Kfz-Testbericht BMW 745i:Fahrkultur mit Jumbo-Feeling

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Design oder nicht sein, das war anfangs die Frage. Nach den ersten Kontroversen über das Heck des neuen Siebener-BMW stehen jetzt die anderen Qualitäten im Blickpunkt. Und davon hat der neue Über-BMW jede Menge.

Der Testwagenfahrer und Autor, Dipl.-Ing. Jürgen Goronczy, ist freier Mitarbeiter der KEM

Der neue Siebener verströmt mit seinen wuchtigen Formen eine enorme physische Präsenz, wirkt wie das vielzitierte „gestandene bayerische Mannsbild“. Dazu trägt auch das umstrittene massive Heck mit dem aufgesetzten Kofferraumdeckel bei. Viele finden es hässlich, einige genial. Fest steht, dass BMW mit dem Siebener den vielfach geforderten großen Designschritt gewagt hat. Ob es der Sprung nach vorne oder eine Bauchlandung wird, werden die Verkaufszahlen zeigen. Fast noch mutiger war BMW mit seinem neuen Bedienkonzept, das weit reichende Folgen für die Innenraumgestaltung hat. Multifunktionaler Bedienknopf in der Mittelkonsole, Getriebe-Wählhebel hinter dem Lenkrad, Feststellbremse als Knopf in der Armaturentafel, separater Startknopf – BMW-Piloten müssen gewaltig umdenken.
Bedienknopf: Hunderte von Funktionen
Am auffälligsten ist der handtel-lergroße Bedienknopf von Alps. Er liegt für Fahrer und Beifahrer griffgünstig auf der Mittelkonsole und steuert mehrere hundert Funktionen, etwa für Radio, Navigation oder Klimatisierung, die auf einem Bildschirm dargestellt werden. Das Bedienprinzip mit Drehen, Drücken und Schieben ist genial einfach – anders als die Menüstruktur mit mehreren Ebenen, die man nicht so schnell beherrscht. Den Kritikern, die eine zu große Ablenkung angesichts der Informations- und Kommunikationsfülle befürchten, sei allerdings Folgendes gesagt: Wer die notwendigen Einstellungen im Stand vornimmt, hat anschlie-ßend seine Sinne für das Fahren frei.
Denn der Siebener lässt sich stundenlang ohne die Nutzung dieses Knubbels fahren. Was zum Teil daran liegt, dass häufig gebrauchte Funktionen zusätzlich nach traditioneller Art in der Armaturentafel untergebracht sind.
Automatik-Wählhebel am Lenkrad
Die eigentlichen Fahrfunktionen sind im Lenkrad und den vier Lenkstockhebeln konzentriert, für die Kostal viele mechatronische Bauelemente liefert. Neu ist der Automatik-Wählhebel rechts oben hinter dem Lenkrad. Gemeinsam mit zusätzlichen Tasten im Lenkrad sind damit alle Getriebefunktionen steuerbar. Welcher Antriebsmodus aktuell ist, wird im Kombiinstrument von VDO angezeigt.
Es hat mehrere Grafikdisplays, in denen bei Bedarf Warn- und Navigationshinweise sowie die üblichen Fahrinformationen erscheinen. Nicht optimal gelöst ist die Positionierung der Lenkstockhebel, die man leicht verwechselt.
Mobile Wohnkultur
Das neu konzipierte Bedienfeld für die Sitzverstellung erfordert zwar einige Handgriffe mehr als bisher, lässt sich aber sehr gut bedienen. Klasse ist auch die Gestaltung der Oberflächen und Materialien im Innenraum, die einen sehr wohnlichen Eindruck machen. Praktisch sind der CD-Wechsler oberhalb des Handschuhfachs sowie der Bildschirm mittig auf der Armaturentafel. Das Wohlgefühl wird durch Verbundsicherheitsglas von Solutia erhöht, das besser vor Sonnenstrahlen und Wärme sowie vor Geräuschen isoliert als Einscheibenglas. Dieses Glas war im KEM-Testwagen auch als Seiten- und Heckscheibe eingebaut.
Fast schon übertrieben mutet der Aufwand für die Fondpassagiere an. Vielfach verstellbare Einzelsitze, eine separate Klimaanlage, elektrisch verstellbare Sonnenschutzrollos an drei Seiten und – very busy – ein kleiner Kühlschrank versüßen den Aufenthalt. Hinter dem Luxusabteil verbirgt sich ein 500 Liter fassendes Gemach für das Gepäck, dessen Auslegeware jedem Mittelklasse-Fahrzeug im Innenraum zur Ehre gereichen würde. Der Gipfel: die Kofferraumklappe ist elektrisch und ferngesteuert zu öffnen und per Knopfdruck zu schließen.
Dämpferkontrolle/Wankstabilisierung
Nach diesem Prolog nun zu dem, was einen guten BMW ausmacht: Freude am Fahren. Der Siebener bietet sie, denn er lässt sich mitunter bewegen wie sein kleiner Bruder, der Dreier. Die große Limousine überzeugt mit geradezu spielerischen Handlingeigenschaften, die man einem Zwei-Tonnen-Fahrzeug nicht unbedingt zutraut. Schon im Komfort-Modus vermitteln Lenkung und Fahrwerk eine wohlige Agilität. Geradeauslauf, Federungs- und Bremsverhalten sind untadelig.
So richtig zur Sache geht es, wenn die elektronische Dämpferkontrolle und die Wankstabilisierung – beides Sonderausstattungen – an Bord und aktiviert sind. Denn gleichzeitig mit der härteren Dämpfereinstellung wird die Lenkung auf sportlich getrimmt und reagiert dann sehr direkt.
Plötzlich wird der Siebener zum Kurvenräuber und die Landstraße sein Revier. Nachteil: seine Reaktion auf Fahrbahnunebenheiten ist dann nicht mehr gentleman-like, sondern deutlich sportlicher.
Großen Anteil am Fahrspaß hat – nicht umsonst sind es die Bayerischen Motorenwerke – das V8-Aggregat mit 4,4 Liter Hubraum. Es schiebt mit 245 Kilowatt Leis-tung und 450 Newtonmeter Drehmoment den Siebener in jeder Lage zügig vorwärts, bleibt dabei aber trotz des sonoren V8-Klangs in allen Drehzahlbereichen äußerst laufruhig. Bei moderater Fahrweise konsumiert der Motor etwa elf Liter Kraftstoff, ein ungezügelter rechter Fuß fordert seinen Tribut in Höhe von 15 bis 17 Litern pro 100 Kilometer. Bei den etwa 3 000 Kilometern für die KEM flossen gut zwölf Liter auf 100 Kilometer durch die Einspritzdüsen. Der geringe Verbrauch im Teillastbereich ist vor allem auf die vollvariable Ventilhubsteuerung Valvetronic (siehe KEM 10/2001) zurück zu führen, die BMW laut Klaus Borgmann, Leiter Entwicklung Antrieb, künftig in alle neuen Ottomotoren einbauen will.
Fast unmerklicheSchaltvorgänge
Ein weiteres Sahnehäubchen ist das erste serienmäßige Sechsgang-Automatikgetriebe der Welt von ZF Friedrichshafen. Es verwöhnt die Passagiere mit fast unmerklichen, mechatronisch gesteuerten Schaltvorgängen und hat eine Abstufung, die einfach immer zur Motorcharakteristik passt. Mit ihm mutiert der Siebener zur perfekten Fahrmaschine auf höchstem Komfortniveau. Und beim Fahren schaut man gewöhnlich nach vorn – und nicht nach hinten, auf das Heck.
Ausführliche Informationen
7er BMW
Kombiinstrument
Mechatronik
Sechsgang-Auto-matikgetriebe
Drehsteller
Doppelverglasung
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