Geschäftsführender Gesellschafter Pilz GmbH & Co. KG, Ostfildern „Dienstleistung heißt bei Pilz: Antwort auf die Frage nach dem Automatisierungskonzept“

Thomas P. Pilz

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Das Unternehmen Pilz darf sich als Pionier fühlen. Schließlich war es das erste, das sich das Thema Sicherheitstechnik auf die Fahnen geschrieben hatte. Inzwischen sind Wettbewerber dazu gekommen. Aber: Thomas Pilz ist nicht bange. Er und seine beiden Mitgesellschafter, die Mutter Renate Pilz und die Schwester Susanne Kunschert, bauen auf eine unsichtbare und wirksame Kraft: Auf die verbindende Wirkung eines familiengeführten Unternehmens. Bei 1000 Mitarbeitern funktioniert das noch.

Das Interview führte KEM-Chefredakteur Herbert Neumann

KEM: Herr Pilz, laut Homepage-Selbstdarstellung ist Pilz Weltmarktführer in sicherer integrierter Automatisierung. Womit wird der hohe Anspruch begründet?
Pilz: Die weltweite Verbreitung unser Sicherheitstechnologie begründet ihn. Denn Recherchen von Marktforschern wie der ARC Advisory Group in Boston belegen den mengenmäßig größten Marktanteil für Pilz. Gewachsen ist der Anspruch auch aus der Historie. So hat Pilz bereits im Jahre 1970 sein erstes Produkt mit Sicherheitsbezug auf den Markt gebracht. Damals handelte es sich um ein Zweihandrelais.
KEM: Wie reagiert Pilz auf die Tatsache, dass einschlägige Feldbus-Organisationen ebenfalls sichere Netzverbindungen anbieten?
Pilz: Wir freuen uns! Wenn nun fast sechs Jahre nach Einführung des ersten sicheren offenen Feldbusses die anderen Feldbus-Organisationen ebenfall eine sichere Netzverbindung am Markt positionieren, heißt das doch, dass wir mit unserem Safetybus p den richtigen Trend gesetzt haben! Die Technik geht voran, und Pilz entwickelt Safetybus p weiter. Es wird ein ethernetbasiertes Safetynet p geben. Damit geben wir unseren Kunden die Sicherheit, ihre Anforderungen auch künftig mit neuester, nutzenorientierter Technologie von Pilz erfüllen zu können.
KEM: Pilz ist in erster Linie immer noch ein Synonym für das Sicherheitsschaltgerät Pnoz. Inwieweit trifft diese Annahme heute noch zu?
Pilz: Meiner Meinung nach voll und ganz! Pnoz ist das Synonym für Sicherheitsschaltgeräte, so wie das etwa bei Tempo und Taschentüchern der Fall ist. Dass die Marke Pnoz und damit das Produkt in Verbindung mit Pilz gesetzt wird ist gut so, schließlich haben wir dieses Produkt bereits 1987 als erstes Sicherheitsschaltgerät überhaupt auf den Markt gebracht. Heute ist Pnoz das am häufigsten eingesetzte Sicherheitsschaltgerät weltweit. Daraus ist eine ganze Produktgruppe an Sicherheitsschaltgeräten für die unterschiedlichsten Anforderungen und Bedürfnisse geworden. Sicherheitsschaltgeräte der Marke Pnoz gibt es nach wie vor in elektromechanischer Ausführung als Pnozclassic oder als innovatives, multifunktionales Sicherheitssystem Pnozmulti, bei dem Sicherheitsfunktionen frei und auf einfache Weise mittels einer Software konfiguriert werden können. Wir weiten also unser Synonym auf Sicherheitskleinsteuerungen aus und werden in Kürze in der Produktgruppe Pnoz mit einer weiteren Innovation aufwarten. Die Entwicklung bei Pnoz geht also weiter.
KEM: Ist Pilz ein klassischer Tier 1-Supplier?
Pilz: Nein, das sind große Systemintegratoren. Wir sind Partner der Tier 1-Supplier und pflegen desshalb mit der Automobilindustrie und OEMs anderer Industrien sehr enge Beziehungen. Mann könnte also schmunzelnd sagen: Wir sind ein Tier 1.5-Supplier
KEM: Das Thema Sicherheitstechnik wird heute verstärkt von Unternehmen aufgegriffen. Damit verliert Pilz eine Alleinstellung. Wie reagiert Pilz darauf?
Pilz:. Wir haben klare Ziele und eine klare Strategie. Wir verstehen uns als Lösungsanbieter für die sichere Automation. So erstellen wir sowohl für lokal als auch für international tätige Unternehmen globale Sicherheitskonzepte, bieten Schulungen an, helfen bei der Umsetzung. Ein zweite Säule stellt der horizontale Ausbau unseres Angebots dar. Wir bieten heute komplette Lösungen bestehend aus Sensorik, Steuerungstechnik und Aktorik an. Die dritte Säule ist die intelligente Verzahnung von Sicherheit und Standard. Auch die programmierbare Sicherheitssteuerung PSS hatte schon immer einen Standardsteuerungsteil. Nur stand dieser nicht im Fokus. Dieser Standardteil wird jetzt weiter ausgebaut und mit Motion ergänzt. Auch unsere neue dezentrale modulare E/A-Plattform Pssuniversal ist ein kombiniertes System. Es zeichnet sich durch eine intelligente Kombination von Sicherheits- und Standardsteuerungsfunktionen aus und erfüllt so die jeweils spezifischen Anforderungen von Standard und Sicherheit, wie extrem kurze Reaktionszeiten, beziehungsweise Rückwirkungsfreiheit.
Last but not least überführen wir das sichere und offene Bussystem Safetybus p in ein sicheres Ethernet, namens Safetynet p. Mit Blick auf die sicherheitsgerichtete Übertragung von Daten können wir auf eine langjährige Erfahrung zurückblicken, die wir in die Entwicklung von Safetynet p einbringen werden. Durch die Überführung von Safetybus p in ein sicheres Ethernet bieten wir unseren Kunden die Gewähr, dass ihre Investitionen gesichert sind. Ein wichtiger Punkt, denn Safetybus p ist weltweit im Einsatz, mit jetzt über 120 000 Knoten.
KEM: Herr Pilz, Sie haben einige Jahre die Pilz Automation Safety L. P. in USA geleitet. Unterscheiden sich die Anforderungen in puncto sichere Automation in USA und Europa?
Pilz: Ja und Nein. Ja, es gibt Unterschiede, zum Beispiel bei der gesetzlichen Verpflichtung, Sicherheitstechnik in der uns bekannte Form einzusetzen. In den USA ist der Arbeitgeber lediglich verpflichtet einen sicheren Arbeitsplatz bereitzustellen. Wie er das macht ist ihm selbst überlassen. Nein, bei der Technik ist alles wieder gleich, denn eine gefährliche Applikation ist in USA so gefährlich wie hier. Der Lösungsansatz zur sicheren Automatisierung ist somit ebenfalls der gleiche. Da in der Regel unsere Produkte wirtschaftlicher sind als eine Lösung „Marke Eigenbau“ wird auch in USA zunehmend Sicherheitstechnik mit europäischem Niveau verbaut. Es musste eben der Bewusstseinsprozess gestartet werden. Und darauf bin ich sehr stolz, daß Pilz als der Botschafter der Maschinensicherheit seit über zehn Jahren maßgeblich dazu beigetragen hat!
KEM: Welche betriebswirtschaftliche Größe steht bei einem familiengeführten Unternehmen ganz oben an?
Pilz: Die Profitabilität! Denn wir sind und möchten auch in Zukunft ein unabhängiges Unternehmen sein. Um alle unsere Ziele stemmen zu können, vor allem für die Entwicklung neuer, inovativer Produkte für und mit unseren Kunden, ist eine finanziell gesunde Basis Voraussetzung. Dieses Reinvestieren unserer Gewinne erlaubt es uns, langfristig unseren Mitarbeitern sichere Arbeitsplätze anzubieten.
KEM: In welchen Ländern profitiert Pilz besonders von einer aufstrebenden industriellen Entwicklung?
Pilz: Zuerst und vor allem hier in unserem Heimatmarkt Deutschland. Mit großer Freude habe ich der Presse entnommen, dass die deutsche Industrie auch 2006 wieder Exportweltmeister werden kann. Wir tragen unseren Teil dazu bei und sind in den Wachstumsregionen wie Asien mit eigenen Tochtergesellschaften in China, Korea und Japan vertreten. Indien wird bei uns 2006 stärker im Fokus stehen, dort arbeiten wir mit einem Systempartner zusammen. Brasilien oder auch Mexiko sind derzeit ebenfalls aufstrebende Regionen, auch hier haben wir eigene Tochtergesellschaften.
Firmensteckbrief
2004 :
  • Konzernumsatz: 115,99 Mio € (Umsatzsteigerung zu 2003 + 5 %)
  • Anzahl Mitarbeiter im Konzern: 1000
  • Tochtergesellschaften: 23
  • Exportanteil: 58 %
  • Anteil Forschung und Entwicklung am Umsatz: 13 %
Befehlen und Melden KEM 410
Sensorik KEM 411
Steuerungstechnik KEM 412
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