Christian Wendler, Vorstand der Lenze SE, Hameln

Experte für neue Märkte

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Lenze bezeichnet sich selbst als Spezialisten für Motion Centric Automation. Um das zu realisieren, hat Lenze den hohen Anspruch, den Wettlauf um die Zukunft zu gewinnen. Der Weg zum Ziel: Intelligenz in die Maschine packen. Der Vorstand Christian Wendler hat KEM in die Karten schauen lassen.

KEM: Herr Wendler, Sie sind jetzt 100 Tage im Amt. Lässt sich Ihr Verantwortungsbereich schon fest abgrenzen?

Wendler: Ich habe die ersten 100 Tage bei Lenze als Einarbeitungsphase genutzt, um das Unternehmen, die Mitarbeiter sowie die Kunden und Märkte kennen und verstehen zu lernen. Das ist für mich die Voraus- setzung, um als Vorstand zielstrebig und erfolgreich agieren zu können. Während meiner Einführung handele ich auf einem soliden Fundament und orientiere mich an der bestehenden Strategie, die ich selbstverständlich weiterentwickeln und ausbauen will. Ich bin bereits in ein Unternehmen eingetreten, das hervorragend aufgestellt ist. Insgesamt möchte ich die Entwicklung bei Lenze unter den Begriff des nachhaltigen Wachstums stellen. Um dies zu realisieren, gilt es, die Chancen, die die internationalen Märkte bieten, zu nutzen, unsere Branchenaktivitäten auszubauen und die Kundenorientierung im Hause Lenze weiter zu steigern. Wir wollen auf internationaler Basis sicherer und breiter agieren.
KEM: Wie ist der Begriff Motion Centric Automation zu verstehen?
Wendler: Mit Motion Centric Automation geben wir eine einfache Antwort auf die vielfältigen Herausforderungen, vor denen unsere Kunden aus dem Maschinenbau stehen. Als einer der wenigen Anbieter im Markt begleiten wir den ganzen Entwicklungsprozess der Maschinenherstellung: Von der ersten Idee über die Entwicklung und Inbetriebnahme bis hin zum Aftersales – bei der Optimierung einer bestehenden oder der Entwicklung einer neuen Maschine. Wir stehen dabei unseren Kunden als Prozesspartner zur Verfügung – und wir können das, weil wir über mehr als 65 Jahre Erfahrung in der Antriebstechnik verfügen, ein umfassendes Engineering- und Applikations-Know-how aufgebaut haben und unser Produkt- und Dienstleistungsportfolio es uns ermöglicht, die passende Lösung für die jeweilige Maschinenaufgabe zu bieten – von der Steuerung bis zur Antriebswelle. Auf den Punkt gebracht: Es geht um die Automati- sierung von Bewegung in Maschinen. Ganz egal, ob es sich dabei um einfache oder komplexe Fälle handelt.
KEM: Welches ist die Hauptanforderung des OEMs an den Technologielieferanten Lenze?
Wendler: Komplexere Maschinen, eine erhöhte Flexibilität und eine verkürzte Time-to-Market: Das Marktumfeld unserer Kunden ist geprägt von einer hohen Verän- derungsrate im Maschinenbau. Veränderungen müssen in immer kürzeren Zyklen herbeigeführt werden, und immer mehr Entscheidungen müssen in kürzerer Zeit in größeren Unsicherheiten getroffen werden. Bereits seit einigen Jahren rücken die Zeiten und Aufwände für das Engineering einer Maschine bzw. einer Anlage mehr und mehr in den Fokus unserer Kunden und werden zu einem wesentlichen Differenzierungskriterium im Wettbewerb. Unsere Antwort darauf ist die Entlastung der Kunden über den Lebenszyklus der Maschine. Aus diesem Grund geht unser Verständnis von Motion Centric Automation weit über die bloße Produkt- und Technikexpertise hinaus. Ein weiterer Aspekt ist die Betrachtung des Marktumfelds, also der gesamten Lieferkette. Es muss eine Verzahnung der Leistungen vom Komponentenlieferanten und Maschinenbauer entstehen, um den permanent steigenden Anforderungen an den Anlagenbetreiber Rechnung zu tragen.
KEM: Welche Halbwertszeit haben Geschäftsmodelle?
Wendler: Die Basis von Geschäftsmodellen ist sicherlich langfristig tragfähig, sofern sie am Nutzen für ihre Kunden orientiert sind. Heute müssen die Geschäftsmodelle jedoch immer wieder um weitere Perspektiven angereichert werden. Das ist im Kern aber auch nicht wirklich neu. Es dreht sich einfach alles schneller.
KEM: Was sagt der Begriff Value-Proposition dem Kunden?
Wendler: Unser Ziel ist es, unseren Kunden ihren gesamten Engineering-Prozess so einfach wie möglich zu machen. Maschinenbauer streben effiziente Entwicklungs- phasen an, die sich zudem zunehmend verkürzen. Auch Sicherheit und Verlässlichkeit sind ein Thema. Entscheidend ist, dass wir unseren Kunden bereits in der Konzeptphase zur Seite stehen. Auf diese Weise kann der Kunde eine Parallelisierung seiner Prozesse sicherstellen, was eine Vermeidung zeitlich verzögerter Iterationsschleifen zur Folge hat. Das ist natürlich nur möglich, wenn der Anbieter die richtige Lösung hat, wenn das Gesamtpaket stimmt. Lenze trägt diesem Anspruch mit seinem Leistungsportfolio Rechnung: Branchen- und Maschinenbau-Know-how sichert den optimalen Lösungsweg für die spezifische Anwendung; fertige Lösungen und Engineering-Ressourcen ermöglichen dem Maschinenbauer, sich auf seine Kernprozesse zu konzentrieren. Unseren Kunden steht ein skalierbares Produkt- und Service-Programm zur Verfügung, zudem haben wir branchenspezifische Programme, mit denen eine nachhaltige Senkung der Life-Cycle-Costs möglich ist. Auf diese Weise können wir unser Leistungsversprechen „So einfach ist das“ einlösen, also unseren Kunden das Engineering so einfach wie möglich machen.
KEM: Hat sich der Begriff Energieeffizienz totgelaufen?
Wendler: Energieeffizienz hat sich mit Sicherheit nicht totgelaufen – ganz im Gegenteil, sie rückt immer mehr in das Bewusstsein der Marktteilnehmer. Das Einsparpotenzial liegt dabei ganz klar in der ganzheitlichen Betrachtung der Maschinenaufgabe und darauf zugeschnittenen intelligenten Lösungen – der Blick auf die Optimierung einzelner Komponenten allein führt dagegen häufig in eine Sackgasse und ist bei Weitem nicht ausreichend. Außerdem lassen sich die Weichen für eine energetisch optimale Lösung am besten schon in der Konzeptphase stellen. Wir tragen den Anforderungen an Energieeffizienz mit unseren Lösungen Rechnung. Die Optimierung des Antriebsstrangs und die intelligente Bewegungsführung stellen dabei den ersten und wichtigsten Ansatzpunkt dar. Mit unserem Antriebsauslegungstool Drive Solution Designer gelingt dies besonders einfach.
KEM: In welchen Projekten stellt Lenze die Bezeichnung Industrie 4.0 realistisch dar?
Wendler: Was sich hinter dem Begriff Industrie 4.0 verbirgt, ist derzeit noch nicht einheitlich definiert. Unter diesem Schlagwort subsumieren sich Themen, die sich aus dem Zusammenwachsen von realer und virtueller Welt in der industriellen Produktion ergeben. Letztlich geht es darum, individuali- sierte Produkte in kleinster Losgröße zu Konditionen einer modernen Serienfertigung herzustellen. Die Produktionslandschaft soll dabei hochflexibel, hochproduktiv und auch ressourcenschonend sein. Für Lenze als Hersteller kompletter Automatisierungssysteme bieten sich durch diesen Paradigmenwechsel ungeheuer große Chancen: Denn unser Portfolio erlaubt es uns, Steuerungs- und Bewegungsfunktionen ganzheitlich zu betrachten und ein auf autonome, sich selbst organisierende Maschinen optimal abgestimmtes Gesamtsystem anzubieten. Dem Anwender können wir so – trotz steigender Komplexität – eine einfache Lösung bieten.
KEM: Vor 200 Jahren hieß es in Amerika go west. Heißt es heute für Lenze go east?
Wendler: Aber selbstverständlich! Allerdings gehen wir auch weiterhin west, dazu north & south. Für uns ist es wichtig, schon da zu sein, wo unsere Kunden hin wollen. In Zeiten einer sich globalisierenden Welt halten wir das, wie gesagt, für selbstverständlich. Denn im Wettlauf um die Zukunft stellt sich natürlich die Frage, wodurch dieser bestimmt wird. Globalisierung hat hier einen wesentlichen Einfluss, wobei die jeweiligen Märkte unterschiedliche Einflüsse haben. In Europa und Amerika gewinnt beispielsweise das Thema E-Commerce und die damit einhergehende Individualisierung und Spezialisierung von Produkten zunehmend an Bedeutung. Geht der Blick nach China bzw. Asien insgesamt zeigt sich, dass dort zunehmend hochwertige Produkte für den Weltmarkt entwickelt werden. Diese Entwicklungen beeinflussen die Gestaltung des Wettbewerbs der Zukunft. I
Christian Wendler, Tel.: 05154 82-2571, christian.wendler@lenze.com
Das Interview führte Herbert Neumann, Chefredakteur der KEM

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