Methodik einer Risikoeinschätzung mit der EN 62061 Sicherheitstechnik für Maschinen mit Euchner – Teil 4 - KEM

Methodik einer Risikoeinschätzung mit der EN 62061

Sicherheitstechnik für Maschinen mit Euchner – Teil 4

EUCHNER_GmbH_+_Co._KG_in_Leinfelden-Echterdingen_zwischen_dem_26._und_29.8.2016.
Ein Blick in die Produktion von Sicherheitsschaltern bei Euchner Bild: Euchner
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Im letzten Teil der Serie wurde die Methodik zur Risikobeurteilung mit Hilfe des Anhang A der EN ISO 13849-1 vorgestellt. Im Folgenden wird nun die Methodik aus der EN 62061 betrachtet. Beide Verfahren erfüllen grundsätzlich die Vorgaben der EN ISO 12100 Sicherheit von Maschinen (A-Norm).

Jens Rothenburg, Produktmanager sowie Normenexperte bei Euchner

Die Methodik, die die EN 62061 zu Grunde legt, erscheint deutlich aufwendiger als die des Anhang A der EN ISO 13849-1. Sie ist aber vielleicht einfacher zu nutzen, da die Entscheidung für eine Einstufung leichter fallen dürfte. Während die EN ISO 13849-1 immer nur 2 Möglichkeiten anbietet, verwendet die EN 62061 eine deutlich feinere Unterscheidung. Hierfür ist jedoch ein mehrstufiges Verfahren notwendig:

Schwere des möglichen Schadens

Im ersten Schritt wird die Schwere des möglichen Schadens beurteilt:

Bild_1.jpg

Die Vierstufigkeit mit den beispielhaften Beschreibungen macht eine Bewertung einfacher als mit der im letzten Serienteil vorgestellten Methodik. Dabei ist es allerdings immer noch schwer genug, zu beurteilen, ob beispielsweise erste Hilfe ausreicht oder ein Arzt herbeigeholt werden muss.

Im zweiten Schritt wird dann die Häufigkeit und Dauer der Exposition beurteilt:

Bild_2.jpg

Diese Beurteilung fällt vielfach schon leichter und auch hier ist das Vorgehen mit der EN ISO 13849-1 schwieriger, da in der damit verbundenen Methodik zur Risikobeurteilung nur 2 Stufen verwendet werden.

An dieser Stelle außerdem noch ein Hinweis zu dieser zweiten Tabelle: In der Norm enthält sie nur jene Spalte mit einer Dauer größer als 10 Minuten. Die zweite Spalte ergibt sich aus dem zugehörigen Text: Darin steht, dass die Werte je um 1 reduziert werden können, es sei denn ein Bediener ist mehr als einmal pro Stunde der Gefährdung ausgesetzt.

Wahrscheinlichkeitsbeurteilungen

Der dritte Schritt beurteilt die Wahrscheinlichkeit des Auftretens:

Bild_3.jpg

Diese Beurteilung ist vielfach sehr schwierig. Wenn man quasi auf Nummer Sicher gehen möchte, wird man hier immer „Sehr hoch“ annehmen und hat dann das Gleiche erreicht, wie mit der EN ISO 13849, bei der die Wahrscheinlichkeit des Auftretens immer mit 100% angenommen und damit nicht beurteilt wird.

Im nächsten Schritt muss nun die Wahrscheinlichkeit zur Vermeidung des Schadens beurteilt werden:

Bild_4.jpg

Auch hier werden die Grenzen einer solchen Beurteilung aufgezeigt – es werden keine Hilfestellungen gegeben.

Bestimmung des SIL

Nachdem alle Beurteilungen vorgenommen wurden, werden die einzelnen Punkte in eine Tabelle zusammenführt, wobei für jede einzelne Gefährdungsstelle eine Zeile ausgefüllt werden muss:

Bild_5.jpg

Pro Gefahrenstelle werden in der Zeile die zuvor ermittelten Werte S, F, W und P eingetragen. Die Spalte K ergibt sich aus der Addition von F + W + P.

Über die beiden Werte S und K kann anschließend mit Hilfe der folgenden Tabelle ein SIL – Sicherheitsintegritätslevel oder Safety Integrity Level – ermittelt werden:

Bild_6.jpg

Der Eintrag (AM) bedeutet, dass andere Maßnahmen, also ohne technische Risikominderung, ausreichend sind. Dieses Verfahren ist, wie auch das in der EN ISO 13849-1, nicht zwingend vorgegeben, sondern in einem informativen Anhang aufgeführt.

Dementsprechend kann diese Tabelle auch in Zusammenhang mit der EN ISO 13849-1 genutzt werden. Anstelle des SIL muss dann ein PLr eingetragen werden. ik

www.euchner.de

Alle bisher erschienenen Teile der Serie finden Sie auch unter:

http://hier.pro/2ATbY


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PLUS

Sicherheitstechnik für Maschinen

Zusammen mit dem Normenexperten Jens Rothenburg von Euchner wollen wir Ihnen in jeder zweiten Ausgabe der KEM Konstruktion im Rahmen der Serie „Praktischer Umgang mit Normen in der Sicherheitstechnik für Maschinen“ in Form von kompakten Beiträgen die einzelnen Phasen der Entwicklung der Sicherheitstechnik einer Maschine näherbringen. Im ersten Serienteil (siehe KEM Konstruktion 6/2017) lag der Fokus auf einem Überblick über die relevanten Normen sowie einer groben Beschreibung der einzelnen Entwicklungsphasen. Seither werden diese Phasen und die entsprechenden Normen in den weiteren Serienteilen näher betrachtet.



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