Ulrich Sendler zu seinem Buch „Das Gespinst der Digitalisierung“

Ulrich Sendlers Buch: Das Gespinst der Digitalisierung - Menschheit im Umbruch

Die ideale Gesellschaft für eine digitale Welt

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Es gibt verschiedene Anzeichen dafür, dass die westliche Welt soeben eine Ära erlebt, in der die Digitalisierung zu einem wirklich umfassenden Umbruch führt. Das verlangt von der ganzen Gesellschaft, die vorhandenen Strukturen von Staat, Wirtschaft, Bildung und Recht auf den Prüfstand zu stellen und Zukunftsmodelle zu entwerfen, mit den menschlichen Grundwerten im Zentrum. Die breite gesellschaftliche Debatte darüber anzustoßen, ist das Ziel des neuen Buchs von Ulrich Sendler.

Ulrich Sendler, freier Technologieanalyst, Fachjournalist und Publizist, München

Inhaltsverzeichnis

1. Industriestandort verhindert Kanzler Gauland
2. Nächster Schritt nicht so einfach wie Installation eines IT-Systems
3. Internetgiganten haben Kommunikation und Handel neugestaltet
4. Industrie braucht Gesellschaft, die die Zukunft aktiv gestaltet
5. Welche Bildung benötigen Kinder und Enkelkinder?

 

Der Wandel von der Industriegesellschaft zur Digitalgesellschaft ist in vollem Gang. Wir können schon sehen, welche fatalen Folgen es hat, wenn die Industrie ihre eigene digitale Transformation dabei nicht erfolgreich in Angriff nimmt. Wenn Arbeit in der analogen Industrie verloren geht, sollten digitale Arbeitsplätze existieren, um den Verlust zu mildern. Und wir brauchen ein Sozialsystem, das auch bei weniger Beschäftigung und folglich weniger Steuern funktioniert.

Die knappe Mehrheit für den Brexit, der noch knappere Wahlsieg Trumps – beide Abstimmungen waren – das ist sehr verkürzt die Analyse in meinem Buch „Das Gespinst der Digitalisierung – Menschheit im Umbruch“ – das Resultat der Tatsache, dass weder die britische noch die US-Regierung in den vergangenen Jahrzehnten der Industrie und ihrer technologischen Weiterentwicklung Beachtung geschenkt haben. Investmentbanking und Internetgiganten haben in den beiden Ländern, von denen vor 250 Jahren die industrielle Revolution ausging, nur die Spaltung der Gesellschaft vertieft, aber nicht die Basis für eine nachhaltige Entwicklung gelegt. Die Länder haben sich gewandelt, aber für viele Millionen Menschen nicht zum Guten.

Industriestandort verhindert Kanzler Gauland

Dass der Industriestandort Deutschland in derselben Zeit seinen Kern, die Fertigungs- und Prozessindustrie, hochgehalten hat, verhinderte bislang die Gefahr eines Kanzlers Gauland. Industrie 4.0 war die erste Initiative weltweit, über die vernetzte digitale Systeme mit integrierten Diensten zum industriestrategischen Ziel erklärt wurden. Großbritannien kann damit nichts anfangen, denn es gibt fast keine Industrie mehr. Die USA und alle anderen Industrieländer, China eingeschlossen, versuchen uns heute nachzueifern. Und die Internetkonzerne suchen den direkten Zugang zur deutschen Industrie, weil sie um deren technologischen Vorsprung wissen und die Bedeutung der industriellen Massenprodukte im Internet der Dinge als längerfristige Basis der digitalen Wirtschaft verstanden haben.

Mit der Dampfmaschine stand auch die Rechenmaschine bereits auf der Tagesordnung. Den ersten fertig konstruierten, wenn auch nicht fertiggebauten Computer erdachte Charles Babbage bereits 1822 in Großbritannien. Der 1991 nach seinen Konstruktionen gebaute Computer läuft seither fehlerfrei. Die Computer seit dem 2. Weltkrieg, die Software seit den Siebzigerjahren, der PC und schließlich das Internet und die mobilen Geräte sorgten weltweit für den Einzug der Informationstechnik in die ganze Gesellschaft. Mit der Digitalisierung der industriellen Prozesse – einschließlich der weitgehenden Automatisierung und des Robotereinsatzes in Produktion und Logistik – war die Grundlage gelegt für die Digitalisierung auch von Produkt und Dienstleistung.

Nächster Schritt nicht so einfach wie Installation eines IT-Systems

Aber so einfach wie die Installation eines IT-Systems oder die Vernetzung von Arbeitsplätzen ist der begonnene nächste Schritt nicht. Er verlangt ein grundsätzliches Infragestellen der bisherigen Geschäftsmodelle und Prozesse. Wer auf Basis von Daten mit seinen Produkten neue Geschäfte und Dienste entwickeln will, muss sein ganzes Unternehmen umstellen, seine Organisation, seine Methoden. Und die Mitarbeiter müssen sehr schnell sehr viel Neues lernen. Auch das will organisiert sein.

Dabei ist es nicht nur die Macht der Gewohnheit, die sich auch hier als altbekannte Hürde erweist. Es gibt sehr viele gute Gründe, die berechtigten Argwohn vor der Digitalisierung schüren. Haben wir nicht bereits gesehen, wohin das alles führt? Brauchen wir das? Ist das überhaupt sicher?

Internetgiganten haben Kommunikation und Handel neugestaltet

Die Internetgiganten haben nicht nur die Kommunikation und den Handel nach ihrem Gusto neugestaltet. Sie haben neue Möglichkeiten und Geschäftsmodelle geschaffen und dabei – neben manch überflüssigem Ballast – auch sehr viel Gutes vernichtet. Sie haben uns die Sicherheit genommen, dass Freiheit und Würde des menschlichen Individuums unantastbar seien, denn sie nutzen und missbrauchen die Daten der Menschen zu ihrem eigenen Profit. Es wird immer deutlicher, dass die dafür gewonnene Bequemlichkeit und Vernetzbarkeit gravierende und äußerst schädliche Nebenwirkungen hat. Und dahin sollen sich nun auch alle industriellen Produkte und Dienstleistungen wandeln?

Nein, das ist nicht die Digitalisierung, zu der die Menschheit gerade aufbricht. Das war nur gewissermaßen ein Unfall beim Anziehen der Kinderschuhe. Die Digitalisierung kann so auf Dauer keinen Erfolg haben. Gerade die Industrie, ganz besonders die deutsche und zentraleuropäische, kann jetzt zeigen, dass es auch anders geht. Siemens hat eine Industrie-Cloud-Plattform eingerichtet und sichert zu, dass alle Daten den Kunden gehören, nicht dem Plattformbetreiber. Cloud, Big Data Analytics, künstliche Intelligenz – in der Hand der Fertigungsindustrie kann daraus etwas werden, das die alten Arbeitsplätze noch eine Weile sichert, während es auf der anderen Seite neue schafft. Ohne dass die Ethik unter die digitalen Räder kommt.

Industrie braucht Gesellschaft, die die Zukunft aktiv gestaltet

Aber allein kann die Industrie das nicht leisten. Sie braucht dazu eine Gesellschaft, die aktiv die Gestaltung ihrer Zukunft in die Hand nimmt. Und staatliche Strukturen auf allen Ebenen, die dafür den Boden bereiten und den Rahmen vorgeben. Das beginnt beim Breitband, das nur als staatliche Infrastruktur auch den letzten Weiler erreicht, in dem ein Industriebetrieb vernetzt und freiberufliche Softwareentwickler eingebunden werden sollen. Und es endet keineswegs bei einer staatlichen Infrastruktur, die Cloud-Plattformen, soziale Netzwerke und Verfügbarkeit von Wissen sicher macht. Ohne Geschäftsmodell und ohne personalisierte Werbung.

Die Debatte über all diese Fragen beschränkt sich im Moment noch auf den Internetzugang und die Frage der Monopolbildung in der digitalen Wirtschaft. Das Buch „Das Gespinst der Digitalisierung“ spannt den Bogen weiter und bettet sie sowohl in die Geschichte der Industrialisierung von ihren ersten Anfängen als auch in die Geschichte der Menschheit ein. Es versucht, die Fragen zu formulieren, die rasch beantwortet werden müssen, wenn es gut gehen soll.

Welche Bildung benötigen Kinder und Enkelkinder?

Was für eine Bildung benötigen unsere Kinder und Enkelkinder? Wie können wir selbst uns kontinuierlich weiterbilden? Wie sorgen wir dafür, dass weniger Arbeit für die Gesellschaft nicht mehr gleichbedeutend mit Arbeitslosigkeit, Elend und sozialer Unzufriedenheit ist? Wie sieht der Staat der Digitalgesellschaft aus?

Zu lange haben die westlichen Industrieländer zugelassen, dass die Rolle des Staates als Garant für die Absicherung der gesellschaftlichen Grundbedürfnisse kleingeredet und kleingemacht wurde. Der Umbruch zur Digitalgesellschaft kann die Gelegenheit sein, diese Entwicklung nicht nur zu stoppen, sondern positiv zu drehen. eve

www.ulrichsendler.de

Den ersten Artikel des Buches finden Sie hier:
hier.pro/MGRAR


Ulrich Sendler, Freier Fachjournalist, München
Bild: Friedrich-Ebert-Stiftung, Landesbüro Niedersachsen

„Die Industrie braucht eine Gesellschaft, die aktiv die Gestaltung ihrer Zukunft in die Hand nimmt. Und staatliche Strukturen auf allen Ebenen, die dafür den Boden bereiten und den Rahmen vorgeben.“

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