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Markt- und technologieseitige Entwicklungen der Fluidtechnik-Branche

Fluidtechnik
VDMA erläutert Branchenentwicklungen zu Fluidtechnik 4.0

Welche markt- und technologieseitigen Entwicklungen die Fluidtechnik-Branche aktuell umtreiben, erläutern Hartmut Rauen, stv. Hauptgeschäftsführer VDMA und Geschäftsführer Fluidtechnik, sowie Dr. Steffen Haack, Vorstand für Entwicklung bei Bosch Rexroth und Vorstandsvorsitzender des Fachverbands Fluidtechnik. Der Fachverband im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) vertritt rund 200 Hydraulik-, Pneumatik- und Dichtungstechnikunternehmen.

» Nico Schröder, Korrespondent KEM Konstruktion, Augsburg

Inhaltsverzeichnis
1. Lieferengpässe im Maschinen- und Anlagenbau
2. Digitalisierte Fluidtechnik und neue Geschäftsmodelle
3. Nachhaltigkeit und Fluidtechnik 4.0

KEM Konstruktion: Seine Umsätze konnte die Fluidtechnik-Branche Deutschland zuletzt um 20 % steigern (Umsatzzuwachs 2021 im Vergleich zu 2020 – sowohl Hydraulik als auch Pneumatik mit plus 20 %). Dem ging 2020 ein Umsatzrückgang von minus 14 % in der Hydraulik und minus 7 % in der Pneumatik voraus. Für das aktuelle Jahr hat der VDMA (Stand November 2021) für die Hydraulik ein Umsatzplus von 6 % im Vergleich zum Vorjahr prognostiziert, für die Pneumatik von 7 %. Auf welche marktseitigen Entwicklungen sind die in 2021 vollzogenen und für 2022 absehbaren positiven Umsatzentwicklungen aus VDMA-Sicht zurückzuführen?

Hartmut Rauen: Die Fluidtechnik ist stark durch das letzte Jahr gekommen. Wir liefern in den kompletten Maschinenbau, der anzieht. Wichtige Kundenbranchen wie Landtechnik oder Baumaschinen berichten von starken Zahlen, was die Fluidtechnik über den Durchschnitt hebt. Für 2022 ist auch noch einiges an Backlog in den Auftragsbüchern, was sich positiv auf die Umsatzerwartung auswirkt.

„Die Fluidtechniker stehen vor ähnlichen Herausforderungen wie andere Unternehmen.“

KEM Konstruktion: Wo sehen Sie derzeit die größten marktwirtschaftlichen Risiken für die Fluidtechnik-Branche? Gibt es branchenspezifische Eigenarten oder sehen Sie ähnliche Herausforderungen über den gesamten Maschinen- und Anlagenbau?

Dr. Steffen Haack: Die Fluidtechniker stehen vor ähnlichen Herausforderungen wie andere Unternehmen. Als Branche punkten wir dabei mit nachhaltigen, flexiblen, robusten und sicheren Lösungen, die zunehmend digitalisiert werden.

Lieferengpässe im Maschinen- und Anlagenbau

KEM Konstruktion: Wie gehen die Unternehmen speziell mit irritierten Lieferketten und anhaltenden Lieferengpässen um? Welche strategischen Anpassungen der Unternehmen sehen Sie, um auf Lieferschwierigkeiten zu reagieren?

Rauen: Allgemeine Strategien wurden in den VDMA-Blitzumfragen genannt: Erhöhung der Resilienz der Lieferketten durch verschiedene Maßnahmen wie: Verteilung der Bestellungen auf mehrere und auch neue Zulieferer, veränderte Beschaffungsprozesse und mehr Lagerhaltung, angepasste Lieferrouten und Logistikpartner oder vermehrte In-House-Produktion.

KEM Konstruktion: Digitalisierung gilt als Schlüsselkompetenz, um Innovationen und auch Weiterentwicklungen bei Standardprodukten voranzutreiben. Welche Fortschritte macht die Digitalisierung der Fluidtechnik, welche Rolle spielt die Interoperabilität digitaler Fluidtechnik und welchen Status quo sehen Sie hier?

„Um bei der Digitalisierung diese Vielfalt abzubilden, wird der Digitale Zwilling und das Konzept der Verwaltungsschale genutzt.“

Haack: Die Fluidtechnik als Zulieferindustrie mit einer Vielzahl an Komponenten und Kombinationsmöglichkeiten kann nur sehr wenig standardisierte „Black-Boxes“ mit vorgegebenen Ein-/Ausgängen bilden. Um bei der Digitalisierung diese Vielfalt abzubilden, wird der digitale Zwilling und das Konzept der Verwaltungsschale genutzt.

Rauen: Seit 2016 laufen dazu sehr intensive Standardisierungsaktivitäten (vgl. Factsheet Fluidtechnik 4.0). Die Standardisierung als Grundlage der fluidtechnischen Interoperabilität ist mittlerweile so weit vorangekommen, dass erste digitale Zwillinge erstellt und verwendet werden können. Zur Hannover-Messe werden VDMA Fluidtechnik und seine Mitglieder einen Demonstrator präsentieren.

Digitalisierte Fluidtechnik und neue Geschäftsmodelle

KEM Konstruktion: Welches Potenzial haben neue digitale Geschäftsmodelle für Fluidtechnik-Unternehmen?

Haack: Condition Monitoring und Predictive Maintenance sind für viele schon oft strapazierte Begriffe, aber inhaltlich immer noch brandaktuell: Durch geschickte Datenanalyse lassen sich Zustände der Komponenten und Systeme erfassen und vorhersagen. Dies ermöglicht neue Services und Geschäftsmodelle.

KEM Konstruktion: Wie fokussiert sich die Branche in Bezug auf Nachhaltigkeit von Hydraulik- und Pneumatiklösungen?

Haack: Eine Stärke der Fluidtechnik ist ihre Flexibilität und die optimale Anpassbarkeit auf die Anwendung. Moderne fluidtechnische Lösungen brauchen nicht den Vergleich mit konkurrierenden Technologien scheuen und punkten in der Gesamtbetrachtung mit weiteren Vorteilen, zum Beispiel Sicherheit, Robustheit, Langlebigkeit, Dynamik und guter Re-Usability.

Nachhaltigkeit und Fluidtechnik 4.0

KEM Konstruktion: Und welche Rahmenbedingungen flankieren die Nachhaltigkeitsziele der Unternehmen besonders?

Rauen: Vor dem Hintergrund der nationalen und europäischen Gesetzgebung sowie der allgemeinen Tendenz im Markt hin zu klimaneutralen, nachhaltigen Produkten, unterstützt der VDMA und der Fachverband Fluidtechnik auf vielen Ebenen. Exemplarisch hervorzuheben sind beispielsweise die Beteiligungen an Konsultationen und Studien, Standardisierungsprojekte zu energieeffizienten Fluidtechniksystemen sowie Forschungsprojekte und Arbeitskreise zu branchenübergreifend konsistenten CO2-Fußabdrücken.

KEM Konstruktion: Welche Ausrichtung des Fachverbandes Fluidtechnik wird es insbesondere mit Dr. Steffen Haack, Bosch Rexroth, der 2021 neu zum Vorsitzenden des Fachverbandes gewählt worden ist, geben?

Rauen: Herr Haack begleitet und verantwortet seit vielen Jahren als Vorstandsmitglied die Projekte und Ausrichtung des Fachverbands in enger Abstimmung mit den Vorstandskollegen und dem ehemaligen Vorstand. Diese kontinuierliche Weiterentwicklung von Themen und Branche wird es so auch weiterhin geben. Besonderer Fokus liegt derzeit auf den Themen Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Bildung und Fairness im Wettbewerb mit anderen Technologien und Nationen.

http://www.vdma.org/fluidtechnik

Kontakt:
VDMA e. V.
Fluidtechnik
Lyoner Straße 18
60528 Frankfurt am Main
Tel.: +49 69 6603–1331

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