Lapp Gruppe sieht sich nicht nur als Kabel- sondern Verbindungsspezialist

Kabelgebundene und drahtlose Kommunikation

Lapp Gruppe sieht sich als Verbindungsspezialist

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Digitalisierung und der damit verbundene zunehmende Datentransfer fordern zuverlässige Verbindungslösungen, sagt Georg Stawowy, Vorstand für Technik und Innovation bei Lapp im Gespräch mit KEM Konstruktion. Abhängig von der konkreten Anwendung sei zu klären, ob die Anbindung kabelgebunden oder drahtlos erfolge – beides biete man als Lösungsanbieter an. Die Digitalisierung führt im Unternehmen selbst zu schnelleren Innovationszyklen und mehr Transparenz in der Fertigung.

Interview: Irene Knap und Michael Corban, Redaktion KEM Konstruktion

KEM Konstruktion: Herr Stawowy, auch im industriellen Umfeld spielt die drahtlose Kommunikation eine immer wichtigere Rolle – was bedeutet das für einen Kabelspezialisten wie Lapp?

Georg Stawowy: Entscheidend ist an dieser Stelle, dass wir uns selbst als ein Unternehmen sehen, das Verbindungen schafft – und nicht nur Kabel. Zu Verbindungen gehören natürlich auch Strecken mit drahtloser Kommunikation. Welche Technologie zum Einsatz kommt – ob kabelgebunden oder drahtlos –, entscheidet der Kunde in Abhängigkeit von der jeweiligen Anwendung und den spezifischen Vor- und Nachteilen. Eine kabelgebundene Lösung ist beispielsweise sicherer und zuverlässiger, insbesondere bezüglich der Latenz. Die Erfahrung zeigt, dass die Nachfrage in beiden Bereichen groß ist, beide Technologien ergänzen sich also. Vergessen darf man dabei auch nicht, dass zu jeder Wireless-Strecke ein Kabel zum Sender und zum Empfänger führt. Bezüglich des Marktvolumens gilt, dass der Markt für drahtlose Technologien zwar schnell wächst, aber um Größenordnungen kleiner ist als der für kabelgebundene.

KEM Konstruktion: Welche Rolle spielt denn das von Ihrem Unternehmen frühzeitig angegangene Thema Industrie 4.0 beim Wachstum – lässt sich der zunehmende Datentransfer hier erkennen?

Stawowy: Das ist definitiv so! Wenn wir vom Internet der Dinge sprechen und davon, dass jedes ‚Ding‘ eine IP-Adresse hat, dann will jedes auch kommunizieren und mit anderen kommunizieren – daraus ergibt sich ein exponentielles Wachstum. Dementsprechend verzeichnen insbesondere auch Datenübertragungsprodukte deutlich höhere Wachstumsraten. Die Herausforderung besteht nun aus Sicht der Produktentwicklung darin, die damit einhergehenden deutlich kürzeren Innovationszyklen zu realisieren. Unsere gute alte Ölflex gibt es seit 60 Jahren, aber im Bereich der Datenübertragung verändern sich die eingesetzten Standards und Protokolle kontinuierlich – mit der Folge, dass wir die steigenden Anforderungen mit unseren Produkten auch abbilden müssen.

KEM Konstruktion: Das ist die technische Sicht, heraushören kann man allerdings, dass Industrie 4.0 für Lapp weitere Aspekte mit sich bringt?

Stawowy: Exakt – das betrifft vor allem auch organisatorische Aspekte. Erkennbar wird das unter anderem an der Gründung einer ‚Digital Sales Unit‘, deren Aufgabe es ist, zu eruieren, wie sich Erfahrungen aus dem Consumerbereich hinsichtlich eines digitalen Produktzugangs verbunden mit immer schnelleren Lieferzeiten auf den Bereich der Industrieprodukte übertragen lassen. Das beginnt damit, die bislang schon vorhandenen Webshops zu vereinheitlichen, so dass wir jedem Kunden weltweit einen vergleichbar einfachen Bestellvorgang anbieten können. Sehr schnell landet man dann auch bei Lösungen für die kundenindividuelle Konfiguration. Hinzu kommt aus Kundensicht noch ein weiterer Aspekt: das One-Stop-Shopping. Der Kunde sucht eine Lösung – und die möglichen Alternativen möchte er gerne an einer Stelle zentral einsehen können. Dabei muss nicht jede Lösung zwangsläufig von uns selbst kommen, das können auch Partnerlösungen sein. Wichtig ist: Es muss funktionieren! Hier suchen wir – nicht zuletzt auch zusammen mit den Händlern – nach für alle sinnvollen und praktikablen Lösungen.

KEM Konstruktion: Das Thema Konfiguration sind Sie ja bereits vor einigen Jahren angegangen (siehe elektro AUTOMATION 11/2015, S. 107ff: ‚138 Millionen Varianten konfigurierbar‘ zum Beispiel eines Gehäusekonfigurators für Steckverbindungen) – welche weiteren Schritte haben Sie hier gemacht?

Stawowy: Unter anderem ist inzwischen der zur Hannover Messe vorgestellte Ölflex-Connect-Chain-Konfigurator live gegangen, mit dem sich online mit wenigen Mausklicks das Engineering einer Energiekette digital erledigen lässt. Der Anwender hat dabei übrigens die Wahl, ob er auf von uns hinterlegte oder eigene Designregeln zurückgreifen möchte – und nach der Wahl von Verlegevariante und Komponenten wie Zwischenstegen etc. erhält er sofort ein Angebot für die soeben konfigurierte Energiekette. Das Feedback seitens der Kunden ist sehr positiv. Das selbe Tool wird auch von unserem Außendienst genutzt, der den Anwender auch bei der Konfiguration unterstützen kann. In der Summe sind solche Konfiguratoren sehr komplexe Lösungen aufgrund der enorm hohen Variantenzahl, die sich daraus rechnerisch ergibt. Entscheidend ist, die richtige Balance zu finden zwischen einer ausreichenden, aber nicht zu umfangreichen Detailangabe – herauskommen muss ja ein sinnvolles Produkt oder neudeutsch ein Minimum Viable Product.

KEM Konstruktion: Welchen Einfluss hat Industrie 4.0 auf Ihre eigene Fertigung?

Stawowy: Industrie 4.0 erlaubt uns eine sehr viel höhere Transparenz bezüglich etwa der Status unserer Maschinen. Hier gibt es eine Road Map mit dem Ziel, über die Schaffung von Transparenz hinaus gegebenenfalls auch über die Vernetzung auf Maschinen zuzugreifen. Das könnte beispielsweise so aussehen, dass zu einem Auftrag im ERP automatisch eine Entscheidung getroffen wird, in welcher unserer Fertigungsstätten er am besten abgearbeitet werden kann. Hier sind wir dabei, das in entsprechenden ‚Leuchtturmprojekten‘ zu testen. Insbesondere als Mittelständler ist es aus meiner Sicht klug, die Möglichkeiten zu erkunden – gleichzeitig aber auch abzuwarten, welche Standards sich letztlich durchsetzen. Insofern halte ich es auch für falsch, dass gelegentlich der deutsche Mittelstand als ‚Bremser‘ bezeichnet wird: Es kann nicht die Aufgabe eines Mittelständlers sein, Industrie-4.0-Standards zu gestalten. Gleichwohl gilt: Wir gehen mit großem Elan an die Umsetzung ‚digitaler Strategien‘ – einschließlich der Schulung unserer Mitarbeiter. Nur auf diesem Wege lässt sich die Digitalisierung in die Organisation bringen.

KEM Konstruktion: Lassen Sie uns den Blick wieder auf Ihre Produkte richten: Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht die Plattform-Thematik – also Infrastrukturen, auf denen auch Lapp selbst Apps zur Verfügung stellen könnte. Wäre eine App denkbar, die etwa bei hochbelasteten Kabeln Auskunft zu den Leitungswerten gibt?

Stawowy: Denkbar ja, zumal wir bereits 2007 per RFID ein Kabel ‚sprechen‘ lassen konnten. Die entscheidende Frage wird sein: Was sind sinnvolle Informationen, mit denen sich die vorbeugende Wartung – Predicitive Maintenance – optimieren lässt, so dass wir für den Kunden einen Mehrwert generieren können. Anzumerken ist allerdings, dass unsere Kunden die Produkte bevorzugen, die über die Lebensdauer der Maschine oder Anlage hinweg zuverlässig funktionieren.

KEM Konstruktion: Ein Thema, das insbesondere in der Antriebstechnik immer häufiger eine Rolle spielt, sind Einkabellösungen für Energie und Daten. Ist das für Lapp ein wachsender oder aufgrund herstellerspezifischer Standards ein sehr kleinteiliger Markt?

Stawowy: Beides ist richtig. Es gibt gute Gründe für Einkabellösungen und auch wir sehen, dass der Markt wächst. Zudem lässt sich bei den Standards eine gewisse Konsolidierung erkennen; für Hiperface DSL gibt es bereits seit Längerem Ölflex-Servo-Leitungen und aktuell unterstützen wir auch SCS open link. Zur SPS IPC Drives 2018 werden wir übrigens unsere neue Ölflex Servo FD 7TCE vorstellen, die verschiedensten Normen entspricht – unter anderem denen in den USA – und es so möglich macht, vom Schaltschrank oder Umrichter über die Kabelpritsche bis zur Maschine ein und dieselbe Leitung zu verwenden, sogar in einer bewegten Schleppkette. Der Vorteil für die Maschinen- und Anlagenbauer liegt auf der Hand: Sie müssen nicht mehr verschiedene Leitungstypen vorhalten, das vereinfacht Beschaffung und Lagerhaltung. Die Leiter bestehen übrigens aus feinsten Kupferdrähten, das macht die Leitung besonders flexibel und dadurch geeignet für enge Biegeradien, wie sie in Kabelpritschen vorkommen können, und sogar für die Anwendung in der Energieführungskette mit mehreren Millionen Biegezyklen. Ein Novum ist auch das sorgfältig ausgewählte, vernetzte Material der Aderisolation, wodurch die Leitung kapazitätsarm ist. Das minimiert den Spannungsabfall bei längeren Verlegedistanzen und reduziert unerwünschte Ableitströme auf der Abschirmung. Die Leitung gibt es mit und ohne zusätzliche Steuerpaare für den Anschluss an Bremse beziehungsweise Temperaturfühler. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass es generell bei Einkabellösungen gelegentlich auch noch Vorbehalte hinsichtlich der elektromagnetischen Verträglichkeit gibt. Wir können dies aber über eine geeignete Schirmung lösen sowie geeignete Steckverbinder – entscheidend ist dann nicht zuletzt auch der Übergang vom Kabel zum Stecker. Wir arbeiten hier mit einer Kontaktierung des Schirms über den gesamten Umfang des Steckers. Beim herkömmlichen manuellen Konfektionieren wird der Schirm dagegen typischerweise nur einseitig und punktförmig angebunden.

KEM Konstruktion: Lapp stellt ja auch eine Reihe von Spezialkabeln her, beispielsweise für Anwendungen in der Robotik oder im Bereich Windenergie – letztere werden ja hier in Stuttgart auch getestet…

Stawowy: …bezüglich Torsion und Tragfähigkeit der Eigenlast, was angesichts der Höhe der Masten ein entscheidender Faktor ist. Interessanterweise greifen wir hier auf Know-how aus der Drahtseilherstellung für Schiffwanten und Tragseile für Seilbahnen zurück – auch hier geht es ja darum, eine Last sicher zu tragen. Hinzu kommt dann die Torsion, was herausfordernd ist, da das Tordieren ein weitgehend chaotischer Prozess ist. Als Technologieführer ist es aber natürlich unser Anspruch, Kabel zu liefern, die auch diese Belastung sicher aufnehmen. Zusammen mit den Steckverbindern und entsprechend konfektionierten Angeboten – also wieder Verbindungslösungen – entwickelt sich der Bereich Windenergie deswegen sehr gut.

KEM Konstruktion: Was passiert im Bereich Robotik – einerseits geprägt durch größere Anlagen etwa zur Herstellung von Karosserien, andererseits durch die zunehmende Mensch-Roboter-Kollaboration?

Stawowy: Auch für diesen deutlich stärker diversifizierten Bereich bieten wir Speziallösungen an. Wie stark sich die Anwendungen unterscheiden, sieht man beim Vergleich eines klassischen Sechs-Achs-Knickarmroboters mit Scara-Robotern oder solchen für kollaborative Anwendungen. Zudem: In der einen Anwendung geht es um sehr hohe Traglasten, in einer anderen um nur wenige Gramm leichte Werkstücke, die aber mit hoher Geschwindigkeit zu bewegen sind. Entsprechend groß ist die Spreizung bei den Anforderungen an die verbauten Kabel. Genau das ist aber unsere Stärke, weil wir die passende Verbindungslösung zusammen mit unseren Kunden entwickeln können.

KEM Konstruktion: Kann man denn heute die technologischen Anforderungen an ein Kabel in einem Sechs-Achs-Knickarmroboter erfüllen oder ist hier noch Grundlagenentwicklung zu leisten?

Stawowy: Grundsätzlich werden Roboter über ihre Lebensdauer meist in unterschiedlichen Anwendungen genutzt – zum Beispiel sechs bis acht Jahre im Automobilbau, und danach kommt ein ‚zweites Leben‘ und vielleicht ein drittes. Ein solches Leben können die Antriebsleitungen, die im Inneren des Roboters verbaut sind, durchhalten – unser Kunde Comau zum Beispiel gibt acht Jahre Garantie auf den kompletten Roboter einschließlich Leitungen. Für das zweite Leben wird der Roboter ohnehin aufbereitet, da bietet es sich an, auch die Kabel zu erneuern. Noch einmal anders verhält es sich bei den Leitungen für die Applikationen wie Schweißen oder Lackieren, die unterliegen viel häufigeren Wechselzyklen und werden teilweise halbjährlich ausgetauscht. Thema in der Entwicklung ist also weniger die Dauerfestigkeit, mehr schon die Frage der eingesetzten Werkzeuge. Kommen beispielsweise in einer Schweißanwendung höhere Ströme zum Einsatz, verbunden mit einer integrierten Kamera mit einer höheren Datenrate, steigen bei oftmals gleichzeitig kleiner werdendem Bauraum die Anforderungen an die Verbindungslösungen. Dementsprechend ist Miniaturisierung hier definitiv ein Thema.

www.lappkabel.de

Ein Überblick über die Industrie-4.0-Aktivitäten der Lapp Gruppe findet sich hier:

hier.pro/PPr95

Messe SPS IPC Drives 2018:

Halle 2, Stand 310


Georg Stawowy, Vorstand für Technik und Innovation, Lapp Holding AG, Stuttgart
Bild: Rüdiger J. Vogel/Konradin Mediengruppe

„Sprechen wir vom Internet der Dinge, dann will jedes ‚Ding‘ auch kommunizieren und mit anderen kommunizieren – daraus ergibt sich ein exponentielles Wachstum beim Datentransfer.“


Georg Stawowy, Vorstand für Technik und Innovation, Lapp Holding AG, Stuttgart
Bild: Rüdiger J. Vogel/Konradin Mediengruppe

„Eine Kontaktierung der Schirmung über den Umfang des Steckers hinweg sichert die Zuverlässigkeit von Einkabellösungen.“


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Zum Unternehmen

Lapp stellt flexible Kabel, Anschluss- und Steuerleitungen, Kabel-Zubehör sowie komplette Verbindungssysteme her. Das Unternehmen entwickelt neben dem Standardprogramm auch Konfektionen und kundenindividuelle Lösungen; die Herstellung erfolgt hauptsächlich in eigenen Fertigungswerken. Derzeit stehen mehr als 40.000 verschiedene Standardartikel ab Lager bereit. Gefertigt wird an 17 Standorten weltweit, das Unternehmen ist mit rund 100 Vertretungen aktiv und hat rund 40 eigene Vertriebsgesellschaften. Rund 3.770 Mitarbeiter finden heute bei Lapp Arbeit. Das Unternehmen mit Sitz in Stuttgart ist vor allem für die Ölflex bekannt – die erste industriell gefertigte flexible Steuerleitung mit Farbcodierung für hohe Anforderungen. Sie wurde 1957 von Firmengründer Oskar Lapp erfunden.

www.lappkabel.de

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