Siemens führt PLM und Digitalisierung zusammen
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Siemens führt PLM und Digitalisierung zusammen

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Mit dem Xcelerator-Portfolio hat Siemens sein Angebot nicht nur für die Produktentwicklung, sondern für das Digital Enterprise als Ganzes zusammengefasst. Warum das Ziel ein offenes Ecosystem ist und weshalb dennoch die beteiligten Menschen eine wichtige – wenn nicht die wichtigste – Rolle spielen, erläutert im Gespräch mit der KEM Konstruktion Dr. Erich K. Bürgel, seit März 2020 Geschäftsführer der Siemens Industry Software GmbH in Köln.

Interview: Michael Corban, Chefredakteur KEM Konstruktion

KEM Konstruktion: Herr Dr. Bürgel, als Geschäftsführer der Siemens Industry Software GmbH bringen Sie ja viel Erfahrung aus dem PLM-Umfeld mit. Realisiert Siemens über das Xcelerator-Portfolio nun auch die ursprüngliche Idee hinter dem Product Lifecycle Management (PLM), Daten über den gesamten Lebenszyklus und damit auch aus dem Betrieb zusammenzuführen?

Dr. Erich K. Bürgel (Siemens Industry Software GmbH): Das ist definitiv einer der Punkte, auf die wir uns fokussieren. Hinter dem Xcelerator-Portfolio stehen aber inzwischen deutlich mehr Funktionalitäten. Lag ursprünglich ein Schwerpunkt speziell mit der CAD/CAM/CAE-Software NX auf der eher mechanischen Entwicklung, steht heute das disziplinübergreifende Systems Engineering ebenso im Vordergrund. Zusätzlich adressieren wir mit den Lösungen von Mentor die Elektronik-Entwicklung und mit denen von Mendix das sogenannte Low Coding, also die schnelle und ressourcenschonende Entwicklung von Software – ohne die heute kein modernes Produkt mehr auskommt. Hinzu kommt dann mit Mindsphere die Cloud-Plattform von Siemens, mit der sich in der Tat dann auch Daten aus dem Betrieb leicht sammeln und auswerten lassen. Unser Ziel ist, hier ein Ecosystem rund um Produktentwicklung und -betrieb zu schaffen, in das auch Partner ihre Lösungen einbinden können. Und zwar ein flexibles, offenes Ecosystem! Alles in allem hat übrigens Siemens in diese Erweiterung des Portfolios in den letzten 10 Jahren über 10 Milliarden Euro investiert – und deswegen auch den Namen von Siemens PLM Software zu ‚Siemens Digital Industries Software‘ geändert.

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KEM Konstruktion: Ist die von Ihnen angesprochene Offenheit des Ecosystems Voraussetzung für die Akzeptanz bei den Anwendern?

Bürgel: Die Welt ist heute sehr heterogen – und diese wollen wir ja mit unseren Lösungen abbilden. Es gilt letztendlich eine Vielzahl von Informationsquellen einzubinden und zusammenzuführen; alles andere wäre also nicht mehr zeitgemäß. Dahinter steckt auch unsere Philosophie des Digital Enterprise, in dem ich vom virtuellen Produkt und der virtuellen Produktion durchgängig bis in Fertigung und Betrieb gehe. Zu der Offenheit kommt hier die Durchgängigkeit. Betrachtet man beispielsweise den Bereich CAD, haben wir früher auf zwei ‚Wolkenkratzer‘ gesetzt, der eine für die Mechanik, der andere für Elektrik/Elektronik. Da moderne Produkte beides enthalten, wurden natürlich Brücken zwischen diesen Wolkenkratzern gebaut – doch letztlich steht die Zusammenarbeit im Vordergrund. Das Xcelerator-Portfolio geht weit darüber hinaus und integriert neben der Simulation auch die Bereiche Software, Fertigung, Betrieb und Analytics. Nur so lassen sich Produkte entwickeln, umsetzen und optimieren. Wir sprechen hier gerne auch von einem ‚closed loop‘, in dem wir Erfahrungen aus dem Betrieb auch wieder in die Entwicklung einfließen lassen. Die Xcelerator-Plattform will deswegen sowohl die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Lösungsbereichen als auch den beteiligten Anwendern sicherstellen.

KEM Konstruktion: Wird damit auch die Arbeit der Produktentwickler anspruchsvoller?

Bürgel: Ja – aber genau dabei wollen wir sie unterstützen! Die Aufgabenstellung der Entwickler ist ja bereits heute schon multifunktional – denn ein Produkt besteht aus dem Zusammenspiel von Mechanik, Elektrik/Elektronik und Software. Dieser Herausforderung wollen wir Rechnung tragen, denn hier hat Europa und hat Deutschland immer noch den Vorteil, Ingenieure sehr gut auszubilden. Diesen Vorteil gilt es zu bewahren. Heißt im Klartext: Die Software muss Zusammenarbeit und Durchgängigkeit unterstützen – gleichzeitig aber adaptiv sein. Nicht jeder nutzt die Software in gleicher Weise, sie sollte deswegen so ‚intelligent‘ sein, nach einem gewissen Zeitraum zu wissen, welche Funktionalitäten der einzelne Anwender benötigt. Denn wichtig bleibt der Mensch, Menschen machen den Unterschied. Technologie ist eine notwendige, aber keine hinreichende Voraussetzung, um erfolgreich Produkte zu entwickeln. Das gilt in gleicher Weise für die Einbindung auch von Zulieferern, Fertigungsdienstleistern und Distributoren. Oder um es anders zu formulieren: Ziel und Herausforderung ist, aus Betroffenen Beteiligte zu machen.

KEM Konstruktion: Gehen Sie diese Aufgabe auch über die Technologie hinaus an?

Bürgel: Unter dem Stichwort ‚Customer Success‘ adressiert hier eines unserer strategischen Beratungsangebote den Erfolg des Kunden. Damit wollen wir erreichen, dass man gemeinsam mit dem Kunden die Ziele klar definiert und dann nachvollziehbar umsetzt. Das Xcelerator-Portfolio bietet deswegen auch mehr als die Summe der Softwarelösungen und schließt ganz bewusst solche Services mit ein. Im Rahmen solcher Analysen können wir Interessenten auch zeigen, an welcher Stelle sie in ihrem Markt stehen. Gegenüber dem Mittelwert einer Branche lässt sich dann beispielsweise erkennen, dass man in der Produktentwicklung bereits gut aufgestellt ist, die Fertigung aber noch hinterher hinkt. Das ermöglicht es wiederum, Projekte mit einer klaren Zielsetzung aufzusetzen.

KEM Konstruktion: Welche Erfahrungen haben Sie speziell mit der Umsetzung solcher Beratungsprojekte gemacht?

Bürgel: Ich selbst hatte seinerzeit einmal die Aufgabe, über 40 Projekte hinweg zu analysieren, welche Rolle die Aspekte Technologie, Prozessverbesserung, Geschäftsmodell und das Einlernen sowie die Mitnahme der Beteiligten spielen. Die entscheidende Erkenntnis war: Immer dann, wenn es gelang, die Beteiligten einzubinden, profitierte das Unternehmen auch in allen anderen Bereichen! Trivialer formuliert: Entscheidend bei der Einführung einer neuen Technologie ist, dass die neuen Möglichkeiten auch genutzt werden. Dort, wo es gelungen war, aus Betroffenen Beteiligte zu machen, konnten gemeinsam Prozessverbesserungen erarbeitet und die Technologie bestmöglich genutzt werden. Die Mitnahme der Beteiligten halte ich deswegen für eines der Schlüsselelemente – insbesondere angesichts des auch zukünftig weiter wachsenden Komplexitätsgrades der Aufgabenstellungen.

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KEM Konstruktion: Im Zuge der Digitalisierungs-Diskussion taucht ja immer wieder das Thema der digitalen Durchgängigkeit auf – warum spielt das eine so wichtige Rolle?

Bürgel: Ein plakatives Beispiel liefert etwa die Entwicklung von Elektromobilität und autonomem Fahren. Die Herausforderung ist ja, nicht zuletzt angesichts des hohen Anteils an Elektrik und Elektronik möglichst frühzeitig das Verhalten des Fahrzeugs im Zusammenspiel mit seiner Umgebung zu testen. Sinngemäß müssen dafür viele Millionen Kilometer gefahren werden, um nachzuweisen, dass die Systeme funktionieren. An dieser Stelle kann natürlich die Simulation die Produktentwicklung deutlich verkürzen und die Kosten deutlich senken. Voraussetzung ist, dass die Simulation die Realität abbildet und ich damit auch in automatisierte Tests gehen kann. Naheliegend ist, dass dazu in der Simulation auch das Zusammenspiel der beteiligten Subsysteme getestet werden muss – und das ist umso einfacher, je leichter sich deren Daten, oder besser deren Digitale Zwillinge, zusammenführen lassen. Ähnliche Ansätze nutzen wir übrigens auch zur Fertigungsoptimierung, etwa im Werk Amberg der Siemens AG. Auch hier gibt es Digitale Zwillinge, mit denen die Fertigungsverantwortlichen vorab verschiedene Szenarien ‚virtuell‘ durchspielen können, bevor sie eine Entscheidung treffen.

KEM Konstruktion: In dem Thema Simulation stecken sicherlich viele Potenziale – unterstützen Sie dabei auch den Gedanken der ‚Demokratisierung der Simulation‘, sprich: Jeder kann simulieren?

Bürgel: Natürlich – am Ende steckt aber auch dahinter ein Wandel der Unternehmenskultur, die Betroffenen sind wieder zu Beteiligten zu machen. Konkret bedeutet das mit Blick auf die Simulationsspezialisten, ihnen die Angst zu nehmen, dass sie zumindest teilweise Aufgabenbereiche verlieren. Umgekehrt gilt es, Konstrukteure für den Einsatz der Simulationstools zu gewinnen, ihnen die Angst vor der Komplexität zu nehmen. Zusammen erreichen beide mehr. Dadurch, dass die Konstrukteure selbst simulieren, können sich die Spezialisten beispielsweise auf hochgradig nichtlineare Aufgabenstellungen konzentrieren. Beide profitieren also – entscheidend ist ihre Einstellung dazu!

KEM Konstruktion: Lassen Sie mich zum Abschluss noch das Thema Automatisierung einbinden, da Siemens ja beide Welten adressiert – Produktentwicklung und Automatisierung. Komme ich aus dem Xcelerator-Portfolio auch nahtlos ins TIA-Portal?

Bürgel: Genau das setzen wir um über den Automation Designer, der das Engineering auf der Mechanik-Seite verbindet mit der automatisierten Schaltplan- und Softwaregenerierung sowie Hardwarekonfiguration – sinngemäß also die Brücke von der digitalen Fertigungsplanung zur virtuellen Inbetriebnahme schlägt. Das ist eine wichtige Voraussetzung, um immer kürzere Produktlebenszyklen und eine hohe Produktvielfalt erfolgreich zu bewältigen. An dieser Stelle hilft uns das offene Ecosystem, über das wir auch E-CAD-Systeme einbinden können. Damit kann der Anwender die Fertigungsidee in unserem ‚Mechatronics Concept Designer‘ entwerfen und über die Layout-Planung in ‚Line Designer‘ durchgängig bis hin zur Automatisierung im TIA-Portal nutzen. Die einst getrennten Welten Produktentwicklung und Automatisierung werden so verbunden. Diese Durchgängigkeit wollen wir künftig auch noch stärker auf Messen demonstrieren – was uns leider in diesem Jahr Corona-bedingt nicht möglich war.

Details zum Xcelerator-Portfolio:
hier.pro/dFg9q

Kontakt:
Siemens Industry Software GmbH
Franz-Geuer-Str. 10
50823 Köln
Tel. +49 221 208020
www.plm.automation.siemens.com

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