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Entwicklungen zu Industrieketten von Köbo

Kettentechnologie für Industrieketten
„Industrieketten sollen lange halten und müssen möglichst günstig sein“

Köbo entwickelt und fertigt Spezial-, Förder- und Transportketten vor allem nach kundenindividuellen Anforderungen in entsprechend vielfältigen Bauarten und Dimensionen. Im Interview mit KEM Konstruktion erläutert Köbo-Geschäftsführer Wolfgang Fuchs, was Ketten können müssen und welche Vorteile die aktuellen Entwicklungen für Maschinen und Anlagen diverser Industrien bedeuten.

» Interview: Nico Schröder, Korrespondent KEM Konstruktion, Augsburg

Inhaltsverzeichnis
1. Auslegung der Industrieketten
2. Vor allem kundenindividuelle und spezielle Industrieketten
3. Förder- und Transportketten für diverse Industrieanwendungen
4. Hauptgeschäftsfeld für Köbo: Marktsegment der Spezialkette
5. Industrieketten für hohe Beanspruchungen
6. Neue optimierte Rolleneinheit für langlebige Industrieketten
7. Schmierung der Industrieketten
8. Industrieketten als Teilsysteme komplexer Maschinen und Anlagen
9. Neue Rolleneinheit im Überblick

KEM Konstruktion: Was müssen die Ketten, die Köbo entwickelt und fertigt, allgemein können?

Wolfgang Fuchs: Ketten sollen lange halten. Dafür müssen sie qualitativ in Ordnung sein. Das heißt für uns, wir müssen die richtigen Materialien verbaut haben. Worauf heute vieles abzielt, ist natürlich eine erhöhte Lebensdauer. Insofern achten wir darauf, dass unsere Ketten leichter laufen und dadurch weniger Verschleiß erzielen, ergo eine höhere Lebensdauer haben. Temperaturbeständigkeit ist ebenfalls ein relevanter Faktor. Viele Ketten werden bei hohen Temperaturen eingesetzt, wodurch Fragen zur Haltbarkeit der Materialien in den Mittelpunkt rücken. Unseren Kunden ist es außerdem wichtig, dass bestimmte Verschleißteile in der Kette austauschbar sind. Wenn Anwender bestimmte Verschleißteile möglichst einfach und schnell austauschen können, ist es ein großer Vorteil für sie. Zudem müssen Ketten möglichst günstig sein.

Auslegung der Industrieketten

KEM Konstruktion: Wenn Sie auf konstruktive Überlegungen blicken: Wie gestalten Sie die Ketten so, dass sie leicht laufen und generell verschleißarm sind?

Fuchs: Wir verbauen beispielsweise spezielle Gleitlager oder Buchsen aus Messing, welche die Kette leichter laufen lassen und damit den Verschleiß mindern. Oft ist eine solche Komponentenauswahl in Hinblick auf die Haltbarkeit allerdings eine Balance-Spiel.

KEM Konstruktion: Welche Materialien setzt Köbo ein?

Fuchs: Im Wesentlichen Stahl und rostfreie Materialien. Zudem kommen spezielle Legierungen zum Einsatz, die temperaturbeständiger sind. Je nach geforderter Temperatur nutzen wir unterschiedliche Materialien, die in einem bestimmten Temperaturbereich die gewünschten optimalen Eigenschaften aufweisen.

Vor allem kundenindividuelle und spezielle Industrieketten

KEM Konstruktion: Wie sehen die Kundenanforderungen aus, nach denen Sie die Ketten anwendungsspezifisch auslegen?

Fuchs: Das eine sind Kunden, die ganz genau wissen, was schon einmal bekommen haben und das Gleiche wieder haben möchten. Das zweite Szenario sind Kunden, die mit einem Kettenmuster an uns herantreten. Und das Dritte sind Kunden, die mit einem konkreten Problem zu uns kommen, das wir kettentechnologisch angehen sollen. Entsprechend legen wir Ketten – gerade auch als Bestandteil einer weitaus komplexeren Anlage – im benötigten Umfang aus.

KEM Konstruktion: Welches Spektrum deckt Köbo dabei ab?

Fuchs: Wir machen Standard-Ketten nach DIN, standardähnliche Ketten und sehr viele Ketten nach kundenspezifischen Anforderungen beziehungsweise auch Ketten, die auf Standards aufbauen und um spezifische Komponenten ergänzt werden, sodass sie sich für die Kundenapplikation eignen.

Förder- und Transportketten für diverse Industrieanwendungen

KEM Konstruktion: Über welches Produktportfolio verfügt Köbo?

Fuchs: Wir bieten Förder- und Transportketten für verschiedene Anwendungsbereiche und Industrien wie Stahlindustrie, Holzindustrie, Schüttgutindustrie mit Kohle oder Zement beispielsweise sowie sehr stark für die Automobilindustrie. Im Moment ist die Recycling-Industrie stark im Kommen – überall dort, wo Abwasser gereinigt wird, wo Material transportiert oder irgendwie sortiert wird, sind unsere Ketten gefragt. In Freizeitparks werden unsere Ketten in Achterbahnen eingesetzt und im Bereich Fahrtreppen-Ketten haben wir beispielsweise die Rolltreppe, die in der Elbphilharmonie Hamburg läuft, gebaut – eine ganz spezielle Konstruktion, weil diese Rolltreppe bogenförmig ist. Dementsprechend haben wir die Kette in ihren Feinheiten zusammen mit dem Rolltreppenhersteller ausgelegt. Ein weiterer großer Bereich, den wir abdecken, ist die Lebensmittelindustrie – ein Beispiel hierzu: Bierflaschen laufen durch eine Flaschenreinigungsmaschine, in der links und rechts Ketten laufen. Oder: Wenn Tiefkühlpizzen produziert werden, laufen diese durch sogenannte Vorback-Öfen. Wenn Sie mit dem Auto in eine Waschstraße fahren, wird Ihr Auto mit einer Kette durchgezogen.

KEM Konstruktion: Welche Rolle spielen Kettenräder und Scheiben?

Fuchs: Für Maschinen und Anlagen entwickeln wir auch die entsprechenden Antriebs- und Umlenkräder. Es ist üblich, diese auszulegen. Die größere Kettenräder und Scheiben müssen wir im Allgemeinen vorgegeben bekommen, denn diese sind von der Größe der Anlage abhängig.

Hauptgeschäftsfeld für Köbo: Marktsegment der Spezialkette

KEM Konstruktion: Köbo kommt ursprünglich aus dem Bereich Rollenkette. Heute entwickeln und fertigen Sie hauptsächlich Spezialketten. Wie kam es dazu?

Fuchs: Die Rollenkette ist in gewisser Weise aus der Herstellung in Deutschland verdrängt worden, da diese mit genormten Abmessungen nach DIN eine Art Standardkette ist, die in vielen Tausenden Metern in vielen Anlagen läuft und deshalb natürlich unter anderem für asiatische Hersteller sehr interessant ist, die dieses Marktsegment bedienen können. Köbo ist im Laufe der Zeit immer mehr auf die Spezialkette gekommen – erst auf die Förderkette, dann auf die Spezialförderkette. Das hängt auch damit zusammen, dass Köbo einige Firmen im Umfeld dazugekauft hat, die Spezialketten gebaut haben. Dadurch haben wir Know How mit den dazugehörigen Konstruktionsunterlagen erworben.

KEM Konstruktion: Halten Sie einzelne Ketten bei all den kundenindividuellen Auslegungen und Anpassungen überhaupt lagerseitig vor?

Fuchs: Wir produzieren Einzelteile, die in unterschiedliche Ketten passen, lagerhaltig vor. Da schreiben wir dann bestimmte Mengen aus. Je nach Verbrauch produzieren wir nach. Mit einigen Kunden schließen wir auch Rahmenaufträge und halten entsprechende Einzelteile vor, um benötigte Ketten relativ schnell bauen zu können. Bei den Spezialketten ist es natürlich schwieriger bis unmöglich, sich alle Teile auf Lager zu legen.

Industrieketten für hohe Beanspruchungen

KEM Konstruktion: Welche Teile einer Kette können während der Laufzeit im Bedarfsfall ausgetauscht werden?

Fuchs: Die Teile einer Kette, die überhaupt nur ausgetauscht werden können, sind auch die Teile einer Kette, die demontierbar sind. Bei einer normalen Kette ist das fast gar nicht der Fall. Infrage kommen Ketten, die außenliegende Rollen haben. Bei diesen Ketten kann man Teile austauschen. Hier ergibt es oftmals Sinn und spart Kosten. Häufig werden spezielle Lager eingesetzt, die eine entsprechend hohe Haltbarkeit aufweisen.

KEM Konstruktion: Haben Sie Beispiele zu Anwendungen, die Ketten besonders zusetzen?

Fuchs: Ich habe bereits den Backofen erwähnt. Der Vorbackprozess läuft bei etwa 350 bis 400 Grad Celsius. Diese Temperaturen müssen darstellbar sein, und solche Ketten in einem Prozess mit Lebensmitteln lassen sich natürlich nicht ölen. In der Zementindustrie gibt es Ketten mit außenliegenden Rollen, die natürlich sehr stark beansprucht sind, denn Zement ist recht aggressiv in der Verwendung.

Neue optimierte Rolleneinheit für langlebige Industrieketten

KEM Konstruktion: Haben Sie aktuell ein Produkt weiterentwickelt und dabei besonderen Wert auf Langlebigkeit gelegt?

Fuchs: Wir haben eine neue, patentierte Backofen-Rolle entwickelt. Es handelt sich um eine austauschbare Rolle. Zudem haben wir es mit dieser Entwicklung geschafft, den Rollenwechsel zu vereinfachen. Die neue Rolle baut im Vergleich zur Vorgänger-Rolle deutlich breiter, was eine größere Lauffläche und damit einen geringeren Verschleiß bedeutet. Das heißt, die Laufrolle hält länger. Die Rolle ist zudem mit einer speziellen Sicherungsschraube ausgeführt, die einfach herausgedreht werden kann. Wir arbeiten an der Stelle nicht mehr mit einem Splint.

Schmierung der Industrieketten

KEM Konstruktion: Werden die meisten Ihrer Ketten geschmiert?

Fuchs: Die meisten unserer Ketten werden geschmiert, weil es für einen leichteren Lauf sorgt und die Lebensdauer erhöht. Schauen Sie auf einen Motor im Auto und hier auf die Steuerkette. Diese läuft in einem Ölbad. Das hat seinen guten Grund: Sie wird dort ständig geschmiert. Allerdings müssen wir immer beachten, dass eine Schmierung möglich ist, man also an die Kette kommt. Schmierung ist sehr aufwendig, vor allen Dingen, wenn man beispielsweise speziell über den Bolzen schmiert und so weiter. Und an den Ketten müssen außen spezielle Anlagen zur Schmierung angebracht sein.

KEM Konstruktion: Bietet Köbo wartungsarme oder gar schmierfreie Ketten an?

Fuchs: Wir bieten wartungsarme Ketten, die abgedichtet sind. Diese abgedichteten Ketten führen dazu, dass der Schmierstoff im Kettengelenk bleibt, wo er sein soll und dazu, dass von außen kein Schmutz eindringen kann. Über bestimmte Gleitlager-Materialien gibt es auch die Möglichkeit, auf die Schmierung zu verzichten. Einige Kunden legen darauf besonderen Wert darauf, nicht nur im Lebensmittelbereich.

Industrieketten als Teilsysteme komplexer Maschinen und Anlagen

KEM Konstruktion: Nutzen Sie Sensorik in den Ketten, beispielsweise zur Wartung?

Fuchs: Nein. Das Einfachste ist es, Kettenstücke zu vermessen beziehungsweise Kettenstücke auszutauschen, um sie zu vermessen. Das ist üblich und bietet die genauesten Aussagen.

KEM Konstruktion: Ketten werden im System verbaut. Was gilt es in Hinblick darauf zu beachten?

Fuchs: Erstmal achten wir natürlich darauf, dass die Ketten passen. Dazu prüfen wir Anschlussmaße. In der Regel sind die Ketten ähnlich abgestimmt. In ganz speziellen Fällen, wo wir von Anfang an mit einem Betreiber eine neue Konzeption machen, weil bestimmte Bruchkräfte gefordert sind, müssen wir die Ketten danach auslegen. Das heißt, dadurch ergeben sich auch bestimmte Baumaße. Wenn eine Kette bestimmte Kräfte übermitteln soll, sind bestimmte Blechdicken gefordert, die Berechnungsprogramme ermitteln können. Jedes Material hat andere Kennwerte, die es zu beachten gilt. Es gibt beispielsweise Materialien die besonders temperaturbeständig sind, aber deren Zugfestigkeit vielleicht nicht so hoch ist.


Für die industrielle Backtechnik bietet Köbo eine neue Rolleneinheit mit patentiertem Sicherungssystem.
Bild: Köbo

Neue Rolleneinheit im Überblick

Die Köbo-Rolleneinheit verfügt über ein patentiertes Sicherungssystem und folgende Vorteile:

  • Erhöhte Lebensdauer der Laufrollen um etwa 25 % durch vergrößerte Gleitfläche
  • Reduzierte Zeiten für den Wechsel der Laufrollen durch eine einfache Demontage und Montage
  • Kettenaustausch mit patentiertem Sicherungssystem in allen Öfen möglich, da die Gesamtbreite der Kette unverändert bleibt

Details zu den Anwendungsfeldern von Förderketten: hier.pro/TGzAW

Kontakt:
KÖBO GmbH & Co. KG
Hatzfelder Str. 115
42281 Wuppertal
Tel.: 0202 70930
info@koebo.com
www.koebo.com

 

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