Das Haus Zollern in Laucherthal/Sigmaringen als fester Faktor im Markt Ertragreiche Diversifikation – KEM
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Ertragreiche Diversifikation

Das Haus Zollern in Laucherthal/Sigmaringen als fester Faktor im Markt
Ertragreiche Diversifikation

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Zollern: was bedeutet das nochmal? Gießerei, Antriebstechnik? Fürstenhaus der Hohenzollern, haben die nicht auch was damit zu tun? Allesamt Fragen, auf die KEM in diesem Interview Antworten gibt. In einem gemeinsamen Gespräch mit dem Geschäftsführer Dr. Horst Michael Holzbaur und dem Hauptgesellschafter Seiner Durchlaucht Karl Friedrich, Erbprinz von Hohenzollern, fragt KEM nach der Strategie des Hauses Zollern. Mit den Bereichen Gießereitechnik, Getriebe und Winden, Gleitlager, Maschinenbauelemente und Stahlprofile hat sich das Unternehmen heute eine respektable Marktposition geschaffen.

Das Interview führte Herbert Neumann, Chefredakteur der KEM

KEM: Eure Durchlaucht, das 1708 gegründete Fürstlich Hohenzollernsche Hüttenwerk Laucherthal hat nicht nur gute Jahre gesehen. Trotzdem hat Ihr Haus immer am Werk Laucherthal festgehalten. Warum?
Seine Durchlaucht Erbprinz von Hohenzollern (SDE):
Weil wir auch in schwierigen Zeiten an die Chancen geglaubt haben, die dieses Unternehmen bei einer richtigen strategischen Ausrichtung am Markt hat. Es gehört auch zur Philosophie des Hauses Hohenzollern, langfristig zu planen und zu denken.
KEM: Herr Dr.Holzbaur, das Haus Zollern ist durch Anpassung an die Märkte wieder zu einem attraktiven Unternehmen geworden. Was musste konkret geschehen?
Holzbaur: Sie stellen die Frage so, als ob Sie Insider wären. Es ist in der Tat richtig, dass sich Zollern in den letzten zehn Jahren zu einem markt- und kundenorientierten Unternehmen entwickelt hat. In unserem Hause gab es zwar schon immer hochspezialisierte Techniker mit dem typisch schwäbischen Erfindungsgeist. Die entwickelten Produkte hatten deshalb auch eine hohe technische Kompetenz, sie lagen jedoch oft neben dem Markt.
Heute arbeiten Vertrieb und Fertigung eng zusammen. Der Vertrieb sucht am Markt nach passenden Produkten und Anwendungsmöglichkeiten mit Wachstumschancen, und die Fertigung sucht dann nach der technisch besten Lösung für das jeweilige Produkt, immer unter dem Gesichtspunkt der kostengünstigsten Fertigungsmöglichkeit. Diese Zusammenarbeit ist in der Tat sehr erfolgreich und brachte den angestrebten Erfolg.
KEM: Inwieweit bestimmt das Haus Hohenzollern die Strategie von Zollern mit?
SDE: Als Beirat diskutieren wir die von der Geschäftsführung erarbeitete Strategie ausführlich und genehmigen sie anschließend. Unsere Strategie orientiert sich jedoch weniger an unseren Vorgaben, als an den Gegebenheiten des Marktes.
KEM: Im Jahr 1995 begann Zollern mit dem Zukauf von Unternehmen wie ABB-Isoprofil und den Braunschweiger Hüttenwerken ein Jahr später. War der Zukauf ein unternehmerisches Risiko?
Holzbaur: Jeder Zukauf ist ein unternehmerisches Risiko. Es ist jedoch unsere Philosophie, in den jeweiligen Nischen, in denen wir tätig sind, eine Marktpräsenz zu erreichen, die es uns ermöglicht, Kostenführer zu werden. Um diese Kostenführerschaft zu erreichen, benötigt man eine bestimmte Größe in den jeweiligen Marktsegmenten.
Durch gezielte Zukäufe erreichen wir dies zum Vorteil unserer Kunden. Im übrigen haben wir in Deutschland neben Isoprofil und den Braunschweiger Hüttenwerken in den letzten Jahren auch noch die Dorstener Maschinenfabrik sowie die Gleitlagerfabrik in Herzberg erworben. Wenn wir einen Firmenkauf in Betracht ziehen, muss als Voraussetzung gegeben sein, dass die betroffene Firma in unsere Produkt- und Vertriebsstruktur passt. Trifft dies nicht zu, können wir die gewünschten Synergieeffekte nicht schöpfen.
KEM: Profitieren die Zollernwerke durch Investitionen des Hauses Hohenzollern, die über konventionelle Bankverbindungen nicht zu realisieren wären?
SDE: Die Investitionen, die wir tätigen, werden ausschließlich im Unternehmen selbst verdient. Wir haben sehr gute Beziehungen zu den Banken, was in erster Linie mit dem guten Ruf unseres Hauses und unserer Unternehmungen zusammenhängt.
KEM: Zollern beschäftigt 2400 Mitarbeiter in zwölf Werken. Ist
dieses Verhältnis betriebswirtschaftlich sinnvoll?
Holzbaur: Hierzu muss man wissen, dass wir mit vier Geschäftsfeldern in jeweils sehr verschiedenen Produktgruppen tätig sind. Es ist also nicht so, dass wir an acht verschiedenen Standorten in Deutschland dasselbe Produkt herstellen, das wäre in der Tat nicht sinnvoll. Jedes unserer vier Geschäftsfelder hat nicht mehr als zwei getrennte Produktionsstandorte. Die Produktionsstandorte sind dann jeweils für ihr Produktsegment spezialisiert. Wir sind dadurch sehr flexibel und können die Vorteile, die sich durch jeweilige Rationalisierungsprogramme ergeben, optimal nutzen. Weitere vier Produktionsstandorte befinden sich im Ausland, und zwar in Portugal, China, Brasilien und Frankreich. Zum einen aus Gründen der Marktdurchdringung und zum anderen auch aus Gründen der günstigeren Produktionskosten. In den USA und in Schweden haben wir noch zusätzliche Montagestandorte.
KEM: Muss Zollern weiter wachsen, um als internationaler Anbieter wettbewerbsfähig zu bleiben?
Holzbaur: Wir wachsen mit den sich bietenden Marktmöglichkeiten. Das ist die Voraussetzung, um für unsere Kunden, welche ebenfalls wachsen und auch internationaler werden, weiterhin ein interessanter Anbieter zu bleiben. Wir wachsen jedoch nicht planlos, sondern suchen die langfristige Bindung zu unseren Kunden. Kunden mit eigenem Wachstumspotenzial passen deshalb gut zu Zollern.
KEM: Hat der Feinguss bei Zollern mit der Fertigung von Turboladern durch den Trend zu Diesel-Pkws einen Image-Sprung vollzogen?
Holzbaur: Wir haben nicht nur auf dem Bereich der Fertigung von Turboladerteilen an Image gewonnen, sondern diese Imageverbesserung trifft auch für die anderen Geschäftsfelder und Produktbereiche zu. Nehmen wir den Stahlbereich, den Getriebebereich mit dem Produktsegment Automation, den Gleitlagerbereich oder den Bereich Maschinenbauelemente. In allen Bereichen haben wir uns in den letzten Jahren stetig nach oben entwickelt. Es ist jedoch richtig, dass wir vor circa neun Jahren erkannt haben, dass der Turboladermarkt ein Wachstumsmarkt werden wird und hier hat dann genau das funktioniert, was ich eingangs gesagt habe, nämlich ein perfektes Zusammenspiel zwischen Vertrieb und Technik.
KEM: Die Entwicklung der Zollern Duro 3 Chromschicht setzt
erhebliches Werkstoff Know- how voraus. Benutzt Zollern universitäre Hilfe?
Holzbaur: Auf der ständigen Suche nach neuen Anwendungsfällen haben wir Chancen in dieser Beschichtungsart gesehen, welche gegenüber einer Chrombeschichtung erhebliche Vorteile bietet. Für die Entwicklung dieses Produktionsprozesses haben wir unser sehr leistungsfähiges, eigenes Labor erfolgreich eingeschaltet – also keinen direkten Kontakt zu Universitäten gesucht. Es ist allerdings so, dass unsere Laborabteilung ständig mit verschiedenen Universitäten in Kontakt steht und den Erfahrungsaustausch sucht.
KEM: Seit den 80er Jahren ist Zollern mit Linearmodulen, Linien-und Flächenportalen definierter Anbieter der Automatisierungstechnik. Waren da die Felder nicht schon besetzt?
Holzbaur: Es gibt leider wenig Felder, die nicht schon besetzt sind. Wir haben jedoch in diesem Bereich, den Sie ansprechen, nach entsprechenden Marktuntersuchungen jeweils bestimmte Schwerpunkte gesetzt. Bei den Flächenportalen zum Beispiel bearbeiten wir vor allen Dingen das Marktsegment für schwere Lasten zwischen 100 Kilogramm und 5 Tonnen. Dieses Segment haben wir erfolgreich ausgebaut. Die neu entstandenen Fertigungsanlagen in Herbertingen wurden genau auf dieses Marktsegment ausgerichtet.
Weitere Informationen
Feinguss
KEM 441
Gleitlager
KEM 442
Profile
KEM 443
Unternehmensbroschüre
KEM 444

Firmenstenogramm Zollern
  • Gründung: 1708
  • Mitarbeiter: 2400
  • Umsatz: 300 Mio. E
  • Produktzweige: Gießereitechnik, Stahlprofile, Maschinenbauelemente, Antriebstechnik
  • Auszubildende: 75
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