Vorstand des Fachverbandes Automation im ZVEI, Frankfurt Gast der KEM: Hans-Joachim Jähne - KEM

Vorstand des Fachverbandes Automation im ZVEI, Frankfurt

Gast der KEM: Hans-Joachim Jähne

Anzeige
Dr. Hans-Joachim Jähne: zum einen ist er Leiter des Geschäftsgebietes Standardantriebe der Siemens AG, zum anderen Vorstand des neu gegründeten Verbandes Automation im ZVEI. KEM fragt in diesem Interview nach der Strategie dieses Verbandes.

Das Interview führte Herbert Neumann, Red. KEM

KEM: Dr. Jähne, seit Frühjahr 2000 steht die Automatisierungsindustrie in Deutschland vor der Wahl: sich organisieren im VDMA oder im neu gegründeten Fachverband Automation des ZVEI. Wie groß ist der Entscheidungsdruck?
!Jähne: Entscheidungsdruck besteht überhaupt nicht. Auch bisher konnte jedes Unternehmen diejenige Verbandsstruktur wählen, die ihm optimale Unterstützung zusicherte Der VDMA war bisher mehr maschinen-, der ZVEI elektrotechnisch orientiert. Aber durch die an Bedeutung zunehmende Prozessindustrie wachsen die Themenbereiche zusammen. Das zu vermittelnde Schlagwort heißt Automation. Bei den Fachverbänden Elektrische Antriebe, Schaltgeräte, Schaltanlagen, Industriesteuerungen oder Prozesstechnik wurden schon seit Jahren automatisierungsgerechte Themen angepackt. Der neue Fachverband Automation mit 350 Mitgliedern wird alle Themen weiterführen. Hinter den Mitgliedsfirmen steht ein Umsatzvolumen von 25 Mrd. Euro. Das bedeutet ca. eine Verdreifachung der Schlagkraft zu den bisherigen Fachverbänden. Die Themen für den Fachverband Automation lauten Softwarevermarktung, Softwarequalität, internationale Orientierung an ICE-Standards bis hin zum Thema dezentrale intelligente Feldtechnik.
KEM: Die Arbeitsweise der drei nach wie vor existierenden Fachverbände „Elektrische Antriebe“, „Schaltgeräte, Schaltanlagen, In-dustriesteuerungen“ und „Messtechnik und Prozess-automatisierung“ war bisher komponentenorientiert. Der neue Fachverband „Automation“ ermöglicht nun ein systemnahes Vorgehen. Können Sie das verdeutlichen?
!Jähne: Das entscheidende sind die Querschnittsthemen, die wir bearbeiten. Das sind Engineering, industrielle Kommunikation, Bedienen und Beobachten, Inbetriebsetzung , Datenhaltung und Softwarearchitektur.. Diese Themen müssen einheitlich als System abgebildet werden. Unsere Triebfeder ist die Zielvorstellung unserer Kunden: nämlich die Prozess-Sicherheit durch Erhöhung der Anlagen-Verfügbarkeit zu steigern.
KEM: Jeder Fachverband muss wirtschaftlich arbeiten. Am besten durch Einbindung weiterer Mitglieder. Von maßgeschneiderten Serviceangeboten an Unternehmen der industriellen Automation ist uns aber noch nichts bekannt?!
!Jähne: Wir sind ist offen für alle Wertschöpfungspartner. Es ist selbstverständlich, dass Informationen und Dienstleisungen wie Marktstatistiken nur den jeweiligen Mitgliedern zur Verfügung stehen. Hier gibt es über 70 Gremien sowie zahlreiche maßgeschneiderte Dienstleistungen. Die ZVEI-Mitgliedsfirmen sehen die Notwendigkeit, Systemaspekte auch in den eigenen Unternehmen zu integrieren. Wir müssen aufpassen, dass wir als ZVEI nicht zu einem Consultant werden, weil wir mit einem Consultant, der rein auf Profit ausgerichtet ist, nicht konkurieren können. Dafür ist die Decke der Mitgliedsbeiträge zu dünn.
KEM: Welchen Nutzwert haben ZVEI-Marktstatistiken? Sind deren Aussagen beim Erscheinungstermin noch aktuell?
!Jähne: Die veröffentlichten Marktzahlen sind nur die sichtbare Spitze des Eisberges der Verbandsarbeit. Wir haben interne Marktstatistiken, die wir unseren Mitgliedern zur Verfügung stellen. Wir glauben, es ist notwendig, dass wir in einer Zeit der gegenseitigen Abhängigkeiten solche Plattformen zum Nutzen aller schaffen, um zukünftige Geschäftsentwicklungen auch mittelfristig abschätzen zu können. Davon protitieren besonders kleine und mittlere Unternehmen.
KEM: Ein Themenschwerpunkt des Fachverbandes Automation lautet E-Commerce. Aber da wird wohl die Mehrheit der Mitgliedsfirmen aus der KMU-Ecke nur müde abwinken?!
! Graß (Mitglied der Hauptgeschäftsführung ZVEI): Wir haben in den letzten Monaten eine deutliche Aufbruchsstimmung zum Thema E-Commerce festgestellt. Die Mitgliedsfirmen äußern diesbezüglich eine klare Erwartungshaltung: Das heißt zum Beispiel, dass wir uns mit der Vereinheitlichung von Produktbeschreibungen befassen. Grund: alle elektronischen Marktplätze erfordern eine transparente Produktdefinition. Hier helfen wir. Derzeit sind in unserem Focus ein knappes Dutzend Marktplätze für die Automation, davon sind einige firmengebunden, neutral oder handelsbezogen.
KEM: Das Aufspüren von Markt- und Technologietrends ist die eine Sache. Die andere Sache ist das konkrete Umsetzen dieser Erkenntnisse. Welche Hilfestellung gibt dabei der Fachverband Automation?
! Jähne: Die konkrete Hilfestellung erfolgt in den technischen Arbeitskreisen des ZVEI. Hier werden die Technologien diskutiert und Unternehmen beraten, wie sie internationale Normen und Vorschriften produktemäßig realisieren können. Speziell die vielen mittleren Unternehmen mit Weltgeltung in ihrem jeweiligen Markt-segment organisieren sich stark in unserem Fachverband, weil sie wissen, dass wir nicht nur Trends erkennen, sondern diesen Unternehmen helfen, sich mit den anderen großen Unternehmen am Markt zu platzieren. Es ist unseren Mitgliedern klar, dass wir auch Trends in den Markt einbringen, um eine bestimmte Richtung vorgeben zu können.
KEM: Ein Anspruch des Verbandes lautet: Schaffung von Standards. Können sich 350 Mitgliedsfirmen in vernünftiger Zeit einigen?
! Graß: Vertreter des Fachverbandes Automation in den entsprechenden Gremien von IEC,Cenelec und DKE sind hierzu tätig. Wenn es um Standards geht, wäre zuerst die Normung zu nennen. Das bringt naturgemäß einen relativ hohen Zeitaufwand mit sich. Standardisierung bedeutet aber auch das Erkennen von Markt-und Technologietrends und die geschlossene Akzeptanz und Darstellung seitens Mitglieder und Verband. Das realisieren wir durch entsprechende Facharbeitskreise. Deren Ergebnisse werden in den Markt publiziert. Ein Beispiel dazu ist die ZVEI-Studie „Einfluss neuer Technologien und Standards auf die Prozessleittechnik“ von 1999.
KEM: Wie meistern Sie, Herr Dr. Jähne den Spagat zwischen unterschiedlichen kommerziellen Interessen der Mitglieder und dem einheitlichem Vorgehen des Verbandes?
! Jähne: Das Zusammenwachsen der Mitgliedsfirmen wird von den Vorsitzenden aller drei fusionierenden Fachverbände aktiv vorangetrieben. Kommerzielle Interessen spielen natürlich eine Rolle. Aber gemeinsame Themen, bei denen das einzelne Unternehmen nicht erfolgreich sein wird, gewinnen in der Welt der offenen Systeme, der strategischen Allianzen und der virtuellen Unternehmen immer mehr an Bedeutung.
ZVEI-Fachverband Automation
n Vorstand: Dr.Hans-Joachim Jähne, Dr.Gunther Kegel, Michael Ziesemer
n Geschäftsführer: Heinz Werner Blaß, Knut Rothstein, Horst Galonska, ab 1.10.2000: Dr. Helmut Sturm
n Mitgliedsfirmen: ca.350
n Umsatz der Mitglieder 1999: 89 Mrd. DM
n Organisationsgrad der Branche im FV Automa-tion: über 90%
Ausführliche Informationen
Leistungen des Fach-verbandes Automation
KEM 262
Internet:
Anzeige

Video aktuell

Roland Lenzing, geschäftsführender Gesellschafter erläutert den neuen Kabelkanal VARiOX und welche Vorteile der Anwender damit hat.

Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Unsere Dosis Wissensvorsprung für Sie. Jetzt kostenlos abonnieren!

Top-Thema Spannvorrichtungen

Spannvorrichtungen

Alles über Spannvorrichtungen und welches Einsparungspotenzial sie bieten

Top-Thema Schaltschränke

Alle Infos über den Schaltschrankbau mit seinen Komponenten, Geräten und deren Verdrahtung

Kalender

Aktuelle Termine für Konstrukteure

Webinare & Webcasts

Technisches Wissen aus erster Hand

Whitepaper

Hier finden Sie aktuelle Whitepaper
Anzeige

Industrie.de Infoservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de