Erfolgsstory: Von der schraubenlosen Federklemme zum programmierbaren Feldbus-Controller Unerschütterlich aus eigener Kraft - KEM

Erfolgsstory: Von der schraubenlosen Federklemme zum programmierbaren Feldbus-Controller

Unerschütterlich aus eigener Kraft

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27.4.1951 bis 27.4.2001: 50 Jahre Wago – 50 Jahre Federklemmtechnik für schraubenloses, rüttel-sicheres, schnelles und wartungsfreies Klemmen elektrischer Leiter auf höchstem Sicherheits-niveau. Die von Wago erfundene Käfigzugfeder – später international Cage Clamp Anschlusstechnik genannt – hat sich zum weltweiten Industriestandard entwickelt, wurde vielfach nachgeahmt, doch selten erreicht. Mit den aktuellen Standbeinen Verbindungstechnik, Elektronik und Dienstleistung Proserve ist Wago zum er-folgreichen Globalplayer, vertreten an allen wichtigen Standorten der Welt, aufgestiegen.

Der Autor Dipl.-Wirtsch.-Ing. (FH) Sven Hohorst ist Geschäftsführer der Wago Kontakttechnik GmbH, Minden, verantwortlich für Marketing, Vertrieb und Proserve. Nach dem Studium des Wirtschaftsingenieur

Im Jahr 2001 feierte Wago ein doppeltes Jubiläum: Gründung der Gesellschaft von Friedrich Hohorst und Heinrich Nagel als Wago Klemmenwerk GmbH am 27. April 1951 und erste Beteiligung an der Hannover-Messe sofort nach der Firmengründung. Doch bis zur Ehrung für die fünfzigste, erfolgreiche Messeteilnahme durch die Deutsche Messe AG war es ein weiter, steiniger Weg.
Meilensteine der Wago-Verbindungstechnik
April 1951: Start des Wago Klemmenwerkes mit einem Stammkapital von 30.000 DM und einer einfachen aber zukunftsträchtigen Idee: „Rüttelsicher, schnell und wartungsfrei verbinden durch schraubenlose Federklemmen”.
Mai 1951: Kauf des ersten Patentes P 838 778 – einer Federklemme von Wagner & Olbrich, Berlin – das zum Grundstein für den bis heute andauernden Unternehmenserfolg wurde. Dabei waren erhebliche Schwierigkeiten zu überwinden: Klemmen nach dem Wagner & Olbrich-Patent konnten nicht hergestellt werden. Der damals verfügbare Kohlenstoffstahl war für die Federn ungeeignet, fehlten jegliche Prüfvorschriften für die Zulassung. Demgenüber waren Schraubklemmen einfach und billig herzustellen. Aber die Idee war geboren und wurde schon auf der Hannover Messe 1951 dem Fachpublikum vorgestellt: Federklemmen – richtig konstruiert und gefertigt – versprechen nicht nur schnellere und bequemere Handhabung, sondern auch ein höheres Sicherheitsniveau, da die Kontaktqualität von der Sorgfalt des Monteurs praktisch unabhängig ist.
  • 1952: Entwicklung des Klemmprinzipes auf Basis der Schraubenfeder; Anwendung in Suprafix-Bananensteckern, Klemmenleisten, Blockklemmen und Mini-Reihenklemmen. Der Suprafix-Bananenstecker sichert die Existenz der noch jungen Firma, denn Bananenstecker wurden damals an praktisch jedem Rundfunkgerät zum Anschluss von Erde und Antenne benötigt. So sorgte die Rundfunktechnik für das nötige Kapital zu Expansion und zur konsequenten Weiterentwicklung der Federklemme.
  • 1953: Erste Reihenklemmenfamilie mit Block- und Minianreih-Klemmen für Leiter bis 16 mm², für die 1962 das CSA- und das SEV-Sicherheitszeichen erteilt wurden. Parallel dazu werden weiterhin, ähnlich wie mit dem Suprafix-Stecker, Produkte wie der 1956 eingeführte Netzstecker mit Federklemmanschluss auf den Markt gebracht, die neue Kapitalressourcen zur Weiterverfolgung der Idee „Klemmen statt Schrauben” schaffen.
  • 1957: Erste komplette Reihenklemmenfamilie mit selbsttragenden Kontakteinsätzen für ein-, mehr- und feindrähtige Leiter bis 16 mm². Diese Reihenklemmenfamilie wird in den darauffolgenden Jahren kontinuierlich weiterentwickelt.
  • 1968: Dem Problem der Versprödung des bis dahin verwendeten Kunststoffes „Duroplast”, speziell bei niedrigen Temperaturen, begegnet Wago mit dem weltweit ersten Einsatz von Polyamid 6.6 (heute Standard-Werkstoff für Klemmen). Im gleichen Jahr wird unter der Nummer P 191 7503 das erste Patent für den späteren Cage Clamp Anschluss – hier in der Bauform für Klemmenleisten – angemeldet.
  • 1977: Markteinführung einer ersten Serie von Reihenklemmen von 0,08 bis 16 mm² mit Cage Clamp Anschluss. Gleichzeitig wurden berührungsgeschützte Steckbrücker und PE-Klemmen mit automatischer Kontaktierung zur Tragschiene (beides inzwischen branchenüblich) eingeführt. Weitere patentierte Neuheiten kamen dazu.
Erfolgsträger Cage Clamp-Anschlusstechnik
Mit der Integration Cage Clamp-Anschlusstechnik in Reihenklemmen begann auch deren Erfolgsstory. 1995, nach Ablauf des Patentes Nr. P 2706482, entdeckten auch viele Wettbewerber im In- und Ausland, dass der Wago-Slogan „rüttelsicher, schnell und wartungsfrei” kein Werbespruch, sondern eine milliardenfach bestätigte Tatsache ist.
So entwickelte sich die von Wago erfundene, zunächst Käfigzugfeder, später international Cage Clamp genannte Anschlusstechnik, zu einem weltweiten Industriestandard. Wago selbst fertigt zur Zeit über 5 Mio. Cage Clamp Federn pro Tag für einige tausend verschiedene eigene Endprodukte und beliefert Lizenznehmer – unter ihnen so bekannte Unternehmen wie Siemens und Harting.
Dosenklemme und Co. – der Steckklemmanschluss
Ein eigenes Kapitel ist die Steckklemm-Anschlusstechnik für eindrähtige Leiter, wie sie in der Elektroinstallation stark verbreitet sind. Es begann 1968 mit Klemmen für Kondensator- und Vorschaltgeräte, später ergänzt durch Netzanschluss-klemmen und Steckverbinder für die Leuchtenindustrie. 1974 erfolgte die Markteinführung der Wago-Dosenklemmen, nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Ländern Europas bis Fernost. Diese Dosenklemmen waren die ersten Federklemmen, denen das VDE-Zeichen erteilt wurde.
Mengenbilanz per Ende 2000: mehr als 4 000 000 000 Stück verkaufte Dosenklemmen weltweit. Damit ist in der Installationstechnik die „Wago-Klemme” zu einem Synonym für eine revolutionäre Anschlusstechnik geworden, wie es „Tempo-Taschentücher” im Alltag sind.
Neue Federn, neue Patente, bewährtes Prinzip
Auch mit weiteren Federklemmen wurden Maßstäbe gesetzt: mit der Cage Clamp Compact (1996) in Richtung Miniaturisierung, mit der Wago Power Clamp (1998) nach oben bis 95 mm² Leiterquerschnitt.
Mitte 2001 wird ein neues Steckverbindersystem mit einer weiteren Neuheit, dem Contact Cage Clamp Anschluss eingeführt. Dies ist ein universeller Klemmanschluss für ein-, mehr- und feindrähtige Leiter, der es nun auch noch gestattet, eindrähtige Leiter direkt, d.h. ohne Öffnen der Klemmfeder, zu stecken – ein großer Vorteil für die Installationstechnik.
Von der Klemme zur Automatisierung
Die Innovationskraft von Wago beschränkt sich nicht nur auf Verbindungstechnik. 1995 wurden die rüttelsicheren Klemmen intelligent, Wago präsentierte auf der Hannover Messe das Wago 5 I/O 5 System 750, das weltweit erste feldbusunabhängige und konsequent modular in Reihenklemmenbauform konzipierte I/O-System. Seither überzeugt dieses Systemkonzept auf dem Markt und hat sich bereits einen bedeutenden Marktanteil in der Gebäude- und der industriellen Automatisierung erobert. Der Weg zur konsequent dezentralen Steuerung wird auch im Jubiläumsjahr 2001 fortgesetzt. Auf der diesjährigen Hannover Messe präsentierte Wago einen Aufsehen erregenden Ansatz: Wago HC-Net. Basierend auf I/O-Knoten mit programmierbaren Feldbus-Controllern, zeigt diese Technik einen Weg auf, der jede Form von zentraler Steuerung überflüssig macht.
Wago heute
Aus dem Klemmenwerk ist ein Global-Player geworden. „Stärker wachsen als die Branche”, dieses hoch gesteckte Ziel hat Wago auch im Geschäftsjahr 2000 wieder konsequent verfolgt und auch erreicht:
n Umsatzsteigerung der Wago-Gruppe um ca. 22,2 Prozent auf über 483 Mio. DM. Rund 3 000 Mitarbeiter weltweit in 16 Wago-Gesellschaften auf drei Kontinenten wollen im Jahre 2001 die 500 Mio. DM-Umsatzschwelle weit überbieten.
n 56,5 Mio. DM Investitionen in das Anlagevermögen. Die Investitionen in die Entwicklung sind in den letzten vier Jahren um 77 Prozent gestiegen. Damit kann der Global-Player Wago auf einen breiten Fundus an hochinnovativen und richtungsweisenden Produkten in der Elektrotechnik und in der Elektronik zurückgreifen.
n Professionelle Ausbildung mit einer Zunahme der Ausbildungsplätze um 37,5 Prozent im Jahr 2001 gegenüber dem Vorjahr. Um junge Menschen noch stärker für technische Berufe zu begeistern, kooperiert Wago darüber hinaus mit verschiedenen Bildungsstätten, wie z. B. mit dem Besselgymnasium in Minden, der Fachhochschule in Meschede und verschiedenen Berufsakademien. Wago ist davon überzeugt, damit langfristig den steigenden Bedarf an hochqualifizierten Mitarbeitern decken zu können.
Erfolgsrezept Fami-lienunternehmen
Nicht nur innovative Produkte, sondern auch Verantwortung, Kompetenz und Kontinuität in der Unternehmensleitung haben Wago über die Jahrzehnte zum Erfolg verholfen. Mit Dipl. Wirtsch.-Ing. (FH) Sven Hohorst, dem Enkel des Firmengründers, ist im Jahr 2000 die dritte Unternehmer-Generation in die Geschäftsleitung eingetreten.
„Historisch gesehen kommt Wago aus der Verbindungstechnik. Als Weltmarktführer in Sachen Federklemmtechnik verfügen wir über ein hohes Potenzial an Fachwissen und Erfahrung, das sich immer wieder in Patenten und innovativen Produkten niederschlägt. Anfang der neunziger Jahre haben wir uns entschieden, unsere Kernkompetenzen in Richtung Feldbustechnik zu erweitern. Wir haben uns dabei nicht auf bloßes Kopieren beschränkt, sondern mit dem Wago 5 I/O 5 System 750 etwas Neues geschaffen. Ein derartiges, feldbus-unabhängiges, modulares System gab es zuvor noch nicht auf dem Markt – entsprechend groß war der Erfolg. Inzwischen ist der Geschäftsbereich Elektronik ein integraler Bestandteil unseres Produktspektrums; der Anteil am Gesamtumsatz liegt im zweistelligen Bereich“ erklärt Sven Hohorst in seiner Funktion als Geschäftsführer für Marketing und Vertrieb der Wago-Gruppe. Zum weiteren Kurs des Unternehmens fährt er fort: „Auch auf der Hannover Messe konnten wir in diesem Jahr ein überdurchschnittliches Interesse für unsere Produkte ausmachen. Wir hatten gut 30 % mehr Kundenkontakte als im Vorjahr. Besonders unsere Neuentwicklung Wago HCNet, eine Technik zur völligen Dezentralisierung der Steuerung, war ein echter Publikumsmagnet. Auf den Punkt gebracht, profilieren wir uns gegenüber unseren Wettbewerbern als leistungsfähiger Komponentenlieferant für elektrische Verbindungstechnik und Elektronik. Dort haben wir unsere Stärken. Es ist weder ein Rückzug auf die reine Verbindungstechnik noch eine Erweiterung hin zum Systemanbieter geplant. Mit diesem Konzept ist es uns in den vergangenen Jahren regelmäßig geglückt, schneller als die Branche zu wachsen und das aus eigener Kraft.”
Ausführliche Informationen
Wago-Produktübersicht
KEM 445
CD ROM Dienstleistung Proserve
KEM 446
Wago X-Com-System
KEM 447
Internet
Klare Elektronik-Strategie
„Neben der Verbindungstechnik ist Wago schon seit Jahren auf dem Gebiet der Elektronik aktiv. Ein großer Schritt in diese Richtung war 1995 die Einführung des Wago5I/O5System 750. Es hat sich nicht nur in der Industrie etabliert, sondern bildet auch die Basis für Wago Toplon, ein System zur Gebäudeautomatisierung. Weitere Perspektiven eröffnen die Ethernet-Anbindung, vor allem im Zusammenhang mit Wago HCNet, einer Entwicklung für völlig dezentrale Steuerungen. Ein Kennzeichen aller unserer Produkte sind offene Schnittstellen. Unsere Kunden sollen nicht durch proprietäre Systeme, sondern durch Leistungsfähigkeit, Qualität und Service an Wago gebunden werden.“
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