Geschäftsführer Berger Lahr GmbH & Co. KG, Lahr „Meine Devise heißt: Delegation von Kompetenz und Verantwortung in gegenseitigem Vertrauen“

Norbert Gauß

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Für alte Hasen ist es eine Wohltat: Berger Lahr heißt wieder Berger Lahr. Die jetzige Muttergesellschaft – Schneider Electric – hat vorausschauend die Assets erkannt und setzt sie gewinnbringend ein. Motion Control, Robotik und Mechatronik sind die Trumpfkarten, die der CEO Norbert Gauß weltweit einsetzt. Die Exportquote liegt immerhin bei beachtlichen 51 Prozent. KEM hinterfragt bei Gauß die Strategie der Unternehmensführung.

Das Interview führte KEM-Chefredakteur Herbert Neumann

KEM: Herr. Gauß, nach einem zwölfjährigen Intermezzo heißt Berger Lahr seit 2001 wieder Berger Lahr. Bleibt es dabei?
Gauß: Ja, es wird dabei bleiben. In den Zeiten in denen wir nicht unter Berger Lahr firmierten, haben wir oft mit einem weinenden Auge das immer noch sehr positive Image der Marke Berger Lahr am Markt wahrgenommen. Nach dreizehn Jahren SIG und SIG Positec kam in 2000 der Kauf durch Schneider Electric. Hierbei wurde Berger Lahr wieder zu Berger Lahr. Man hat die Chance genutzt, den positiv belegten und immer noch sehr bekannten Namen wieder aufleben zu lassen.
KEM: Berger Lahr ist mit dem Schrittmotor groß geworden. Welche Bedeutung hat er heute noch im Unternehmen?
Gauß: Berger Lahr ist das Synonym für Schrittmotoren – Marktführer in Europa und hat je nach Land und Markt einen Anteil von über 30 Prozent. Von rund 100 Millionen Euro Gesamtumsatz macht der Anteil von Schrittmotoren etwa 40 Prozent aus. Für diese Technologie sehen wir weiterhin ein Wachstumspotenzial – sei es hinsichtlich Märkten, Technologie oder Anwendungen.
KEM: Hat der Schrittmotor noch Entwicklungspotenzial?
Gauß: Technologisch gesehen besteht die Herausforderung darin, die Kombination Elektronik und Motor wettbewerbsfähiger zu machen, das Paket noch attraktiver und kostenoptimierter zu gestalten. Damit besteht auch die Möglichkeit, neue Anwendungen zu gewinnen und alternative Antriebstechnologien zu substituieren. Ein weiteres Ziel ist es auch, neue Märkte zu erschließen, gerade wenn man an die USA oder den asiatischen Raum denkt.
KEM: Ihr Haus ist Tochter von Schneider Electric. Profitieren Entwicklung und Vertrieb von der Mutter?
Gauß: Schneider Electric ist weltweit vertreten und schafft Berger Lahr somit internationale Marktzugänge. Wir nutzen die bestehende Vertriebsorganisation, um das gesamte Produktportfolio schrittweise zu platzieren. Gleichzeitig wird aber auch in den Berger Lahr Vertriebskanal investiert, dem
sogenannten Machine Technology Center, die Spezialisten für Lösungen im Bereich Maschinenautomatisierung. Von Seiten der Entwicklung haben wir die Möglichkeit, aus einem großen Pool an Kompetenz zu schöpfen, das heißt gegenseitiges Know-how nutzen, um Ideen und Innovationen schnellstmöglich umzusetzen. In der Motion & Drive Domain, zu der Berger Lahr innerhalb Schneider Electric gehört, arbeiten wir mit Entwicklungskollegen in Deutschland und Frankreich zusammen.
KEM: Dezentrale Antriebe – dafür gibt es bei Berger den Kompaktantrieb Icia. Wo kommt er im Einsatz?
Gauß: Innerhalb weniger Jahre ist Icia zum Synonym für integrierte Positionierantriebe geworden. Der große Vorteil, den Berger Lahr seinen Kunden bieten kann, ist, dass je nach Anwendung die optimale Motortechnologie genutzt werden kann. So stehen die wichtigsten Antriebstechnologien zur Verfügung: Schritt-, AC-Servo- und EC-Motoren mit Alternativen hinsichtlich Elektronik, Getriebe, Bremsen und Gebersystemen. Anwendungen finden sie als Positionierantriebe in Maschinenkonzepten, bei der die Standardisierung, Modularisierung und damit auch Dezentralisierung immer stärker im Vordergrund steht. Diese Tendenzen finden sie sowohl in der Druckmaschine als auch in Holzbearbeitungs-, Textil und Verpackungsmaschinen.
KEM: Als Komplettanbieter gibt es bei Berger auch Handlingsysteme. Heißt hier die Devise make or buy?
Gauß: Hier ein ganz klares „Make“. Die Linearachsen und kartesischen Roboter werden in Eigenregie entwickelt und produziert. Sie stellen ein wichtiges Ergänzungselement im gesamten Produktportfolio dar. Im Vordergrund steht bei uns immer die Maschine des Kunden. Genau hier ist diese Produktfamilie und Kompetenz sehr häufig die logische Ergänzung, um unserem Kunden in Kombination mit der Antriebs- und Steuerungstechnik eine Gesamtlösung zu bieten, zum Beispiel für die Umsetzung der Rotations- in eine Linearbewegung.
KEM: Inwieweit erfolgt die Wertschöpfung der Berger Lahr Produkte im Ausland, in China?
Gauß: Die Philosophie von Berger Lahr ist, die Stärken und Chancen einerseits der Globalisierung und andererseits der lokalen Gegebenheiten zu nutzen. Grundsätzlich liegt heute der Großteil der Wertschöpfung in Deutschland am Standort Lahr. Bewusst ausgewählte Standardtechnologien, welche sich heute primär durch den Preis am Markt differenzieren, sind in mehreren Schritten in den letzten zwei Jahren nach China verlagert worden. Dadurch hat sich die Kostensituation dieser Produkte nachhaltig verbessert. Diese Wettbewerbsvorteile wurden genutzt, um zusätzliches Lösungsgeschäft für den Standort Lahr zu schaffen.
KEM: Welche Trends sieht Ihr Haus im Bereich Automatisierung und Positionierung?
Gauß: Die Trends und Anforderungen bestimmt der Markt mit den sich ständig verändernden Rahmenbedingungen für unsere Kunden. Immer kürzer werdende Maschinen-Lebenszyklen, Modularisierung, Kosten- splitting Mechanik zu Elektronik, Software und Low cost-Maschinentechnologie aus Fernost sind die Herausforderungen für den Maschinenbau. Gefragt sind individuelle, kundenspezifische und kostenoptimierte „Just enough“-Lösungen. Nur so sind Unterscheidungsmerkmale und entsprechende Wettbewerbsvorteile zu erzielen. Abhängig von Marktsegment, Alleinstellungsmerkmal der Maschine, Endkundenanforderung, und Zielkosten realisiert Berger Lahr die geforderte Antriebslösung. Was zählt ist die Betrachtung der Gesamtmaschine und ihr Erfolg am Markt.
Firmensteckbrief
  • Berger Lahr – a company of Schneider Electric
  • Lösungsanbieter im Bereich Antriebs- und Automatisierungstechnik
  • 1941 gegründet durch Gerhard Berger
  • seit 2000 eine Tochtergesellschaft von Schneider Electric
  • Umsatz: 95 Mio. € in 2004
  • Mitarbeiter: rund 650 weltweit
Motion Control KEM 410
Robotic KEM 411
Mechatronic KEM 412
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