Funksystem Radioline von Phoenix Contact am Kanal Gent-Terneuzen

Funksysteme

Das Funksystem Radioline von Phoenix Contact am Kanal Gent-Terneuzen

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Der Kanal Gent-Terneuzen verbindet den Seehafen der belgischen Stadt Gent mit der Nordsee. Um sicher von den Schiffen befahren werden zu können, wird der Kanal von beiden Uferseiten beleuchtet. Eine Fernwirklösung auf Basis des lizenzfreien Funksystems Radioline von Phoenix Contact sorgt für die zuverlässige Ansteuerung der weit entfernt gelegenen Beleuchtungsstationen.

Benjamin Fiene, Produktmarketing Wireless, Phoenix Contact Electronics GmbH, Bad Pyrmont

Inhaltsverzeichnis

1. Weiterleitung von Sensor-/Aktorinformationen
2. Einsatz verschiedener Funkfrequenzen
3. Alternative Übertragungswege zur Kommunikation
4. Überbrückung großer Distanzen
5. Bewertung der Funkstrecke

 

Am Kanal Gent-Terneuzen stellen 300 beleuchtete Masten, die an beiden Uferseiten installiert sind, eine gute Durchfahrt der Schiffe auch bei Nacht sicher. Es ist wichtig, dass alle Lampen unabhängig voneinander funktionieren. Fällt dann ein Leuchtkörper aus, hat das keinen Einfluss auf den Betrieb der anderen Lampen. Darüber hinaus muss die Spannung an jedem Leuchtmittel konstant sein – und das selbst bei starken Belastungsschwankungen. Der Kanal Gent-Terneuzen, der über zwei Schleusen in Terneuzen verfügt, ist heute 32 km lang und 200 m breit, weshalb ihn Seeschiffe mit einer Ladung bis 125.000 t befahren können. Nach Antwerpen und Brügge-Zeebrügge ist Gent der drittgrößte Seehafen Belgiens, sodass der Kanal erhebliche Bedeutung für die Stadt und die Industrieunternehmen der Region hat. Umgeschlagen werden vor allem Massengüter und hier hauptsächlich trockene Schüttgüter wie landwirtschaftliche Erzeugnisse und Eisenerze. Die Streckenbefeuerung, also die Uferbeleuchtung des Kanals, erweist sich als wesentlicher Bestandteil der technischen Infrastruktur der Wasserstraße.

Weiterleitung von Sensor-/Aktorinformationen

Das niederländische Unternehmen Istimewa Elektro B.V., dessen Hauptsitz sich in Vlissingen rund 100 km nordwestlich von Antwerpen befindet, konzentriert sich auf die Bereiche Offshore, Infrastruktur, Wasser und Umwelt. Aufgrund seiner Expertise erhielt das Unternehmen 2016 den Auftrag zur Erneuerung der Beleuchtung des niederländischen Abschnitts des Kanals Gent-Terneuzen. Damit die neuen LED-Leuchten besser gruppiert werden können, stellte das Unternehmen zusätzliche Schaltkästen auf, die lokal an das Stromnetz angeschlossen sind. Allerdings gab es seinerzeit keine Steuerleitungen, um die Beleuchtung zentral ebenso wie dezentral zu schalten.

Durch die Seitenhäfen beträgt die Länge des niederländischen Kanalabschnitts 26 km. „Diese Strecke verdoppelt sich, da an beiden Seiten des Kanals Lampen montiert sind. Wegen der erheblichen Kosten, welche die Verlegung von Steuerleitungen nach sich zieht, standen wir vor der Herausforderung, eine kostengünstigere Alternativlösung zu finden“, erläutert Wilco van Genderen, als Projektmanager bei Istimewa Elektro tätig. „Wir haben uns letztendlich für das Radioline-Funksystem von Phoenix Contact entschieden, das auf der Trusted Wireless-Technologie basiert“, führt Max Verveer, technischer Ingenieur bei Istimewa Elektro, weiter aus. „Durch die finanziellen Einsparungen im Vergleich zu einer Kabelverlegung konnten wir deutlich günstiger als unsere Mitbewerber anbieten. Hinzu kam, dass unser Kunde das Radioline-System bereits kannte und unseren Vorschlag daher sofort akzeptiert hat.“ Mit der universellen Funklösung lassen sich neben Sensor- und Aktorinformationen ebenfalls serielle Daten in räumlich ausgedehnten Applikationen austauschen.

Einsatz verschiedener Funkfrequenzen

Nach der ersten Streckenplanung durch die Mitarbeiter des technischen Supports von Phoenix Contact wurde vor Ort die optimale Position der Funkmodule und Antennen ermittelt. Dabei zeigte sich, dass die Steuerkästen für die Beleuchtung teilweise weit voneinander entfernt aufgestellt sind und durch Hindernisse – wie Bäume oder Gebäude – verschattet werden. In diesem Fall ermöglicht das modulare Radioline-System den Einsatz verschiedener Funkfrequenzen. Die Wireless-Spezialisten schlugen den Verantwortlichen von Istimewa Elektro einen Test mit 868-MHz-Geräten vor. Im Vergleich zum in der Regel verwendeten 2,4-GHz-Frequenzband zeichnet sich das 868-MHz-Band durch eine bessere Durchdringung von Hindernissen aus. Dies resultiert aus dem niedrigeren Frequenzbereich und der dort erlaubten höheren Sendeleistung.

Alternative Übertragungswege zur Kommunikation

Entlang des Kanals sind insgesamt 17 Steuerkästen zur Schaltung der Beleuchtung verbaut. Der größte Abstand zwischen zwei Kästen beträgt mehr als 2 km. Zur Übermittlung der Steuerbefehle ist pro Steuerkasten ein Radioline-Funkmodul in Kombination mit einem I/O-Erweiterungsmodul installiert). Über jeden Kasten werden zwei Beleuchtungsstränge (Nord/Süd) aktiviert. Das geschieht einerseits automatisch, wenn es dunkel wird, kann aber auch manuell durch einen Brückenwärter oder aus der zentralen Leitwarte in Terneuzen erfolgen. „Das Funknetzwerk nutzen wir nicht nur zur Steuerung der Beleuchtung. Darüber hinaus dient es der Übertragung unterschiedlicher Statussignale der Brücken und Schleusen an die Leitzentrale“, erklärt Herman de Grave, der als Planer bei Istimewa Elektro beschäftigt ist. Aufgrund der redundanten Kommunikationswege erweist sich die Verfügbarkeit als hoch, sodass selbst große Schiffe, welche die Sichtverbindung zwischen den Stationen blockieren können, nicht zu einem Funkausfall führen. „Wegen der in das Funkmodul integrierten Bargraf-Anzeige und des RSSI-Signalausgangs hat sich die Ausrichtung der Antennen einfach gestaltet“, berichtet Max Verveer weiter.

Die auf Basis der robusten Technologie Trusted Wireless 2.0 funkenden Module sind speziell für die Weiterleitung von Daten über große Distanzen entwickelt worden. Durch die Mesh-Netzwerkfähigkeit des Radioline-Systems können bis zu 99 Teilnehmer über 868-MHz-Repeater-/Slave-Stationen untereinander kommunizieren. Sobald die Übermittlung zwischen zwei Stationen unterbrochen ist, wird automatisch ein neuer Übertragungsweg zu einer anderen in der Nähe befindlichen Station gesucht. So ist der Datenaustausch zwischen den dezentralen Stationen und der Leitzentrale sichergestellt.

Überbrückung großer Distanzen

Bei einer proprietären Technologie wie Trusted Wireless 2.0 ist das Protokoll nicht öffentlich zugänglich, weshalb ein grundsätzlich besserer Schutz der Funklösung vor Angriffen besteht. Zusätzlich wurden Sicherheitsmechanismen implementiert: Die 128-Bit-AES-Verschlüsselung sorgt dafür, dass theoretisch mitgehörte Datenpakete nicht verstanden werden. Zudem kontrolliert eine Integritätsprüfung die Echtheit des Senders und verwirft Nachrichten, die verändert wurden. Nicht zu vergessen das sogenannte Frequenzsprungverfahren FHSS, das die Robustheit der Kommunikation erhöht.

Die im lizenzfreien 2,4-GHz- sowie im 868-MHz- und 900-MHz-Frequenzband arbeitende Funktechnologie zeichnet sich ferner durch hohe Robustheit und Zuverlässigkeit sowie die Überwindung großer Entfernungen aus. Wie bereits beschrieben, kann die Datenrate der Funkschnittstelle zu diesem Zweck individuell festgelegt und so die Empfängerempfindlichkeit erhöht werden. Bei einer niedrigen Übertragungsgeschwindigkeit lässt sich eine wesentlich größere Reichweite überbrücken als bei einer hohen Datenrate. Der Anwender passt das Radioline-Modul somit optimal an die jeweilige Applikation an. Trusted Wireless überzeugt außerdem durch gute Diagnosemöglichkeiten sowie die Koexistenz zu anderen im gleichen Frequenzband funkenden Systemen. eve

www.phoenix-contact.de

Details zum Funksystem Radioline:

t1p.de/vvyv


PLUS

Bewertung der Funkstrecke

Eine spezielle Software unterstützt bei der Bewertung, ob eine Funkstrecke umgesetzt werden kann. Dazu liefert das Tool anhand der zur Verfügung gestellten Koordinaten der Unterstationen einen Geländeschnitt mit Höhenprofil. Auf diese Weise lassen sich Hindernisse wie Berge, Hügel, Bäume oder Gebäude erkennen. Außerdem erlaubt die Software die exakte Festlegung der Antennenposition beziehungsweise deren Höhe sowie des Standorts der erforderlichen Repeater-Stationen. Auf der Grundlage dieser Informationen kann der Anwender dann entscheiden, ob der Aufbau einer Funkverbindung sinnvoll ist.


„Wegen der Bargraf-Anzeige und des RSSI-Signalausgangs hat sich die Ausrichtung der Antennen einfach gestaltet.“

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