Oliver Frese, Geschäftsbereichsleiter der Hannover Messe, Deutsche Messe AG

Jetzt schlägt’s dreizehn

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Im Tierreich wäre die Hannover Messe so etwas wie eine Kreuzung aus einem Elefanten und einem Chamäleon: Mächtig, zuverlässig und stets im Begriff, sich gegebenenfalls anzupassen, so wie sich beim Chamäleon das Äußere mit den Lebensumständen ändert. Immer dem selbst gesteckten Ziel, nämlich dem Anspruch einer Leitmesse treu bleiben, das erfordert Strategie. Oliver Frese gibt Auskunft, wie dieses Ziel in Realität umzuwandeln ist.

Herr Frese, die Hannover Messe bündelt – so die Angaben – 13 internationale Leitmessen: Ist dieser Anspruch noch realistisch?

Frese: Absolut. Mit der Hannover Messe 2011 gehen wir mit 13 internationalen Leitmessen an den Start, die die Kerntechnologien für die industrielle Produktion abbilden. Dieses weltweit einzigartige Messekonzept folgt ganz klar den Wünschen unserer Aussteller, die sich im Gesamtportfolio der Hannover Messe in einer eigenen Community wiederfinden wollen. Unser Leitmessenkonzept erleichtert auch die gezielte Fachbesucheransprache, die sich zudem mit diesem Aufbau auf unserem Gelände so besser zurecht finden.
Die beiden größten dieser 13 Leitmessen heißen Industrial Automation und MDA Motion, Drive & Automation. Also zweimal „Automation“. Das bringt doch keine Klarheit?!
Frese: Das Konzept der Hannover Messe steht auf den fünf Säulen Energietechnologien, Industrieautomation, Industrielle Zulieferung, Antriebs- und Fluidtechnik sowie Industrielle Zukunftstechnologien und Dienstleistungen. Jedes dieser Themenfelder hat in etwa die gleichen Aussteller- wie Flächenwerte. Aus diesem Grund sind MDA und Industrial Automation in ein starkes Umfeld eingebettet. Dieses bietet natürlich auch thematische Überschneidungen. Aber das ist von der Industrie auch gewollt, denn nur so wird die gesamte Bandbreite der industriellen Wertschöpfungskette sichtbar. Unsere Aussteller nutzen diese Möglichkeiten und sind häufig – neben ihrem Hauptstand – mit weiteren Themenständen in anderen Messebereichen präsent. Sie sprechen damit unterschiedliche Besucherzielgruppen an.
Die Leitmesse MDA findet in den ungeraden Jahren statt. Ist in diesen Jahren die MDA der Leitwolf aller Messen?
Frese: Die MDA ist integraler Bestandteil eines starken Fachmesseverbundes, in dem sich die einzelnen Veranstaltungen idealtypisch ergänzen. Sicher ist in diesem Verbund die Motion, Drive & Automation eine wichtige Größe. Die führenden Hersteller werden auf der MDA im Rahmen der Hannover Messe 2011 vor Ort sein. Insgesamt zeigen mehr als 1300 Aussteller auf einer Fläche von über 50 000 Quadratmetern Innovationen und Trends aus den Bereichen der Antrieb- und Fluidtechnik. Starke Synergieeffekte verbindet die Antriebs- und Fluidtechnik aber in diesem Jahr mit einer ganzen Reihe weiterer Leitmessen, beispielsweise der Wind in der Halle 27. Dort sind viele Hersteller von Antriebssystemen für Windturbinen zu finden. Weitere Anknüpfungspunkte ergeben sich zur Mobilitec in Halle 25. Die Leitmesse für hybride und elektrische Antriebstechnologien, mobile Energiespeicher und alternative Mobilitätstechnologien bildet die Schnittstelle zwischen Antriebs- und Energietechnologien und bietet den MDA-Ausstellern eine zusätzliche Plattform. Dort präsentieren sie ihre spezifischen Lösungen zum Thema Elektromobilität.
Zur Positionierung der HM: welcher generelle Unterschied besteht im Messeangebot in den geraden beziehungsweise ungeraden Jahren?
Frese: In den ungeraden Jahren werden die vorgenannten Kernthemen der Hannover Messe um die Leitmessen Motion, Drive & Automation, SurfaceTechnology, Wind und Comvac ergänzt. Diese finden auf Wunsch der Branche und aufgrund ihrer Innovationszyklen alle zwei Jahre statt. Da wir aber das Portfolio der Hannover Messe stetig sinnvoll ergänzen, wird es auch zukünftig jährlich eine starke Hannover Messe geben, die die Kerntechnologien der industriellen Produktion abbildet.
Die Digital Factory ist die einzige themenspezifische Fachmesse im Jahr in Deutschland. Ist diese Branche messescheu?
Frese: Ganz im Gegenteil. Diese Branche spricht sich ganz bewusst für die Hannover Messe und das damit verbundene industrielle Umfeld aus. Die direkte Anbindung der Digital Factory an die Automationsthemen der Hannover Messe stellt einen wesentlichen Mehrwert für die internationale Leitmesse für integrierte Prozesse und IT-Lösungen dar. Denn hier treffen die Hersteller von Software für die Industrie auf ihre Kunden. Da Automatisierungsthemen zunehmend mit den Softwarethemen zusammenwachsen, wird dieser Themenbereich der Hannover Messe weiter ausgebaut, in 2011 beispielsweise mit dem neuen Ausstellungsbereich „Industrial IT“.
Steht die Fachmesse Wind im Wettbewerb mit der Husum Wind Energy?
Frese: Deutsche Messe und Messe Husum sind seit vielen Jahren erfolgreiche Kooperationspartner. Gemeinsam haben wir uns auf einen jährlichen Wechsel der Husum Windenergy mit der Wind im Rahmen der Hannover Messe verständigt. In diesem Zuge ergänzen sich beide Veranstaltungen optimal. Die Husum Windenergy ist die internationale Leitmesse mit vertikaler Ausrichtung. Dort sind alle Technologien und Services für die Windkraft in ihrer kompletten Tiefe. In Hannover zeigen wir das Thema Wind im industriellen Umfeld. Diese Komplementärstrategie führt dazu, dass die Hannover Messe im Windbereich stark wächst – und natürlich werden in diesem Jahr die Welt-Marktführer im Windkraftanlagenbau hier sein: Enercon, Vestas, Repower, Nordex, Siemens, Fuhrländer, GE, Samsung, Hyosung um nur einige zu nennen. Aber es wird auch so sein, dass zunehmend Unternehmen aus dem Zuliefererbereich, die ihre Hauptstände auf den anderen Veranstaltungen haben, mit Zweitbeteiligungen auf die Wind gehen. Die Wind ist ein Zugpferd für die Energiethemen der Hannover Messe und wird es bleiben.
Ist es möglich, die Mobilitec in einer Halle zu platzieren? Die Besucher müssen in viele Hallen gehen!
Frese: Die Mobilitec ist in einer Halle positioniert. In der Halle 25 – an der Schnittstelle zu den Antriebs- und Energietechologiehallen – stellen rund 150 Unternehmen ihre Produktinnovationen zum Thema Elektromobilität aus. In diesem Marktsegment sind derzeit noch viele Fragen ungeklärt. Neben elektrischen Antrieben müssen künftig effiziente Batterietechnologien sowie ein Netz von Stromtankstellen bereitstehen. Wichtiger Bestandteil der Mobilitec ist der Gemeinschaftsstand E-Motive, den die Forschungsvereinigung Antriebstechnik (FVA) im Verband Deutscher Maschinen und Anlagenbau e.V. (VDMA) organisiert. Bietet sie doch allen am Thema Elektromobilität beteiligten Unternehmen eine ideale Präsentations- und Diskussionsplattform, um die erforderlichen Technologien gemeinschaftlich voranzutreiben.
Wie hat sich das Image der Hannover Messe in den letzten fünf Jahren gewandelt?
Frese: Die Hannover Messe hat ihren ausgezeichneten Ruf in der weltweiten Messelandschaft weiter gefestigt. Mit unserer klaren Themenfokussierung und einer kontinuierlichen Weiterentwicklung steht sie für Qualität und Innovationskraft. So wird der Hannover Messe auch weiterhin die Aufgabe zukommen, wichtige Impulse in Richtung der Industriebranchen, die sie repräsentiert auszusenden und sich als Messe immer wieder den Anforderungen der Märkte und ihrer Kunden anzupassen.
Das ist auch das bemerkenswerte an der Hannover Messe, sie befindet sich in einem ständigen Wandel. Kontinuierlich werden jährlich neue Themen aufgegriffen und in das Gesamtportfolio integriert. Beispielsweise in den vergangenen Jahren geschehen mit den neuen Leitmessen Mobilitec, Coiltechnica und Wind oder mit dem im Rahmen der Hannover Messe 2011 erstmalig stattfindenden Ausstellungsbereich „Metropolitan Solu- tions“. So steht die Hannover Messe für Aktualität im Messegeschehen. Sich immer wieder den Entwicklungen der Märkte anzupassen und als Messeplatz zu besetzen, ist eine der wesentlichen Stärken der Hannover Messe. Mit neuen Themen und der Abbildung neuer Märkte bestätigt die Hannover Messe ihre Stellung als weltweit wichtigstes Technologieereignis.
Fotos: Frank Herrmann
Das Interview führte KEM-Chefredakteur Herbert Neumann
Online-Info

FIRMEN- STENOGRAMM
  • Umsatz: 222 Mio. € im Jahr 2009
  • weltweit mehr als 850 Beschäftigte
  • Mitarbeiter in mehr als 100 Nationen
  • Messegelände: rund 1 Mio. m2 Fläche
  • Start: die britische Militärregierung ordnete an, dass die Deutschen vom 18. August bis 7. September 1947 eine Messe zu veranstalten hätten

  • quergefragt
    Das dringlichste Problem für die Weltbevölkerung wird in Zukunft…
    … der Kampf um Energiequellen und um sauberes Trinkwasser sein.
    Die Akzeptanz der Elektromobilität in Deutschland…
    …wird steigen, die Bundesregierung hat dazu ja auch ambinionierte Ziele.
    Aus der Wetterlage in Deutschland kann man …
    …momentan nicht auf einen Klimawandel schließen.
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