Karl Haeusgen, Geschäftsführer Hawe Hydraulik GmbH & Co. KG, München

Im Sinne von Al Gore

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„Solutions for a world under pressure“ ist der Slogan der Rekordwachstum verzeichnenden Hawe Hydraulik. Dabei lässt sich das Unternehmen nicht von den Trends zu Elektronisierung und Globalisierung „unter Druck“ setzen. KEM sprach mit Karl Haeusgen über den Gegensatz von Innovation bei Produkten und Unternehmensstrategie zu konservativ scheinender Einstellung gegenüber Elektronisierung und globaler Aufstellung.

Das Interview führte KEM-Redakteurin Angela Scheufler

Hawe wurde 1949 als Heilmeier und Weinlein, Fabrik für Ölhydraulik gegründet. Wann kam es zur Namensänderung?
Haeusgen: Der ursprüngliche Firmenname stammt von den beiden Gründern Karl Heilmeier und Wilhelm Weinlein. Aus diesen beiden Namen hat sich schon in den 50er Jahren über die phonetische Schreibung der Initialien Ha und We, Hawe als Markenname herausgebildet. Erst vor etwa acht Jahren haben wir diesen Markennamen zum Firmennamen gemacht.
In den letzten vier Jahren konnten Sie ein Umsatzwachstum von etwa. 70 Prozent erzielen. Mit welchen Produkten und in welchen Branchen haben Sie dieses erreicht?
Haeusgen: Der Maschinenbau blickt auf eine sehr gute Konjunktur in den letzten drei Jahren zurück. Hawe befindet sich bereits im fünften Wachstumsjahr. Im ersten Halbjahr 2007 hatten wir ein Plus im Auftragseingang von 51 Prozent, nachdem wir 2006 bereits über 30 Prozent verzeichnen konnten. Dies ist für uns eine ungewöhnliche Situation. Zudem wachsen wir schneller als der Markt. Das liegt daran, dass wir in einigen wachstumsintensiven Regionen und Anwendungen das Glück hatten, mit spannenden neuen Produkten zur richtigen Zeit präsent zu sein. China ist für uns die am schnellsten wachsende Vertriebsregion und hat mittlerweile Italien als größten Exportmarkt abgelöst. In Skandinavien beschert uns vor allem Norwegen ein überdurchschnittliches Geschäft im Offshore-Bereich. Seit etwa vier Jahren bieten wir ein modulares Gesamtangebot an Hydraulik für Windkraftanlagen. Dieses generiert die starken Wachstumsraten in Dänemark, Spanien und Deutschland. Im Bereich Rohstoffe haben wir frühzeitig technische Konzepte entwickelt und bieten heute Komponenten, die eine sichere und schonende Rohstoffförderung für Steinkohle bis hin zur Offshore-Förderanlage ermöglichen.
Und wie kommen Sie dabei mit Ihren Kapazitäten zurecht?
Haeusgen: Das Wachstum ist viel stärker als geplant ausgefallen. Daher werden wir im Laufe dieses Jahres noch 10 000 m² neue Produktionsfläche schaffen, indem wir den bestehenden Betrieb in Freising erweitern und ein neues Werk in Kirchheim bei München einrichten. 2008 werden wir den Standort in Sachsenkam flächenmäßig mehr als verdoppeln.
Die Begriffe: Ressourcen, Energie, Raum und Zeit haben eine große Bedeutung für Hawe. Was verbirgt sich dahinter?
Haeusgen: Es entspricht der Philosophie unseres Hauses, Technologien zu entwickeln, die einen Nutzen bei der Lösung globaler Probleme generieren. Daher ist es kein Zufall, dass wir uns auf Bereiche wie die erneuerbare Energien mit Ressourcen fördernden und schonenden sowie Energie sparenden Systeme gestürzt haben. Zusätzlich ist es uns wichtig, dass unsere Kunden ihren Zeit- und Raumbedarf mit unseren technischen Lösungen minimieren, weil auch diese zwei Kriterien heute ein knappes Gut sind. Operativ greift diese Philosophie sehr schön Hand in Hand in unser Konzept ‚Total cost of ownership’. Veranschaulicht heißt dies: Der Kunde bestellt für seine Werkzeugmaschine ein Kompaktaggregat mit Sitzventiltechnik in Unterölbauweise, das im Abschaltbetrieb arbeitet. Im Vergleich zu einem konventionellen, im Dauerbetrieb laufenden Aggregat mit Flügelzellenpumpe und Schieberventiltechnik lassen sich mit dem Kompaktaggregat der Energieverbrauch um etwa 70 Prozent und damit auch die Betriebskosten drastisch senken.
Sie halten sich bewusst fern von der ‚Standardhydraulik’ und sehen sich als Problemlöser. Was sagen Sie dem Kunden, der ihre Qualität im Standardprodukt ohne Beratung, Service und Projektierung möchte?
Haeusgen: Diese Frage rührt am Kern unserer Technik-Philosophie. Vor etwa fünfzig Jahren übernahmen viele deutsche Hydraulikanbieter die in Amerika entwickelte ‚Normhydraulik’. Mit diesem Konzept lassen sich aber keine optimalen technischen Lösungen realisieren. Den überwiegenden Anteil an Systemlösungen realisiert Hawe ohne Normhydraulik und generiert damit große Einsparungen an Platz und Montagezeit. Wenn Kunden selbst ihre benötigten Komponenten definieren und konfigurieren möchten, stellen wir ihnen unsere Auswahl-Hilfsmittel zur Verfügung. Wir sehen aber einen Trend dahin gehend, dass Unternehmen ihre interne Hydraulikkompetenz abbauen und diese dann zum Beispiel in unsere Hände geben. Wir bedienen beide Profile.
Ihr Produktprogramm erscheint noch sehr mechanisch. Ist der Trend ‚Elektronisierung’ für Sie künftig ein Innovations-Thema?
Haeusgen: Wir erachten es als unbedingt notwendig, die elektronische Ansteuerung der Hydraulik zu beherrschen. Die Nachfrage nach dem kompletten Warenkorb von einem Anbieter ist aber überschaubar. Bei mittleren oder großen Serien kommt es vor, dass der Kunde sowohl die Hydraulik als auch die Elektronik aus einer Hand beziehen möchte. Unsere Kunden kombinieren meist unsere Hydraulik mit der Elektronik vom Elektronikspezialisten. Nichts desto trotz haben wir in das Thema Elektronik investiert. Bereits seit acht Jahren gibt es bei Hawe eine eigene Elektronikentwicklung. Somit sind wir durchaus in der Lage, auch sehr kundenspezifische Steuerungslösungen für unsere Hydraulik anzubieten.
Welches Entwicklungspotenzial gibt es noch bei der guten alten mechanischen Hydraulik?
Haeusgen: Es gibt noch eine Menge Potenzial, nicht zuletzt weil die Hydraulik immer noch flächendeckend sehr konventionell verstanden wird. Viele namhafte Maschinenbauer greifen bei ihren sonst großartigen Entwicklungen im Bereich Hydraulik noch auf die Technik der 70er Jahre zurück. Bei der Problematik interner Leckage kann man durch Feininnovationen im Detail noch enorme Fortschritte erzielen. Diese Entwicklungen sind wenig spektakulär. Aber schaut man sich heute das Dichtheitsniveau der Proportionalhydraulik an, hat sich das in den letzten Jahren enorm verbessert. Dabei leistet auch die moderne Fertigungstechnik einen wichtigen Beitrag. So werden bei Hawe Kolben und Schieberbohrung unabhängig voneinander gefertigt und trotz sehr enger Toleranzen in der Montage beliebig gepaart. Oder in einem Sitzventil wird durch anspruchsvolle Konstruktion die Kombination proportionales Schalten mit leckölfrei dichtem Schließen möglich. Im Bereich Stahl werden neue Legierungen mit verbesserten Festigkeiten entwickelt. Dies kommt uns beim Thema Miniaturisierung entgegen.
Prinzipiell ermöglichte unser Stahlkonzept allerdings schon immer kompakte und kleine Bauweisen. Auch der Trend im Maschinendesign, Subsysteme möglichst in der Maschinenumhausung unterzubringen, wird nicht zuletzt durch den Werkstoff Stahl möglich. Das beste Beispiel ist unser Kompaktaggregat KA, welches am Markt einzigartig im Verhältnis Kompaktheit zur Leistungsdichte ist.
Sie haben in diesem Jahr nach der französischen Koppen & Lethem France SARL den Geschäftsbereich Hydraulik Ihres Vertriebspartners Daido Machinery Ltd. in Japan übernommen. Wird Hawe langsam global, eventuell auch in Richtung Fertigung?
Haeusgen: Die Akquisitionen, die wir im Ausland getätigt haben sind vertriebsorientiert. In beiden Ländern sehen wir Potenziale, die wir so schneller erschließen können. In Japan gibt es einen der spannendsten Maschinenbaumärkte der Welt. Hier sehen wir die Notwendigkeit, die Kompetenz direkt vor Ort in Form von kundenspezifischer Konfiguration anzubieten. Die Komponentenfertigung bleibt aber unverändert in Deutschland. Wir sind mit unserer Fertigungstechnologie preislich durchaus wettbewerbsfähig, auch weil unsere Wertschöpfungskette stark an unserem kapitalintensiven Maschinenpark hängt. In China haben wir eine Endmontage zur Konfiguration aufgestellt. Ob wir global fertigen sollen, hinterfragen wir immer wieder, sehen aber momentan keine Notwendigkeit dafür.
Hawe Hydraulik KEM 410
Total Cost of Ownership KEM 411
Proportionalhydraulik KEM 412
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