Gebhard F. Kübler, Geschäftsführer Fritz Kübler GmbH, VS-Schwenningen

In der Welt zu Hause

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Als Gebhard Kübler vor rund zehn Jahren mit seinem Bruder Lothar die Redaktion KEM besuchte, war er Chef von rund 125 Mitarbeitern, umgesetzt wurden etwa 13 Millionen Euro, es gab eine Tochtergesellschaft in Frankreich. Heute sieht die Welt so aus: Gut 300 Mitarbeiter weltweit schaffen die Voraussetzung, um rund 40 Millionen Euro in der Firmengruppe zu erwirtschaften. Eigene Töchter gibt es zudem in China, Indien, Korea, Italien und Polen.

Herr Kübler, vor rund zehn Jahren waren Sie schon einmal Gast der KEM. Was hat sich seit damals verändert?

Kübler: Es gibt viel zu berichten: Die Gruppe ist von etwa 13 auf knapp 40 Millionen Euro Umsatz gewachsen. Zudem haben wir unser Portfolio erweitert, beispielsweise im Bereich Drehgeber, der heute Weg- und Winkelsensorik heißt. Das Zähler-Programm wurde um Prozessgeräte erweitert, 2007 startete der Bereich OEM-Produkte und -Systeme und 2008 kam mit der „Übertragungstechnik“ ein neuer Geschäftsbereich hinzu. Seit gut sechs Jahren konzentrieren wir uns zudem auf Branchenlösungen wie die Windenergie, die Aufzugstechnik, die mobile Automation, die Energiemesstechnik und die Antriebstechnik.
Nach dem Generationswechsel 1997 beschlossen mein Bruder und ich, weitere europäische Töchter zu gründen und wir wollten uns in Asien stärker einbringen. So entstanden 2007 in China und 2008 in Indien 100-prozentige Töchter, während wir in Südkorea ein Joint-Venture gründeten. Das USA-Geschäft haben wir 2001 zu einer strategischen Partnerschaft mit Turck ausgeweitet, und in Deutschland übernahmen wir 2005 den langjährigen Partner IST in Otterfing. Damit entstand ein Fertigungsstandort für Mini-Drehgeber und Schleifringe.
Welche Produkte verbergen sich hinter dem neuen Geschäftsbereich Übertragungstechnik?
Kübler: Dazu gehören zur Zeit Schleifringe, primär für die Verpackungsindustrie, Lichtwellenleiter-Module sowie die Anschlusstechnik. Schleifringe übertragen Last- und Signalströme von einer stehenden zu einer rotierenden Plattform. Mit Lichtwellenleitermodulen können die Ausgangssignale von Drehgebern bis zu 1000 Meter übertragen werden – störsicher gegen EMV.
Die Anschlusstechnik verkaufen wir meist zusammen mit unserer Weg- und Winkelsensorik. Wir bieten Stecker zum Selbstkonfektionieren, konfektionierte Kabelsätze, M12-, Profibus-, CANopen-, Ethercat- und Devicenet-Anschlusstechnik sowie M23x1-, MIL- und Ventilsteckverbinder. Da wir immer die Systemverantwortung und Gewährleistung für Sensor und Anschlusstechnik übernehmen, entfallen für Kunden Probleme durch nicht abgestimmte Anschlusstechnik.
Was veranlasste Sie zur Gründung dieses Geschäftsbereichs?
Kübler: Im Vordergrund stand der Gedanke, dem Kunden ein breiteres Sortiment anbieten zu können und abgestimmte Lösungen zu liefern. Da 2008 Schleifringe dazu kamen und diese der Übertragungstechnik zugeordnet werden können, wurde ein neuer Bereich gegründet.
1997, als Sie das Unternehmen übernahmen, lag der Umsatz bei rund 7 Millionen Euro. 13 Jahre später erwirtschaften Sie kanpp 40 Millionen Euro in der Gruppe. Welches Produkt ist die Cash-cow?
Kübler: In jedem unsrerer drei Geschäftsbereiche sind etablierte Produkte und Innovationen vertreten. Ältere Produkte haben zwar keinen hohen Entwicklungsaufwand mehr, müssen jedoch auch gepflegt werden, tendenziell sind sie wohl etwas mehr cash cow-orientiert. Unsere Innovationen hingegen sind durch hohe F+E-Anteile sicher keine cash cows, werden es nach einigen Jahren vieleicht aber sein. Insgesamt wird heute die Produktentwicklung immer teurer, allerdings mit der Folge, dass wir die Herstellkosten dadurch auch reduziert bekommen. Das verdanken wir unter anderem der zunehmenden Integration von Funktionen in Asics. Wollen wir innovativ bleiben, sind diese Invests notwendig. Die bisherige Unternehmensentwicklung lässt den Schluss zu, dass wir durch Wachstum zudem Skaleneffekte ausnutzen können und sich so diese Investitionen amortisieren. Wir beliefern inzwischen viele große OEMs. Das erlaubt uns eine Amortisation über hohe Stückzahlen.
Entstand das Wachstum ausschließlich „von innen heraus“?
Kübler: Im Wesentlichen ja. Wir sind aus eigener Kraft gewachsen – unabhängig und stets ohne Fremdmittel. Das soll auch so bleiben. Mittlerweile ist Kübler in etwa 55 Ländern vertreten, knapp 70 Prozent des Umsatzes werden im Ausland erwirtschaftet. Auch künftig wird das internationale Geschäft ein wesentlicher Aspekt bleiben – neue Standorte für attraktive Märkte sind geplant. Ich betone aber die hohe Relevanz eines starken Deutschland-Vertriebs. Eine starke Präsenz auf dem Heimatmarkt ist ein gutes Fundament für eine gesunde internationale Expansion.
Wenn Sie an neue Standorte denken; an welche denken Sie da konkret?
Kübler: Wohin es genau geht, möchte ich noch nicht verraten. Sicher spielen aber die BRIC-Staaten eine Rolle.
Schaut man sich frühere Produkte an, hatten diese eher schlichte Namen wie K04. Heute haben Sie mit Codix, Sendix oder Limes eigene Marken ins Leben gerufen. Wie wichtig sind Marken im Industriegeschäft?
Kübler: Ein Markenname unterstreicht den Wert eines Produkts und schafft einen hohen Wiedererkennungswert. Das gelang – Codix und Sendix wurden ein neuer Benchmark für die gesamte Branche. Codix steht für Zähler und Prozessgeräte, die optisch ähnlich aussehen und ähnlich einfach zu parametrieren sind. Unsere neuste Generation von Prozessanzeigen geht sogar noch einen Schritt weiter; bei diesen Geräten kommt man weitgehend ohne Bedienungsanleitung aus.
Nachdem sich diese Markenstrategie bewährt hatte, sollten die Drehgeber nicht nachstehen. 2005 brachten wir eine Drehgeber-Familie auf den Markt, die, ähnlich wie Codix, eine neue Epoche in ihrem Segment einleitete. Sie wurde Sendix getauft. Unter der dritten Marke Limes bündeln wir magnetisch lineare Messsysteme.
Dieses Jahr stellte Kübler stolz die Drehgeber-Familie Sendix F36 vor und bezeichnet sie als Revolution. Was macht diese Produkte so revolutionär?
Kübler: Die absolute Single- und Multiturn-Drehgeber-Familie Sendix F36 ist die weltweit erste 100-prozentige optische Multiturn-Drehgeber-Familie ohne Getriebe und damit völlig magnetfeldunempfindlich. Sie verbindet das Beste aus zwei Welten: eine hohe Auflösung, hohe Drehzahlen, die hohe Genauigkeit optischer sowie die Kompaktheit und Verschleissfreiheit berührungsloser elektronischer Systeme. Herzstück ist ein Opto-Asic mit integrierten Fotosensoren, der alle Single- und Multiturn-Funktionen auf einem Chip vereint. Er wertet also die Umdrehungen vollständig opto-elektronisch aus. Dadurch kann zum einen das mechanische Getriebe entfallen, zum anderen sind die sonst notwendigen Sensoren zur Rundenzählung nicht mehr erforderlich. Gleichzeit entfallen damit viele schwingungs- oder bruchempfindlichen Komponenten, was den Sendix F36 besonders ausfallsicher und robust macht. Last but not least: Der Außendurchmesser beträgt nur 36 statt der sonst typischen 58 Millimeter.
Wagen Sie einen Blick in die Zukunft: Wo sehen Sie Kübler in 10, wo in 25 Jahren?
Kübler: Wir trauen uns zu, dass wir in 10 Jahren den weltweiten Umsatz verdreifachen können und bis dort die Mitarbeiterzahl verdoppelt haben. Das ist unserer erklärtes Ziel. Dann werden wir, ausgehend von unseren heutigen Standbeinen, neue Technologie-, Produkt- und Marktfelder erschlossen haben. Umsatzwachstum ist allerdings kein Selbstzweck, sondern immer Mittel zur finanziellen Unabhängigkeit.
In 25 Jahren stehen wir dann wohl kurz vor der Rente, bis dorthin wünschen mein Bruder und ich uns sicher nichts mehr, als dass wir weiter ein erfolgreiches Familienunternehmen sein werden und unsere Kinder Verantwortung übernommen haben.
Denken Sie an Übernahmen und damit an neue Geschäftsbereiche?
Kübler: Das schließen wir nicht aus, ist aber keine Kernstrategie.
Das Interview führte KEM- Redakteurin Denise Fröhlich
Fotos: Frank Herrmann
Online-Info

Kübler in Kürze
  • gegründet: 1960
  • Umsatz in 2010: in der Gruppe knapp 40 Mio. €
  • Mitarbeiter: rund 300 in der Gruppe
  • Tochtergesellschaften in Frankreich, Polen, Indien, China, Italien, Korea und Otterfing (Deutschland)
  • Produkte: Zähler und Prozessanzeigen, Positions- und Bewegungssensorik sowie Stecker und Übertragungstechnik

  • Quergefragt
    Stuttgart 21 …
    … ist eine Riesenchance und sollte auf keinen Fall in Frage gestellt werden. Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht zu einer „Dagegen“-Kultur entwickeln, wenn es um Innovationen in die Infrastruktur geht. Mittlerweile belächelt die Welt unseren Kleinmut.
    Familientradition …
    … liegt uns sehr am Herzen. Seit der Gründung ist das Unternehmen untrennbar mit der Familie Kübler verbunden. Dies soll erhalten und ausgebaut werden. Die Voraussetzungen stehen gut, dass eines Tages unsere Kinder in unsere Fußstapfen treten.
    Thilo Sarrazins Verlassen der Bundesbank …
    … war wohl unumgänglich, denn er brach Tabus. Er hat allerdings eine notwendige Diskussion entfacht. Insofern kann man ihn auch als Bauernopfer bezeichnen.
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