Eugen Elmiger, Mitglied der Geschäftsleitung der Maxon Motor AG, Sachseln

Außerirdisch bodenständig

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Das Lebenselixier von Maxon Motor heißt Antriebstechnik. Über 1600 Mitarbeiter sind auf diesem Gebiet tätig. Eugen Elmiger, Direktor Verkauf und Marketing, Mitglied der Geschäftsleitung, hat im Januar 2006 die Aufgabe übernommen, in allen wichtigen Märkten die Nummer eins zu werden. KEM hinterfragte, wie dieses hohe Ziel in die Tat umzusetzen sei.

Herr Elmiger, Maxon Motor bezeichnet sich als Hersteller von Präzisions-Antriebstechnik. Was ist das?

Elmiger: Nun, anders gesagt heißt das: Maxon Motor baut kleine, präzise Gleichstromantriebe mit großer Leistung. Spezifisch nach Kundenbedürfnis und Anwendung. Wir entwickeln und produzieren hochpräzise Antriebssysteme bis fünfhundert Watt Abgabeleistung in Größen von sechs bis neunzig Millimeter Motoraussendurchmesser. Wenn wir von Systemen sprechen, meinen wir nicht nur bürstenlose und bürstenbehaftete Gleichstrommotoren, sondern auch Getriebe, Istwertgeber und Steuerelektronik. Diese Komponenten kombinieren wir zu intelligenten und integrierten Antriebseinheiten. Das bedeutet, dass der Kunde von Maxon Motor eine fertige Lösung erhält, die auf seine individuellen Anforderungen optimal zugeschnitten ist. Das „Herzstück“ eines Maxon DC-Motors ist der eisenlose Rotor, eine selbsttragende Kupferwicklung. Neben unschlagbarer Präzision, hat diese Technologie gegenüber eisenbehafteten Systemen bedeutende Vorteile: Höherer Wirkungsgrad, bessere Regel- und Positioniereigenschaften, längere Lebensdauer, höhere Beschleunigungen und mehr Leistung auf kleinerem Raum. Die Präzision und Zuverlässigkeit unserer Antriebssysteme machen sich zahlreiche Unternehmen unterschiedlichster Branchen zu Nutze: So sorgen Maxon-Antriebe zum Beispiel in Chirurgierobotern dafür, dass auch komplexe Operationen sicher und gewebeschonend verlaufen, helfen kompakten Messsystemen beim genauen Justieren des Scanbereichs, erhöhen in Stoßdämpfern die Sicherheit auf kurvenreichen Straßen, sorgen für präzise Steuermanöver zur Einhaltung der Flugbahn in wissenschaftlichen Satelliten und positionieren Elektronikchips mikrometergenau auf Leiterplatten.
Laut Homepage wird die von Ihnen bediente Branche als Nischenmarkt bezeichnet. Ist das nicht zu bescheiden?
Elmiger: Wieso bescheiden? Auch Nischenmärkte können höchst interessant sein. Gerade in der Nische liegt die Stärke von Maxon Motor. So erleben wir es immer wieder, dass in scheinbar gesättigten Märkten neue Anwendungsgebiete auftauchen, für welche unsere Konkurrenten keine Lösung gefunden haben. Mit kundenspezifischen Antrieben können wir solche Marktlücken immer wieder schließen und uns so gegenüber Grossserienherstellern und Low-Cost-Produkten behaupten. Und gerade diese Flexibilität und Kreativität ist das Erfolgsrezept von Maxon Motor.
Unsere vielseitige im Baukasten aufgebaute Produktpalette bietet dabei die notwendige Plattform, um unseren Kunden zuverlässige, präzise und optimal auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Gesamtlösungen anzubieten. Pro Jahr stellen wir mehr als fünf Millionen Antriebe in über sechzehntausend Varianten her.
Seit Jahren sind in Mars-Raumgefähren Elektromotore aus Sachseln mit an Bord. Nützen die Space-Erfahrungen auch „Erdenbewohnern“?
Elmiger: Auf jeden Fall. Vor allem wenn es um die Zuverlässigkeit unserer Antriebssysteme geht, konnten wir uns – auch dank den Erfahrungen in der Raumfahrt – die letzten Jahre weiter verbessern. Denken Sie nur daran, welchen Bedingungen unsere Motoren auf dem Mars ausgesetzt sind. Da oben ist es eiskalt – bis zu minus einhundertzwanzig Grad Celsius –, staubig und eine Steckdose gibt es nicht. Aus wenig Energie muss da viel herausgeholt werden. Gerade letzteres Thema gewinnt heute zunehmend an Wichtigkeit, wenn Sie sich die aktuelle Energiediskussion vor Augen führen. Maxon-Antriebe erreichen einen Wirkungsgrad von über neunzig Prozent. Davon profitiert jeder Kunde, nicht nur die Nasa. Dabei hatten die Ingenieure der amerikanischen Raumfahrtbehörde ursprünglich nur mit einer Betriebszeit von drei Monaten gerechnet. Tatsächlich laufen unsere Motoren nun schon seit über vier Jahren auf dem Mars. Übrigens: Anfang Juni 2008 ist eine neue Nasa-Sonde erfolgreich auf dem Mars gelandet. Maxon Motor ist wieder mit dabei. So sind unsere Antriebe diesmal für das Aufklappen der Solar Panels verantwortlich.
Wie reagiert Maxon Motor auf Übernahmeangebote?
Elmiger: Gar nicht. Maxon Motor ist in Familienbesitz. Unser Hauptaktionär, Herr Dr. Karl-Walter Braun, steht vollumfänglich für die Unabhängigkeit von Maxon Motor ein.
Was ist die wichtigste Aufgabe, um konkurrenzfähig zu bleiben?
Elmiger: Die Antriebstechnik ist eine sehr dynamische Branche. Wir müssen den sich stetig ändernden Marktbedingungen jederzeit initiativ und flexibel entgegentreten können. Deshalb ist es umso wichtiger, dass man die „echten“ Kundenbedürfnisse kennt. Und um die immer komplexer werdenden Aufgaben zu verstehen, braucht es technisch gut ausgebildetes Personal und kontinuierliche Weiterbildungsprogramme. Unser Credo lautet: was technologisch machbar ist, setzen wir um. So haben wir beispielsweise einen neuen Mile-Encoder für hochdynamische und kompakte Antriebssysteme entwickelt. Der induktive Mikro-Encoder ist im Durchmesser gerade mal sechs Millimeter groß, hochpräzis und vor allem resistent gegen Magnetfelder, EMV, Öl und Staub. Wenn es um technische Herausforderungen geht, ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Kunden unerlässlich. Deshalb bauen wir unser internationales Netzwerk kontinuierlich aus. Heute sorgen zwölf Maxon-Vertriebsgesellschaften und zwanzig Vertragshändler rund um den Globus für professionellen Service vor Ort. In China beispielsweise starteten wir vor zehn Jahren mit einem Büro in Shanghai. Heute haben wir in der Volksrepublik bereits sechszehn Sales Offices.
In der Internet-Darstellung fallen zwei fett gesetzte Worte auf: „Führender Anbieter“. Hat Maxon Motor ein Image-Problem?
Elmiger: Unsere Innovationsrate bei kundenspezifischen Lösungen ist die höchste in unserem Nischenmarkt. Darauf sind wir stolz. Wieso sollen wir das also nicht auch kommunizieren?
Der Exportanteil liegt bei hohen achtzig Prozent. Und das bei schweizerischen Stundenlöhnen?
Elmiger: Maxon Motor steht für Qualität. Wir sind der Meinung, dass wir die weltweit beste Qualität nur erreichen, indem wir unsere hochpräzisen Antriebe und Systeme auch weiterhin in der Schweiz herstellen. So verfügt die Schweiz über beste Infrastrukturbedingungen und sehr gut ausgebildete Fachkräfte. Mit der strikten Optimierung unserer Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette, einem effektiven Kostenmanagement, einer effizienten und implementierungsstarken Entwicklung, den richtigen Automatisierungsmaßnahmen, global gut vernetzten Vertriebsgesellschaften und einem ausserordentlich hohen Qualitätsbewusstsein aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kann man auch von der Schweiz aus sehr konkurrenzfähige Produkte entwickeln, produzieren und verkaufen. Außerdem haben wir weitere Fertigungsstandorte in Europa. So werden beispielsweise Getriebe in Deutschland und arbeitsintensivere Baugruppen in Ungarn hergestellt.
Einer der zwölf von Maxon Motor gelisteten Märkte ist die Automobilindustrie. Wo profitieren Autofahrer von Ihrem Produktangebot?
Elmiger: Im Pkw-Sektor werden unsere Motoren beispielsweise in Sicherheits- und Kontrollsystemen eingesetzt. So sorgen Maxon-Antriebe in deutschen Autos der Oberklasse dafür, dass der Fahrer durch Vibrieren des Lenkrads automatisch gewarnt wird, sobald er die Spur verlässt. Automatische Stoßdämpfer- oder Drosselklappenverstellungen sind ein weiteres Einsatzgebiet unserer Antriebe – unter anderem auch im Rennsport in der Formel eins. In der Lastkraftwagen-Branche freut sich nicht nur der Fahrer, sondern vor allem die Umwelt über unsere Antriebssysteme. So kommen diese unter anderem in Systemen von Katalysatoren zur Reduktion von Stickoxiden zur Anwendung.
Das Interview führte KEM- Chefredakteur Herbert Neumann
Fotograf: Frank Herrmann
DC-Motoren KEM 410
Getriebe KEM 411
Flachmotoren KEM 412
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