TÜV Nord, TÜV Süd und 2b Ahead diskutieren Chancen und Herausforderungen

Unsicherheitsfaktor wird größer

TÜV Nord, TÜV Süd und 2b Ahead
Auf der Hannover Messe wurde die Trendstudie „Sicherheit 2027“ vorgestellt Bild: Hannover Messe
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Die Digitalisierung hat unsere Gesellschaft und Wirtschaft bereits nachhaltig verändert und innovative Lösungen in vielen Bereichen hervorgebracht – auch in der sogenannten TIC-Branche (Testing, Inspection, Certification). Wie wird sich der Sektor in den nächsten zehn Jahren entwickeln? Dieser Frage ist das Trendforschungsinstitut 2b Ahead in Kooperation mit TÜV Nord und TÜV Süd nachgegangen. Entstanden ist dabei die Trendstudie „Sicherheit 2027“, die, mit dem Ziel eines großen Ausblicks in die Zukunft, auf der Hannover Messe vorgestellt wurde.

Produkte und Dienstleistungen werden in zehn Jahren drei wesentliche Eigenschaften besitzen: Sie werden digital, individuell und adaptiv sein. Analoge Lösungen werden zunehmend in die digitale Welt verlagert, auch während der Nutzung werden immer mehr Daten erhoben und gesammelt. „Die Verfügbarkeit von Daten und das Vertrauen in den sicheren Datenaustausch sind Voraussetzungen dafür, dass die digitale Wirtschaft funktioniert und weiter wächst“, sagt Studienleiter Kai Gondlach, Senior Researcher bei 2b Ahead. Das stelle auch neue Anforderungen an die Unternehmen der TIC-Branche. „Das Vertrauen der Kunden muss immer wieder neu gewonnen werden“, so Gondlach. „Diese ‚Vertrauensgenerierung‘ wird entlang der Wertschöpfungskette immer wichtiger.“

Endverbraucher erwarten von digitalen Produkten und Systemen individuelle Antworten auf ihre Bedürfnisse. Hersteller reagieren auf diese Entwicklung mit intelligenten Systemen: Digitale Produkte und Systeme werden zunehmend adaptiv. Sie passen sich entweder eigenständig an veränderte Anforderungen an oder werden vom Nutzer beziehungsweise Betreiber verändert. „Das hat Auswirkungen auf die Art der Prüfung“, sagt Ulf Theike, Geschäftsführer von TÜV Nord Systems. „Der Prüfprozess muss zukünftig um eine digitale Ebene ergänzt werden, denn der Unsicherheitsfaktor wird größer, weil nicht mehr alles greifbar ist.“ Um dem hohen Individualisierungsgrad und der rasanten Produktentwicklung gerecht zu werden, sei eine Anpassung und Optimierung des gesamten Prüfprozesses erforderlich. „Wir müssen sicherstellen, dass auch bei digitalen Produkten und Systemen ein hoher Sicherheitsstandard gewährleistet ist“, betont Dr. Detlev Richter, Global Head of Industrial and Energy Products bei TÜV Süd Product Service. Hier entstehe ein potenzieller Wettbewerbsvorteil, wenn sowohl Sicherheit als auch Individualisierung garantiert werden könnten, die Prozesse dadurch nicht verzögert und zudem Kosten eingespart würden. „Das Bewusstsein in Europa muss vorhanden sein, dass etwas getan werden muss.“

Eine besondere Herausforderung von adaptiven Produkten für die TIC-Branche besteht darin, dass jedes veränderliche oder zusätzlich buchbare Modul neue Wechselwirkungen erzeugt, die hinsichtlich ihrer Übereinstimmung mit den gesetzlichen und normativen Anforderungen bewertet werden müssen.

Die neue Situation beeinflusst nicht nur die Art der Prüfung, sondern vor allem auch den Zeitpunkt, zu dem geprüft wird. Besonders durch die zunehmende Adaptivität kann die lineare Struktur der Produktionskette nicht mehr aufrechterhalten werden. Für die TIC-Branche bedeutet das: Es gibt zukünftig keinen zeitlichen Fixpunkt für die Prüfung, stattdessen wird sie zu einer begleitenden Komponente im Fertigungsprozess. Schon vor dem eigentlichen Produktionsbeginn werden zugehörige CAD-Dateien im Hinblick auf Normen überprüft. Auch während der Produktion begleiten die Prüfer den Prozess, indem sie die erforderlichen Daten vom Hersteller erhalten. Das hat mehrere Vorteile: Zum einen können die TIC-Unternehmen bereits während der Produktion automatisierte Auskünfte darüber geben, wo Änderungen notwendig sind, zum anderen können sie anhand der Daten ihre eigenen Prozesse optimieren und die Effizienz ihrer Prüfung erhöhen.

Digitale Produkte und Systeme sammeln auch nach der Produktionsphase und während der Nutzung beziehungsweise im Betrieb weitere Daten. Dadurch können TIC-Dienstleister zukünftig die Produkte und Systeme im Auftrag der Hersteller auch während der Nutzung oder Betriebsphase überwachen und die Ergebnisse für die weitere Optimierung nutzen.

Die Kommunikationswege zwischen Hersteller und TIC-Unternehmen sowie zwischen Hersteller und Endkunden sind bereits heute sehr vielfältig – von der klassischen Telefonberatung über E-Mails und Chatbots ist alles dabei. Dieser Trend wird sich in den nächsten zehn Jahren noch weiter zuspitzen. „Die Anforderungen an die Kommunikation werden vom Kunden definiert“, erklärt Studienleiter Kai Gondlach. Dabei verschwimmen das private und berufliche Kommunikationsverhalten immer mehr, private Kanäle werden auch im beruflichen Umfeld genutzt. Die Hersteller erwarten, dass ihre bevorzugten Kanäle auch von ihren TIC-Dienstleistern bespielt werden. Das erfordert ein Omnichannel-Management, bei dem jedem Mitarbeiter über jeden Kommunikationsweg in Echtzeit alle vorhandenen Daten über den Kunden zur Verfügung stehen. „Dabei ist zu beachten“, – so Gondlach – „dass auf jedem Kanal die gleiche Markenwahrnehmung und dasselbe Servicelevel geboten werden.“

Allerdings bilden die Kommunikationskanäle nur das Front-End dieses Modells. In der für den Kunden nicht zugänglichen Schicht des Systems laufen sowohl die gesamte Kommunikation, als auch die durch das Produkt und den Austausch mit dem Kunden gesammelten Informationen zusammen. Die Aufgabe dieses Tools ist es, sämtliche Daten zu managen und daraus durch Smart-Analytics einen Mehrwert zu generieren. Das geschieht durch die Auswertung der ermittelten Daten und den kontinuierlichen Abgleich mit bereits vorhandenen Daten.

Nach den Erkenntnissen der Trendstudie „Sicherheit 2017“ muss die TIC-Branche genau analysieren, welche Objekte in Zukunft zertifiziert werden, welche Prozesse dafür erforderlich sind und welche Kundenbedürfnisse bedient werden müssen. jke

www.tuev-nord-group.com

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