Gezielte Innovationspolitik

Bosch-CEO Dr. Volkmar Denner zur Entwicklung der Künstlichen Intelligenz in Europa

Volkmar Denner Bosch Künstliche Intelligenz industrie 4.0
Bosch-CEO Dr. Volkmar Denner zur Entwicklung der Künstlichen Intelligenz in Europa Bild: Bosch
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In Sachen künstlicher Intelligenz scheint der Befund festzustehen – man glaubt, Europa sei technologisch im Hintertreffen. Dr. Volkmar Denner, CEO bei der Robert Bosch GmbH, widerspricht: Europa hat durchaus Anlass für Selbstbewusstsein – vor allem wenn es um den Einsatz der künstlichen Intelligenz in der Produktion geht. Im folgenden Beitrag zeigt er Chancen und Beispiele der industriellen KI auf, fordert aber auch eine Innovationspolitik, die Europas Stärken stärkt.

Dr. Volkmar Denner, CEO, Robert Bosch GmbH

Inhaltsverzeichnis

1. Heraus aus dem Mittelfeld: KI-Förderung muss zulegen
2. Künstliche Intelligenz erklärt der Maschine die physische Welt
3. Wettbewerb um KI-Forscher

Wenn derzeit in Sachen Zukunftstechnologien von Europa die Rede ist, dann meist im alarmierenden Befund schwindender digitaler Wettbewerbsfähigkeit. Man fragt nach der Rolle Europas in einer Weltwirtschaft, die zunehmend den Gesetzen der Plattform-Ökonomie folgt, in der sich die USA und China einen atemberaubenden Wettlauf um die Schlüsselkompetenz der künstlichen Intelligenz liefern. Es ist dieser Ton, der den alten Kontinent vor allem technologisch im Hintertreffen glaubt – gerade im Basis-Know-how der IT-Welt abhängig von anderen.

Das ist nicht ganz falsch, und doch fordert es zum Widerspruch heraus. Denn in der Verbindung von Internet der Dinge und industriellen Prozessen, vor allem im Einsatz künstlicher Intelligenz in der Produktion, hat Europa Stärken, die andere nicht haben. Anlass genug für mehr europäisches Selbstbewusstsein – und eine gezielte Innovationspolitik, die unsere Stärken stärkt.

Heraus aus dem Mittelfeld: KI-Förderung muss zulegen

Gerade in Sachen künstlicher Intelligenz scheint die Unterlegenheit Europas für viele Meinungsmacher schon festzustehen. Schlagzeilen wie „künstliche Insuffizienz“ polemisieren etwa gegen die KI-Strategie der deutschen Bundesregierung. Es ist ja richtig: Mit den angekündigten Mitteln von 3 Mrd. Euro läge die KI-Förderung in Deutschland international gerade mal im Mittelfeld – hier kann und muss zugelegt werden. Und doch macht es sich die Kritik zu einfach, sie ist schlicht zu undifferenziert. Denn sie diskutiert künstliche Intelligenz vor allem aus Sicht der großen IT-Unternehmen aus den USA, die ihr Geld mit datenbasierten Services verdienen. Demgegenüber lohnt es sich, eine andere Perspektive einzubringen – die Perspektive industriell geprägter Wertschöpfungsketten, in denen Europa und nicht zuletzt Deutschland mit KI global konkurrenzfähig und sogar führend sein kann.

Im Wettbewerb mit China und den USA hat gerade die deutsche Wirtschaft eine Chance, wenn sie sich auf drei Stärken besinnt: erstens die Herstellung von komplexen physischen Produkten, zweitens die digitale Kombination von Maschinen und Produktdaten und drittens die Etablierung von Ökosystemen aus Wissenschaft und Start-ups, kleinen und mittleren Unternehmen sowie der Großindustrie. Dann kann das Kompetenzfeld der industriellen KI ein wesentlicher Faktor für den künftigen wirtschaftlichen Erfolg und nicht zuletzt für die Lebensqualität in diesem Land sein.

Künstliche Intelligenz erklärt der Maschine die physische Welt

Dieser Ansatz unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von der Strategie der bestehenden IT-Giganten. Dort dient künstliche Intelligenz in erster Linie dazu, Modelle des Menschen zu erstellen – es geht vor allem um Kaufpräferenzen. Der europäische Ansatz zielt stattdessen auf die dingliche Welt. Sei es beim Notbremsassistenten im Auto, sei es bei der Klassifikation von Fehlteilen in der Produktion – die Künstliche Intelligenz erklärt hier nicht der Maschine den Menschen, sondern der Maschine die physische Welt. Unsere neueste Kamera fürs automatisierte Fahren versteht mittels KI, was sie sieht – damit lässt sich zum Beispiel der Notbremsassistent verbessern. Unternehmen wie Bosch geht es mit künstlicher Intelligenz nicht darum, den Menschen zu modellieren, sondern Technik zu optimieren.

Aus diesem Ansatz folgen bereits sehr konkrete Anwendungen in der Produktion. Beispiel ViPAS, ein KI-basiertes System zur visuellen Qualitätskontrolle. Ein System, dessen Bildverarbeitung nicht mehr aufwändig programmiert werden muss. Es hat neuronale Netze, die anhand von Mustern lernen, was defekt ist und was nicht. Ausgestattet mit Greifarm, Kamera und Deep-Learning-Software erkennt ViPAS fehlerhafte Werkstücke verlässlich. Im Rahmen eines Pilotversuchs bei Bosch im Werk Nürnberg lag ViPAS bei 12.000 Prüfvorgängen in 99,9 % der Fälle richtig. So muss künstliche Intelligenz sein, sicher, robust und nachvollziehbar – die menschliche Arbeitskraft von Routineaufgaben entlastend. Auch mit KI wird die Maschine den Menschen nicht einfach ersetzen, wohl aber kann sie Freiräume für seine einzigartige Kreativität schaffen – oder diese Kreativität zumindest ergänzen.

Wettbewerb um KI-Forscher

Wie aber die Spitze des KI-Fortschritts halten? Entscheidend ist die enge Verzahnung von Theorie und Praxis. Eben deshalb betreibt ein Technologie-Unternehmen wie Bosch nicht nur ein eigenes Zentrum für künstliche Intelligenz. Genauso wichtig ist die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft. Bosch ist zum Beispiel Gründungsmitglied des „Cyber Valley“ in Baden-Württemberg und investiert unter anderem 35 Mio. Euro in den Bau eines KI-Campus in der Universitätsstadt Tübingen. Dort sollen rund 700 Experten künftig an Anwendungen der künstlichen Intelligenz arbeiten. Im Wettbewerb um die besten KI-Nachwuchskräfte hat die deutsche Industrie mit ihrer Praxisnähe einen nicht zu unterschätzenden Vorteil. Sie ist interessant für Fachkräfte, die reale Produkte verbessern wollen.

Vor diesem Hintergrund liegt die Bundesregierung mit ihrer KI-Strategie richtig, wenn sie den Aufbau von Forschungs- und Kompetenzzentren mit engem Anwendungsbezug forciert. Allerdings sollte sie darauf achten, dass sich die KI-Forschung nicht verästelt, sondern sich auf wenige, aber leistungsfähige Zentren konzentriert. Und was immer wir in Deutschland tun, wir müssen in europäischen Maßstäben denken. Potenzial steckt etwa im Zusammenspiel deutscher Ingenieurskunst und französischer Mathematik. Gemeinsam können wir KI „made in Europe“ ganz nach vorne bringen. ik

Hier gelangen Sie direkt zum Blog von Bosch-CEO Dr. Volkmar Denner:

hier.pro/sIAhm

Kontakt zu Robert Bosch
Robert Bosch GmbH
Robert-Bosch-Platz 1
70839 Gerlingen-Schillerhöhe
Tel.: +49 711 400 40990
E-Mail: kontakt@bosch.de
Website: www.bosch.com

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