Geschäftsführender Gesellschafter, August Mink KG, Göppingen-Jebenhausen

Peter Zimmermann

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Peter Zimmermann führt in der sechsten Generation die Geschicke des Familienunternehmens August Mink KG. Der schwäbische Unternehmer ruht sich nicht gern auf den Errungenschaften seiner Vorfahren aus, sondern „quält“ sich und seine Mitarbeiter immer wieder aufs Neue, um die spannendsten Entwicklungen für das wenig populäre Produkt „Technische Bürste“ realisieren zu können. KEM sprach mit dem Göppinger über Vielseitigkeit, Kreativität und die Menschen, die mit ihm gemeinsam Innovationen schaffen.

Das Interview führte KEM- Redakteurin Angela Scheufler

„Alles was man zwischen morgens und abends sieht, wurde von einer Mink Bürste bearbeitet.“
KEM: Ihr Unternehmen hat eine lange Tradition. Welche Meilensteine haben auf diesem Wege eine Rolle gespielt?
Zimmermann: Für mich gibt es hauptsächlich zwei Meilensteine: Vielseitigkeit und Kreativität. Als mir als junger Mensch bewusst wurde, dass mein Vater sich nur auf wenige Kunden konzentrierte und an dieser Einseitigkeit unternehmerisch fast zugrunde gegangen wäre, habe ich mir vorgenommen, die Firma auf viele tausend Füße zu stellen. Dieser Entschluss war wohl der wichtigste Meilenstein. Andererseits spielt die Kreativität eine große Rolle. Sie verbirgt eine Multiplikatorfähigkeit wie beim Lotto. Die technische Bürste erscheint im ersten Moment sehr einfach, sie besteht aus einem Bürstenkörper und Fasern. Heute werden Mink Bürsten aber nicht mehr nur zum Waschen oder Reinigen verwendet, sondern finden zum Beispiel Einsatz in Transportsystemen, Verrundungseinrichtungen, zur Stabilisierung oder Fixierung von Bauteilen. Durch Querdenken und mutige Ideen konnten wir zur Anerkennung der Bürste beitragen, deren Anwendungspotenzial unerschöpflich ist. Bereits heute bieten wir unseren über 14 000 Kunden mehr als 180 000 verschiedene Technische Bürsten an.
KEM: Welche bahnbrechenden Anwendungen konnten Sie bisher realisieren?
Zimmermann: Eine bahnbrechende Anwendung ergab sich für die Aluminiumfelge, die man heute zunehmend serienmäßig im Automobil findet. Nachdem sie gegossen ist, wird ihre innere Seite mit einem Drehmeisel ausgedreht. Die dadurch entstehenden Grate müssen beseitigt werden. Früher haben das bei einer Jahresproduktion von drei Millionen Felgen etwa 40 Mitarbeiter manuell bearbeitet. Heute erledigen das Maschinen, deren Hauptbestandteil Tellerbürsten sind. Deren abrasive Fasern verrunden während eines Drehvorgangs in eineinhalb Minuten die Kanten. Herausragend war auch ein Projekt für Alno: Zusammen mit dem Küchenhersteller konnten wir seinen jährlich fünfstelligen Ausschussbetrag, der insbesondere durch Transportschäden entstand, auf Null reduzieren.
Zurzeit arbeiten wir unter anderem an einer Transportlösung für ein Kabinenteil des Airbus 380. Die Innenverkleidungen werden mittels Transportsystemen zur Endmontage gebracht. Auf deren Oberflächengüte darf nicht einmal der Schatten eines Schabens zu sehen sein. So haben wir eine Faseroberfläche für Leistenbürsten entwickelt, die das empfindliche Teil federnd flexibel stützt und damit den Qualitätsanspruch gewährleistet.
KEM: Die jährlichen Reklamationen Ihrer Kunden belaufen sich auf weniger als 0,2 Prozent des Jahresumsatzes. Wie stellen Sie die offenbar hohe Qualität sicher?
Zimmermann: Durch Menschen: Unsere Mitarbeiter arbeiten untereinander in einer Kunden-Lieferanten-Beziehung. Somit ist jeder von ihnen auch ein Kontrolleur. Zudem hat eine Reklamation bei uns höchste Priorität, denn nichts ist für uns interessanter als ein unzufriedener Kunde. Wir hören genau zu, um anschließend das Problem zu lösen. Im Rahmen unseres After Sale Services fragen wir die scheinbar zufriedenen Kunden nach Abschluss eines Geschäftes, ob sich alles so bewahrheitet hat, wie sie sich das vorgestellt haben. Dadurch, dass wir die Aussagen unserer Kunden sehr ernst nehmen, werden wir immer besser und bauen jeden Kritikpunkt, nachdem er bekannt geworden ist, ab.
KEM: Sie verstehen sich als Pionier auf dem Gebiet der technischen Bürsten. Was sagt Ihr Wettbewerb dazu?
Zimmermann: Soweit möchte ich nicht gehen, das wäre eingebildet und falsch. Aber ich behaupte, dass unsere Innovationsfähigkeit höher ist als beim Wettbewerb, der passiv darauf reagiert. Wir haben in den letzten zwanzig Jahren sehr viele Bürstsysteme entwickelt. Im Jahr 1982 brachten wir das Zick-Zack-System auf den Markt, welches das Herstellen der Walzenbürsten revolutioniert hat. Verzahnte runde Bürstsegmente werden wie eine Perlenschnur auf einer Stahlwelle versetzt aneinander gereiht. Der Wettbewerb fertigte damals Spiralbürsten, hat uns belächelt und somit in Ruhe gelassen. Enorm innovativ ist auch das Mink Flex-System. Das sind Leistenbürsten, die sich bis zu 1100 m auf Coils aufwickeln lassen. Von denen schneidet sich der Kunde die benötigte Länge ab. Der hochwertige Körper besteht aus einem thermoplastischen Kautschuk, die Borsten können aus den unterschiedlichsten Fasern und Faserhöhen, Profilen dick und dünn sowie fest und weich zusammengestellt werden. Von diesen Bürsten verkaufen wir täglich fast 20 000 Meter.
KEM: Sie bieten 90 000 bewährte Bürstenlösungen als Lagerartikel. Braucht es da überhaupt noch Sonderanfertigungen, für die Sie ja als Spezialist bekannt sind?
Zimmermann: Unser Umsatz setzt sich aus 30 Prozent Standardlösungen und 70 Prozent auftragsbezogener Fertigung zusammen. Selbstverständlich prüft der Kunde zunächst, ob er fertige Lösungen preislich attraktiv von der Stange kaufen kann. Hierzu bieten wir ihm das sogenannte Pizzaprinzip an: Wir verwenden immer den gleichen Teig, sprich den Bürstenkörper, bestücken diesen aber mit unterschiedlichen Zutaten, sprich den Fasern. Findet der Kunde unter den Zutaten nichts Passendes, kommen unsere Spezialisten zum Einsatz. Hierfür haben wir Techniker ausgebildet, die projektbezogen freigestellt werden, um mit Ingenieuren und Konstrukteuren des Kunden kostenlos und unverbindlich zu entwickeln. Diese Entwicklungsbegleitung und die Bemusterungen sind Service und kosten keinen Cent. Erst wenn die Lösung funktioniert und es zum Auftrag kommt, entstehen dem Kunden Kosten. Das Entwickeln betrachte ich als Quälvorgang, der Zeit, Geld, Diskussion, Versuche und auch manchmal Verluste kostet.
KEM: Ihr Anteil Auszubildender liegt bei 11 Prozent der Mitarbeiter. Was sind die Gründe für dieses Engagement?
Zimmermann: Der Grund ist die Verwirklichung meiner Vision, die technische Bürste aus dem „Dornröschenschlaf“ zu wecken. Ich versuche hin und wieder an der FH Esslingen zu dozieren, damit die Studenten nicht nur etwas über die Fluidtechnik lernen, sondern auch über die „Bürstologie“ informiert werden. So wie es diese Bezeichnung nicht gibt, wird auch nicht vermittelt, dass die technische Bürste ein entscheidender Bestandteil einer Maschine sein kann. Diesen Zustand bedaure ich nicht nur des Umsatzes wegen, sondern auch hinsichtlich der Kreativität des Konstrukteurs. Daher bilden wir unseren Nachwuchs selber aus, mit dem Augenmerk auf eine gesunde Mischung zwischen extern und intern ausgebildeten Mitarbeitern.
KEM: Welche Zukunftspläne haben Sie für Ihr Unternehmen?
Zimmermann: Ich möchte gern zusammen mit meinen Söhnen die erfolgreichen Wege, die wir heute gehen, auf finanziell gesunder Basis verbreitern. Wir haben gerade in Göppingen ein drittes Produktionswerk mit 3000 m² Fläche fertig gestellt. Auf modernste Weise werden dort hochwertigste Kunststoffteile gespritzt und beborstet. Meine beiden Söhne sind heute schon im Unternehmen tätig, einer im technischen, der andere im kaufmännischen Bereich. Ich bin mir sicher, dass die Geschicke der August Mink KG damit auch künftig in den besten Händen liegen.
Mink in Kürze:
  • Gegründet: 1845 in Stuttgart
  • Standort: Göppingen-Jebenhausen
  • Produkte: Technische Bürsten
  • Mitarbeiter: 215
  • Stückzahl/Jahr: > 5 Mio.
  • Kunden: > 14 000
  • Umsatz: > 25 Mio. €
Gesamtkatalog KEM 410
Breitstreckwalzen KEM 411
Faserinformation KEM 412
Transportieren/Fixieren KEM 413
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