig auch anzupassen.

KEM Konstruktion: Wir hatten bei dem Beispiel Schaltschrank gesehen, dass die Integration fertigungstechnischer Aspekte eine große Rolle spielt. Autodesk geht diesen Weg im Bereich M-CAD ja ebenfalls, vor allem mit Blick auf das Additive Manufacturing. Ist es dementsprechend für Cideon als Händler von Autodesk-Lösungen ebenfalls ein Ziel, die Durchgängigkeit bis in die Fertigung zu adressieren?

Seitz: Eindeutig ja – Ziel ist, die Modellierung daraufhin zu optimieren, dass sich das entsprechende Produkt gut und effizient und mit den richtigen Parametern fertigen lässt. Hier gibt es nach wie vor ein hohes Potenzial, das es zu nutzen gilt. Wir tauschen uns regelmäßig mit Autodesk aus, was in deren mittel- und längerfristige Roadmaps einfließt.

KEM Konstruktion: Lassen Sie mich abschließend noch fragen: Sie haben im August 2018 den Vorsitz der Geschäftsführung von Eplan und Cideon übernommen – wie gefällt Ihnen Ihr neuer Job?

Seitz: Es macht großen Spaß – wir sehen spannende Themen vor uns mit vielen interessanten Aufgaben und natürlich Herausforderungen. Diese mit tollen Kollegen anzugehen und dabei unsere Chancen zu nutzen, das macht wirklich Spaß. Ich denke, wir haben dafür die richtige Mannschaft an Bord.

www.eplan.de

Weitere Details zur Beschleunigung von Engineeringprozessen mit Eplan Cogineer:

hier.pro/IsFsQ

Hannover Messe 2019:

Halle 6, Stand H30


Sebastian Seitz, Vorsitzender der Geschäftsführung von Eplan und Cideon
Bild: Christoph Landler/Konradin Mediengruppe

„Mit Eplan ePulse wollen wir auf Basis eines kompletten Netzwerkes cloudbasiert sowohl Daten und Projekte, aber auch Disziplinen sowie Ingenieure weltweit zusammenbringen.“


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Zu den Unternehmen

Eplan und Cideon sind Teil der Friedhelm Loh Group, zu der auch der Schaltschrankspezialist Rittal gehört. Eplan bietet Softwarelösungen für den Maschinen-, Anlagen- und Schaltschrankbau und deckt damit die Bereiche Elektrotechnik, Automatisierung und Mechatronik ab. Ergänzt wird das Angebot auf der Mechanikseite durch Cideon als Autodesk-Partner. In der Summe lassen sich mit den Softwarelösungen auf diese Weise die verschiedenen Bereiche der Produktentwicklung abdecken bis hin zur Verwaltung und Pflege von Produktdaten sowie der Integration in Warenwirtschaftssysteme.

www.eplan.de

www.cideon.de

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