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Industrial Connectivity benötigt innovative Lösungen

Volker Bibelhausen, Technologievorstand der Weidmüller-Gruppe in Detmold
„Industrial Connectivity benötigt innovative Lösungen“

Im Rahmen der Digitalisierung und unter dem Stichwort Industrial IoT wächst der Bedarf an dezentralen, vernetzten Systemen. Kaum eine Branche kommt deshalb heute ohne Elektronik und elektrische Verbindungstechnik aus. Für die Unternehmen der Automatisierungstechnik bedeutet das vor allem, technologische, aber zunehmend auch strategische Herausforderungen zu meistern. Industrial Connectivity benötigt innovative Lösungen, erklärt dazu Volker Bibelhausen, Technologievorstand der Weidmüller Gruppe in Detmold, und erläutert, wie sich das Unternehmen auf die Herausforderungen der Zukunft einstellt.

Interview: Andreas Gees, stv. Cheredakteur KEM Konstruktion

KEM Konstruktion: Herr Bibelhausen, wir leben in einer globalen, vom technologischen Wandel geprägten Welt. Welche Herausforderungen sind damit für ein Unternehmen wie Weidmüller verbunden und wie beeinflussen diese Ihr unternehmerisches Handeln?

Volker Bibelhausen (Weidmüller): Wir erleben in der Tat einen technologischen Wandel und auch eine unruhige Welt, schaut man sich die geopolitischen Veränderungen an. Das verändert auch Märkte, weshalb es unser unternehmerisches Handeln beeinflusst. Da ist es gut, dass Weidmüller, als einer der mittelständischen Weltmarktführer, über eine große Bekanntheit verfügt. Unser Kernprodukt, die Reihenklemme, die elektrische Verbindungstechnik allgemein, im Feld oder auch auf der Leiterplatte, wird in allen Weltmärkten gerne genutzt. Doch auch wir müssen uns jetzt über neue technologische Anforderungen und die erwähnten geostrategischen Veränderungen Gedanken machen. Da sind zum einen im Rahmen der Digitalisierung die immer stärker vernetzten Systeme, verbunden mit einem steigenden Bedarf an modularen, sehr kompakten Steckverbindern. Hinzu kommt, dass unter dem Stichwort Industrial IoT zunehmend mehr Embedded-Systeme mit Batterieelektronik oder Funktechnik zum Einsatz kommen. Zum anderen sind es die Lieferketten, die sich verändern und die wir jetzt überprüfen müssen. Wir sind mit unseren Produkten überall vertreten und orientieren uns an gängigen Zulassungen und Standards. Ob das künftig reicht, wird sich zeigen, denn durch die zu beobachtende Entkopplung werden auch Normen oder beispielsweise Zulassungen neu erfunden. Man denke nur an Großbritannien, wo jetzt neue UKCA-Kennzeichnungen erwirkt werden müssen. Einfuhrzölle, Handelsbarrieren oder Situationen, in denen plötzlich Containerschiffe quer im Suezkanal stecken, erfordern ebenfalls unsere volle Aufmerksamkeit.

KEM Konstruktion: Von der elektrischen Verbindungstechnik bis zur Industrial Connectivity: In den vergangenen Jahren hat Weidmüller ein umfangreiches Portfolio an Produkten und Lösungen für die Automatisierung aufgebaut, das von der Steuerungsebene über die Kommunikation bis in die Cloud reicht. Wie sieht die weitere Entwicklung bei Hard- und Software aus?

Bibelhausen: Weidmüller war über viele Jahre stark im Bereich Elektronik und nach einer Unterbrechung haben wir diesen Faden wieder aufgenommen. Wir bauen unsere Kapazität im Bereich Elektronik, sowohl in der Entwicklung als auch in der Produktion, sukzessive aus. Mit unserer Positionierung als ‚Enabler from Data to Value‘ ist somit der Anspruch verbunden, unseren Kunden die erforderlichen Produkte von der Datenerfassung über die Kommunikation und Datenverarbeitung bis hin zu Cloud-basierten Services zu bieten. Dies umfasst auch Lösungen zur Automatisierung, wie Codesys-basierte Steuerungstechnik. Die elektrische Verbindungstechnik, erweitert um intelligente Elektronik, führt ebenfalls zu IIoT oder ganz allgemein Mehrwert-Lösungen, wie sie der Markt heute fordert. Unser digitales Motorklemmbrett mit IIoT ist hier ein gutes Beispiel: u-Sense Energy Drives bringt konventionelle Motoren in digitale Ökosysteme. Bei der Software erleben wir durch Cloud und Edge ganz allgemein einen Paradigmenwechsel. Gerade die Cloud-Technologie verspricht neue Möglichkeiten, weshalb unser Fokus auf Kommunikations- und Gateway-Lösungen liegt. Wir ergänzen diese Kommunikations-Lösungen schrittweise auch um Produkte für die Datenerfassung, wie unsere Sensorfamilie u-Sense, mit der wir sowohl Vibrationen als auch Strom, Phasenwinkel und Spannung erfassen können. Bei unserem Steuerungssystem u-Control haben wir von Anfang an auf offene Softwarestandards gesetzt, wie etwa Linux und seine Container-Lösungen. Neben technischen Vorteilen ist dieser Ansatz auch dem Generationswechsel geschuldet, wo junge Kollegen schon viel Wissen über Open Source und seine Tools mitbringen. Bei den Engineering Tools sind wir ebenfalls den Schritt zu offenen Systemen gegangen, sodass der Kunde mit Node-RED, HTML5 oder anderen, offenen Plattformen offene Systemlandschaften nutzen kann.

KEM Konstruktion: Industrie 4.0 und Digitalisierung basieren auf individualisierten, hochflexiblen und sich selbst steuernden Fertigungseinheiten. Mehr und mehr Funktionalitäten zur Steuerung der Produktion wandern in die Cloud. In welchem Umfang eignen sich denn Edge- und Cloud-Lösungen wirklich für die Echtzeitsteuerung bzw. welche Aufgaben können Edge und Cloud ergänzend zur Steuerung an der Maschine übernehmen?

Bibelhausen: Alles das, was Echtzeit erfordert, wie Safety oder Motion, bleibt lokal in der Steuerung. Alles, was keine Echtzeit erfordert, kann in Cloud oder Edge ausgelagert werden. Durch die Skalierbarkeit dieser Systeme steht beliebig Rechnerleistung, eben für Aufgaben wie Condition Monitoring, zur Verfügung. Vorteilhaft ist auch, dass Arbeit unabhängig von Zeit und Raum in Gruppen aufgeteilt werden kann. So kann alles, was in eine Cloud-Umgebung passt, einem Netz von Unternehmen zur Verfügung gestellt werden, die spezialisiert zum Beispiel Prozesse optimieren oder Systeme um Funktionen, also Apps, erweitern. Dieser Trend wird sich fortsetzen, das Arbeiten mit Microsoft Teams im Office-Bereich ist hier ein Vorbote.

KEM Konstruktion: Sie haben Codesys genannt. Bei u-Remote läuft die Programmierung direkt auf der Steuerung.

Bibelhausen: Es sind zwei Varianten verfügbar. Wir bieten besagtes Engineering-System mit entsprechendem Tool, das sich herkömmlich im Sinne eines Arbeitsplatzes einrichten lässt. Bei unserer webbasierten Variante ist das Engineering jedoch auf der Steuerung abgelegt. Verfügt der Anwender über Notebook und Browser, hat er alles, um die SPS vollumfänglich parametrieren, konfigurieren und programmieren zu können. Die beiden Ansätze sind vom Funktionsumfang sowie vom Prozess zu unterscheiden. Der Vorteil der konventionellen, lokal installierten Engineering-Systeme liegt darin, dass sie den Aufbau umfangreicher Libraries und Applikationsprogramme ermöglichen und die Datenverwaltung organisieren, während das webbasierte Engineering in der Steuerung optimal für kleinere Lösungen ausgelegt ist und mit zum Endanwender wandert.

KEM Konstruktion: Connectivity ist die Basis für die digitale Kommunikation. Wie werden Technologien wie 5G, WiFi oder SPE die Produktion in den Fabriken der Industrie verändern?

Bibelhausen: All diese Systeme unterstützen den Trend hin zu mehr Vernetzung, folgerichtig engagiert sich Weidmüller in all diesen Technologiefeldern. Wir haben ein 5G-Test-Umfeld eingerichtet und treiben die Prototypen-Entwicklungen voran. Die Technologie wird auch im Industriebereich kommen, schon weil sie die Möglichkeit eröffnet, hybride Netze aufzubauen. 5G ist ein software-konfigurierbares Telekommunikationsnetz, das aufgrund der technischen Möglichkeiten bei Übertragungsgeschwindigkeit und Bandbreite eine ganze Reihe von Eigenschaften bietet, die auch für die Automatisierung interessant sind.

Weidmüller baut sein erfolgreiches Applikationsprogramm für Klippon® Connect aus

Auch das Thema industrielles WLAN ist gesetzt. Die Technik wird im Produktionsumfeld weiter an Qualität und Reife gewinnen. Dazu kommen Funktechniken wie LoRaWAN, die interessant sind für den Bereich öffentliche Infrastruktur. Das Brot-und-Butter-Geschäft zurzeit ist für viele zumindest im Außeneinsatz LTE oder bei Bedarf auch noch GSM, wenn nur wenige Daten übertragen werden. Neben der Funktechnik werden auch kabelgestützte Vernetzungen an Bedeutung gewinnen. Hier verspricht Single Pair Ethernet eine ganze Reihe von Vorteilen und wird den Einsatz von Ethernet im industriellen Umfeld deutlich vereinfachen. Damit sind vollständig transparente IP-Netzwerke bis hin zum Schaltgerät oder Push-Button möglich.

KEM Konstruktion: Mit OPC UA over TSN wird eine Migrationslösung für die große Zahl unterschiedlicher Feldbus-Protokolle diskutiert. Wie bewerten Sie die Entwicklung?

Bibelhausen: Ich kann mir gut vorstellen, dass hier ein zukünftiger Industriestandard entsteht und wir sowohl der Idee einer herstellerübergreifenden Systemtechnik als auch einer wirklich durchgängigen Kommunikationstechnologie näherkommen. Auf der anderen Seite haben die bekannten, bewährten Protokolle samt der passenden Geräteprofile ihre Berechtigung. Dahinter stehen eine installierte Basis sowie ganze Tool-Landschaften, ebenso wie umfangreiche Erfahrungen und leistungsfähige Diagnosesysteme. Diese Ökosysteme haben sich in fast allen Märkten entwickelt und machen ihre Sache für die unterschiedlichen Applikationen ganz gut. TSN hat sicherlich das Zeug dazu, die Migration der Systeme weiter zu beschleunigen, aber ich gehe davon aus, dass uns die heutigen Systeme über eine ganze Zeit noch erhalten bleiben.

KEM Konstruktion: Auf der Steuerungs- und Kommunikationsebene hat Linux an Bedeutung gewonnen. Wie lässt sich in der Softwarewelt die zunehmende Komplexität beherrschen? Welche Technologien bieten sich zur Lösung der damit verbundenen Herausforderungen?

Bibelhausen: Linux hat seine Komplexität, aber mit der Container-Technik lassen sich Applikationen, Funktionalitäten kapseln und die Handhabbarkeit deutlich vereinfachen. Da es um den Linux-Kern etliche Distributionen sowie vielfältigste Embedded-Systeme gibt, sprich Hardware-Plattformen, unterstützt die Container-Technik die Verbreitung in der Automatisierung. Linux ist aber auch ein Generationen-Thema. Die jungen Spezialisten und Softwareentwickler, die mit dem System aufgewachsen sind, fühlen sich dort wohl. Sie haben mächtige Werkzeuge zur Verfügung und es passt natürlich auch in eine Software-Welt mit GIT und entsprechenden Open- Source-Netzwerken. Das verfügbare Ökosystem ist groß und der jungen Generation bestens vertraut. Zudem sind diese Entwickler als Teil einer sich weltweit entwickelnden Community auch Ideengeber und Kreativpool, auf den wir auch in der Automatisierung nicht verzichten können.

KEM Konstruktion: Künstliche Intelligenz und Machine Learning werden in der Industrie zurzeit intensiv diskutiert – und bereits 2019 gewann ja der Maschinen- und Anlagenbauer Grenzebach den Sonderpreis ‚Digitalisierung‘ im Rahmen des Automation Awards der elektro Automation als Anwender der Industrial-Analytics-Software von Weidmüller. Welche Erfahrung hat Weidmüller selbst mit dieser Software gesammelt? Welche Ziele verfolgen Sie für die Zukunft?

Bibelhausen: Mit Industrial AutoML bieten wir in der Tat ein eigenes KI-Tool an, das Maßstäbe setzt. Wir sind stolz darauf, dass wir damit heute im Microsoft-Azure-Shop geführt werden und dort download- bzw. lizenzfähige Versionen anbieten. Unsere KI-Lösung ist aus einem Applikations-Kontext auch im eigenen Haus heraus entstanden. Wir haben uns damit auseinandergesetzt, dass wir, wie viele andere Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus, nicht über Data Scientists verfügen und deshalb Tools benötigen, die einfach in der Handhabung sind. Anders können wir die vielfältig benötigten Algorithmen und Filter für ein Condition Monitoring kaum herleiten. Als produzierendes Unternehmen, also als Anwender von KI, nutzen wir natürlich unsere eigene Technologie, um die Ressourcen- und Energieeffizienz im eigenen Haus zu steigern. Wir haben entsprechende Projekte in unseren Fabriken und nutzen mit ResMa eine eigene Middleware, mit der wir über verschiedenste Gateways und Schnittstellen Daten erfassen, vorverarbeiten und zentral auswerten können. Die Visualisierung wird ebenfalls von Weidmüller GTI Software entwickelt, also unserem Team in Marktheidenfeld. Industrial AutoML ist mittlerweile bei einigen Maschinen- und Anlagenbauern im Einsatz und wir lernen, dass wir dort gemeinsam auch neue Service-Konzepte und Geschäftsmodelle entwickeln können. Insoweit sehen wir uns bei Weidmüller als Enabler für die Digitalisierung. Wir versetzen unsere Kunden in die Lage, mit Hilfe der elektrischen Verbindungstechnik nicht nur ihre Schaltschränke und Maschinen um Connectivity zu erweitern, sondern über unsere Produkte, wie das modulare IO-System u-Remote, Daten zu erfassen, zu übertragen und zum Beispiel mit Resma oder Industrial AutoML auszuwerten. Damit geben wir den Kunden die Möglichkeit, eigene Lösungen zu entwickeln, zum Beispiel für die vorbeugende Instandhaltung, aber eben auch, um eigene Service-Konzepte zu erarbeiten. Für uns war der Einstieg in diese Thematik nur mit Partnern möglich. Wir hatten auch das Glück, dass wir eine sehr fähige Mannschaft am Start hatten. Die webbasierten Systeme Industrial AutoML, ResMa und die Visualisierung wachsen jetzt zusammen und führen zu einem Angebot, das in die Zeit passt. In Kombination mit Cloud- und Edge-Plattformen entstehen so Lösungen, die mehr Ressourcen- und Energieeffizienz ermöglichen.

KEM Konstruktion: Umweltkatastrophen erfordern es, der CO2-Reduktion eine größere Aufmerksamkeit zu widmen. Wie steht es um die Nachhaltigkeit bei Weidmüller – einerseits mit Blick auf die Produktion bei Weidmüller selbst, vor allem aber mit Blick auf Ihre Produkte und deren Einsatz bei den Anwendern?

Bibelhausen: Die industrielle Welt muss klimaneutral und auch grüner werden, das haben wir auf vielerlei Weise vor Augen geführt bekommen. Die Themen CO2-Reduktion und Nachhaltigkeit gehen weit über den Imagefaktor hinaus, es geht vielmehr um Verantwortung und auch Wettbewerbsfähigkeit. Die Kosten aus einem aufkommenden CO2-Emissionshandel und die vielfältigen Umweltauflagen fordern uns, Lieferketten, Prozesse und auch technische System neu zu denken. Wir müssen unseren CO2-Fußabdruck reduzieren und tun das mit PV-Anlagen auf dem Dach oder Wärmepumpen neuster Bauart. Was wir im Einzelnen tun, ist in unserem Nachhaltigkeits-Bericht beschrieben. Hier geht es um Kreislaufwirtschaft, Rohstoff- und Energie-Effizienz sowie die Abfallvermeidung. Nachhaltigkeit hat aber auch die zukünftigen Generationen im Blick. Als ein Unternehmen, das 1850 gegründet und 1948 neu entstanden ist, operieren wir langfristig. Gerade die jungen Menschen, die heute zu uns kommen, erwarten, dass wir nachhaltig wirtschaften und in jeder Hinsicht compliant sind. Das schließt unsere Tochterfirma Weidmüller Monitoring Systems ein, die als Spezialist für Condition Monitoring für Wind-Energieanlagen diese Transformation ebenso intensiv erlebt, wie unsere Tochterfirma Weidmüller Mobility Concepts, die über die rasanten Veränderungen im Bereich E-Mobility berichtet. Und auch bei unseren traditionellen Industriekunden sehen wir, dass die Maßnahmen zur Effizienzsteigerung typischerweise durch Auswertung relevanter Daten erfolgt. Energieeffizienz ist genau aus diesem Grund ein sehr häufiger Use Case unserer Kunden, die auf unsere Industrial IoT Lösungen bauen. Aus diesem Grund engagieren wir uns auch stark bei der Entwicklung der DC-Technologie – aus unserer Sicht ist das einer der wichtigsten Schlüssel, um die Energieeffizienz und die Klimaneutralität für Industrieanlagen sicherzustellen und auch die Einbindung erneuerbarer Energieerzeuger in industrielle Netze zu befähigen. Unsere Aktivitäten im Bereich Nachhaltigkeit müssen wir nicht nur gegenüber unseren Kunden nachweisen, auch unsere Gesellschafter-Familie begleitet diese Veränderungen intensiv und schaut über die Peter-Gläsel-Stiftung in die Zukunft der Bildung und Förderung junger Menschen.

KEM Konstruktion: Weidmüller ist der European Clean Hydrogen Alliance beigetreten. Was war der Grund? Welche Bedeutung hat der Markt für Energieversorgung und Infrastruktur?

Bibelhausen: Durch unsere Historie sind wir seit vielen Jahrzehnten Partner der Energiewirtschaft. Geht es speziell um Wasserstoff, kommt unserer Kompetenz im Bereich der elektrischen Verbindungstechnik, in Kombination mit ATEX besondere Bedeutung zu. Insoweit sind wir bei der European Clean Hydrogen Alliance Mitglied und bei AquaVentus Gründungsmitglied. Deren Ziel ist es, in der Deutschen Bucht Projekte zu initiieren, wo mittels Windenergieanlagen Wasserstoff erzeugt werden kann, der zum Beispiel für die Schwerindustrie in Nordrhein-Westfalen erforderlich ist. Sprachen wir eingangs über geostrategische Themen, so sind wir der Auffassung, dass wir als Industrieland gut beraten sind, auf bestimmten Technologie-Feldern souverän und unabhängig zu sein. Dazu zählen auch Grundstoffindustrien, wie etwa Stahl oder Chemie. Die Energiebedarfe sind dort eigentlich nur mit der Wasserstoff-Technologie zu lösen, wenn es denn kein Erdgas mehr sein kann. Darüber hinaus stehen viele andere Branchen unter dem Druck, ihre CO2-Emissionen zu reduzieren und auch hier ist Wasserstoff eine Option.

KEM Konstruktion: Mit der Übernahme von Emphatec in Kanada erweitert Weidmüller das Produkt-Portfolio für explosionsgefährdete Bereiche. Mit der Gründung von Klippon Engineering UK Limited hat Weidmüller bereits vor einiger Zeit das Know-how im Bereich Prozessindustrie gebündelt. Bitte erläutern Sie die Hintergründe dieser Umstrukturierung.

Bibelhausen: Die Übernahme von Emphatec in Kanada war aus verschiedenen Gründen sinnvoll. Es besteht eine lange Zusammenarbeit mit Emphatec und dem Gründer Don Robinson. Da war die Idee, die Aktivitäten zu bündeln und die Produktentwicklung neu zu justieren, naheliegend. Wir haben in der Vergangenheit in Kanada immer auch Produkte von Emphatec angeboten, beispielsweise für Projekte auf den Ölfeldern in Alberta. Doch auch hier verändern sich die Märkte und es war sinnvoll, mit Emphatec weitere Engineering-Kompetenz an Bord zu holen. Mit Klippon Engineering ist es ähnlich. Viele Projekte in den Bereichen Prozess, Öl und Gas verlagern sich nach Asien, während die Systemlieferanten oder EPC weiter in den USA oder den Niederlanden sitzen. Klippon Engineering UK steuert für uns dieses weit verzweigte Netzwerk aus England. Da in der Prozessindustrie praktisch alle Projekte global oder zumindest sehr international betrachtet werden müssen, ist die Aufgabe, die Zusammenarbeit aller Projektpartner zu koordinieren. Das Team in England hat eine lange Historie, ist bestens vernetzt und verfügt über viel Know-how. Positiver Nebeneffekt ist, dass der Brexit neue Chancen bietet, denn Großbritannien ist historisch stark in dieser Industrie und wichtiger Zulieferant.

KEM Konstruktion: Mit Komax, Zuken und Armbruster haben Sie die Initiative Smart Cabinet Building gegründet. Welche Erwartungen stellen Sie an die Kooperation und wie sehen die Lösungen der Zukunft für den Schaltschrankbau aus?

Bibelhausen: Als Partner arbeiten wir schon lange zusammen, nun haben wir diese Zusammenarbeit auch sichtbar gemacht. Hinter dem Begriff Smart Cabinet Building verbirgt sich die gemeinsame Vermarktung, auch weil jetzt neue Anforderungen entstehen. Der Schaltschrankbau hat sich professionalisiert und deutlich weiterentwickelt. Möchte man die Fertigung nicht ins kostengünstige Ausland verlagern, muss man die Prozesse optimieren.

Ganzheitliche Lösungen für Schaltschrankbauer

Dies bedeutet digitalisieren und automatisieren. Da reicht es nicht mehr, mit Engineering-Tools nur Listen und Schaltpläne in Papier zu erzeugen, wir brauchen Datendurchgängigkeit bis in den Bestückungsautomaten und Markierungsdrucker. Mit dem Netzwerk versuchen wir, Innovation nicht nur ins Schaltschrankprodukt zu bringen, sondern in die Prozesse, in die Methoden, Schaltschränke zu bestücken und zu verdrahten. Neben der eigentlichen Fertigung haben auch Test und Inbetriebnahme eine enorme Bedeutung. Das sind eigentlich die viel kritischeren Schritte, gerade bei Großanlagen. Über diese Kooperation sind wir in der Lage, ganzheitlich darzustellen, wie man Aufgaben einfacher und effizienter lösen kann. Das wird von unseren Kunden sehr positiv aufgenommen, auch weil wir durchgängige Lösungen unterbreiten können.

Details zu u-Sense:
u-Sense Energy Drives ist eine Lösung zur Bereitstellung elektrischer Daten von Elektromotoren
http://hier.pro/TDnEe

Kontakt:
Weidmüller GmbH & Co. KG
Klingenbergstraße 26
32758 Detmold
Tel: +49 5231 14-280
weidmueller@weidmueller.com
www.weidmueller.com


Auf die Herausforderungen der Zukunft eingestellt

Weidmüller verfügt über Produktionsstätten, Vertriebsgesellschaften und Vertretungen in mehr als 80 Ländern. Gemeinsam mit den Kunden möchte man den digitalen Wandel gestalten – mit Produkten, Lösungen und Dienstleistungen. Im Geschäftsjahr 2020 erzielte Weidmüller einen Umsatz von 792 Mio. Euro mit rund 5.000 Mitarbeitern. Mit seinen Produkten ist Weidmüller im Maschinenbau, der Prozessindustrie, der Energiegewinnung und erneuerbaren Energien, der Verkehrstechnik sowie der Gebäudeinfrastruktur und im Bereich der Gerätehersteller aktiv.


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