Das Golf-Prinzip beim Aufbau digitaler Zeichnungsarchive im VW-Konzern

Produktdaten machen mobil

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Kosten statt Köpfe – nach dieser Devise kommt nicht nur die Fertigung im Volkswagenkonzern auf Touren. Um mit äußerst günstigem Kostenverbrauch aber ohne personelle Schlaglöcher auf der Archivierungsstrecke von „Papierablage“ nach „digitaler Datei“ zu gelangen, setzt VW auf sicheres Fahrwerk für die Produktdaten und hohe Leistungsausbeute beim Hard- und Software-Antrieb. Gemeinsam (mit Partnern) optimiert und lean gefertigt (Golf-Prinzip) geht das Konzept zur digitalen Zeichnungsarchivierung jetzt in die Fahrpraxis.

Die Autorin Karin Koll ist Marketing Consultant in Hamburg

Océ 9800 Einsatz im Automobilbau
„Durch die elektronische Archivierung werden wir vor allem die Durchlaufzeiten drastisch verkürzen und damit auch zur Senkung der Entwicklungskosten beitragen“, verspricht Werner Morawietz, Systemorganisator und mitverantwortlich für die Reorganisation des Dokumentenmanagement. Die manuelle Erfassung, Archivierung, Reproduktion und Verteilung von Zeichnungen werde künftig eine Schwundstufe in der Arbeitshierarchie sein. Den Schalthebel zur Beschleunigung, dieses Prozesses liefern derzeit drei Hochleistungs-Engineering-Systeme (Océ 9800) Sie rotieren mit gleicher Modernisierungsdrehzahl zur Verbesserung der Datensicherung und Qualität bei Zeichnungen und technischen Unterlagen. „Durch den vollautomatischen Verarbeitungsprozeß wird es künftig keinen Medienbruch bei der Weiterverarbeitung mehr geben“, streicht Günther Witte, Leiter Bürotechnik und Telekommunikationsdienste heraus.
Transport behinderte Transparenz
Da technische Dokumente und Zeichnungen nicht nur für die Konstruktion eines Fahrzeugs als Produktzeichnungen entstehen, sondern als Betriebsmittelzeichnungen in weit größerem Umfang für den Bau von Werkzeugen, Formen und Fertigungseinrichtungen anfallen, mußte bei ständig wachsendem Volumen zuletzt immer häufiger improvisiert werden. Da die Systemorganisa-tion und Reprozentrale des VW-Konzerns nicht nur die Werke Wolfsburg, sondern auch Kassel, Braunschweig, Salzgitter und Hannover betreut und darüber hinaus Audi im Austausch mitversorgt, müssen Zeichnungen und technische Dokumente dorthin transportiert werden bzw. verfügbar gemacht werden. Der Transport von Papier habe sich natürlich hemmend auf aktuelle Statusinformationen im Änderungswesen ausgewirkt, zeigt Morawietz auf eine Schwachstelle. Anders als bei einer zentralen Firmenstruktur sei die Vernetzung bei VW zudem wesentlich komplexer. Im Zuge der Digitalisierung und Modernisierung auch mit Blick auf Internet/lntranet wird daher an einer neuen Infrastruktur gearbeitet.
„Für eine Übergangszeit sind einige analoge Hardwaresysteme noch in den neuen Funktionsablauf zu integrieren“, sagt Witte, zwischen zwanzig und dreißig Systeme seien jedoch inzwischen verschrottet. Hybride Technik ist für Autobauer natürlich kein Fremdwort – und beim Reprografieren derzeit technischer Standard. Bei der Océ 9800 kann zwischen Scan- und Plotbetrieb gewählt werden. „Der Übergang von analog zu digital bei derart komplexen Archivsystemen wie VW sie managt, kann schließlich nicht abrupt erfolgen“, streicht Systemorganisator Morawietz den Knackpunkt heraus.
Bewegung in träge Zeichnungsmassen bringen
Annähernd zwei Millionen Zeichnungen lagern allein im Werk Salzgitter auf Papier oder Mikrofilmlochkarten. Bis Anfang der 90er Jahre wurde mit hohem manuellen Aufwand archiviert und reproduziert. Den Abnehmern wurde häufig ein Stammsatz angeliefert oder eine Transparentpause zur Weiterverarbeitung vor Ort. Riesige Zeichnungslagerstätten und Verarbeitungseinrichtungen zeugen von prinzipbedingter notorischer Passivität. „Aus heutiger Sicht ein Zwischenschritt war der „aktive“ Mikrofilm in den 70er Jahren“, erinnert sich Morawietz. Sicherheitsarchive seien angelegt worden, und bestimmte Identifizierungsmerkmale ließen sich in die MF-Lochkarte stanzen, aber abgesehen von der Verkleinerung gegenüber dem Papierarchiv verblieb viel manueller Aufwand – die Elektronik noch eine Vision. Bewegung in die träge Zeichnungsmasse brachte erst die EDV-gestützte Verwaltung der Daten zu Beginn der 80er Jahre, die den Zugriff beschleunigte und als Grundlage für die Digitalisierung dienen konnte.
Von der Entwicklung bis zur Verkaufsreife
„Nur in der Vorentwicklung entstehen noch sporadisch Zeichnungen am Brett“, hebt Witte hervor.
Die Elektroplanung habe als erste für die Darstellung von Kabelbäumen mit CAD angefangen Anfang der 90er Jahre habe der Füllungsgrad von CAD bei ca. 42% gelegen und sei bis Ende 1997 auf 100% in den Konstruktionsabteilungen der Forschung und Entwicklung angestiegen.
„Sämtliche Zeichnungen haben ihren Ursprung in der technischen Entwicklung eines Autos, Konstruktionszeichnungen sind vom Volumen her jedoch nur ein geringer Anteil – in Wolfsburg knapp eine Mil-lion“, erklärt Witte und ergänzt: “Es entstehen aber zwischen zwei und drei Millionen Betriebsmittelzeichnungen als Folge dieser Automobil-Konstruktionszeichnungen“. Nähme man als Beispiel einen Kotflügel, so beginnt der Ablauf mit der Erstellung von Werkzeugzeichnungen, es folgen die Straßen, die das Teil pressen, ausschneiden und weiterverarbeiten. Zum Schluß muß alles zu einem verkaufsfähigen Auto zusammenwachsen – ein enormer Umfang an Zeichnungen sei dafür im Umlauf!
Der digitale Aufschwung
„Der digitale Aufschwung kam anfangs bescheiden daher“, blickt Morawietz zurück. Es wurden nur Archive gescannt – die entsprechende Hardware und Netzwerkstruktur fehlte. Eine deutliche Wende zeichnete sich Mitte der 90er Jahre ab, als das erste digitale Hochgeschwindigkeits-Großformat-Kopier-Plotsystem Océ 9800 einen Meilenstein bei der Lösung reprografischer Anforderungen im hochvolumigen Bereich setzte. Mit einer integrierten Archivierungslösung von der Multiformat-Verarbeitung direkt zu fertigen Dokumentensätzen war nicht nur für ein effizientes System- und Druckmanagement gesorgt, sondern erstmals ein Konzept zum Konvertieren von Dokumenten in digitale Dateien praxistauglich umgesetzt worden.
Inzwischen seien Tools vorhanden, um nicht nur passiv zu archivieren, sondern auch aktiv damit zu arbeiten, loben unisono die VW-Organisatoren. Gemeinsam mit Océ und einem Softwarepartner wurde der Arbeitsablauf für eine maßgeschneiderte VW-Lösung entwickelt und die Hardware konfiguriert. Als Handicap erweist sich jetzt, daß früher viele überformatige Sondergrößen (bis 160 cm hoch) erstellt wurden, die schwieriger zu digitalisieren sind und im Bildschirm Probleme machen. „Die früher speziell für den Automobil- und Anlagenbau konstruierten Ausgabegeräte für nicht DIN-gerechte Formate werden jedoch mit fortschreitender CAD-Verbreitung verschwinden“, ist sich Morawietz sicher.
Insourcing
Mit einem Papierverbrauch von ca. 450.000 m² pro Jahr rechnet man bei VW. Die jetzt installierten drei Océ 9800 Systeme laufen noch nicht unter Vollast, weil hauptsächlich ge-scannt wird. Außerdem halten die Indexierung und gesamte Datenerfassung den Archivierungsprozeß derzeit noch auf, weil die Mikrofilmkarten teilweise nicht nur Lochungen, sondern auch handschriftliche Angaben und OCR-Schrift enthalten, die mit ausgewertet werden müssen. „Insourcing“ lautet daher die Beschäftigungsformel im Reprografiezentrum. Nutznießer des elektronischen Archivs sei eigentlich jeder, angefangen von den Planungsabteilungen für Betriebsmittel bis zu Forschungs- und Entwicklungsabteilungen für die Fahrzeuge selbst. Wenngleich im Moment noch viel Papier herumgeschickt werde, sollen sämtliche Fachbereiche spätestens dann integriert werden, wenn ein ausreichender Füllungsgrad des elektronischen Archivs erreicht ist.
Fehlerfreie Dokumen-tation gesichert
Deshalb müsse mit Hoch-leistung gescannt werden, betonen die VW-Manager. Die „Scan to File“ Software – egal ob Tiff-File oder CAD-Datei – sei daher strategischer Kernpunkt, um dieses Ziel zu erreichen. Alles würde automatisch richtig archiviert und gesichert, loben die Fachleute – und selbst Kopien mit deutlichen Altersspuren würden hervorragend geliftet!
Internet
http://www.océ.com
Der Volkswagen-Konzern erlöste im Jahre 1997 rund 113 Milliarden Mark Umsatz und hält in Westeuropa die Nr.-1-Position auf dem Automobilmarkt. 4,6 Millionen Fahrzeuge wurden weltweit ausgeliefert, in Deutschland setzte der VW-Konzern knapp eine Million Automobile ab und hält damit einen PKW-Marktanteil von 27,3%. Weltweit wurden durchschnittlich 274.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Kontinuierliche Verbesserungsprozesse sind Teil der Unternehmensstrategie und Orientierung des Konzerns hin zur Globalisierung, Prozeßorientierung und Produktinnova-tion.
Hochleistungs-Repro-System Océ 9800
Die Océ 9800 ist die Weiterentwicklung der digitalen Reprografie mit erstklassiger Leistung und Produktivität für Kopier-, Scan- und Druckanforderungen im hohen Leistungsbereich. Das System zeichnet sich durch hohe Arbeitsgeschwindigkeit aus (bis zu acht A0-Kopien pro Minute, der Scanner liest ein A0-Original in nur sieben Sekunden ). Die vielfältigen Möglichkeiten der Bildbearbeitung und die Verarbeitung von schwierigsten Originalen sind weitere wesentliche Funktionsmerkmale. Digitales Sortieren ermöglicht die Umsetzung kompletter Dokumente in sofort bereitstehende Sätze. Großformatige Dokumente können nach Belieben zum Verteilen, Stapeln oder Archivieren gefaltet werden. Scan- und Druckvorgänge laufen auf Wunsch simultan ab. Die Océ 9800 gilt als das derzeit leistungsfähigste System für die Verarbeitung technischer Zeichnungen im hohen Volumen-Segment. Sie ist lieferbar als Digitalkopierer, als Printer und als Hybridsystem mit mehreren Einsatzmöglichkeiten.
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