Ludger Sunderdieck Geschäftsführer SSB Antriebstechnik, Salzbergen

Gast der KEM

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Eine Distanz von 50 bis 60 km kann es schon werden. Gemeint sind Langstrecken-Ritte, die Ludger Sunderdieck auf seinem Pferd als Ausgleich zu seiner Geschäftsführertätigkeit unternimmt. Dabei muß er auf dem richtigen Weg bleiben. Auf der richtigen Spur zu bleiben, das hat sich Sunderdieck auch für die Firma SSB Antriebstechnik als Ziel gesetzt.

Das Interview führte Herbert Neumann, Red.KEM

KEM: Auch in der Sparte Antriebstechnik kann der Name SSB noch an Bekanntheitsgrad zulegen, um zu einem fixen Begriff zu werden.
Mit welchem Produkt soll der Name SSB assoziiert werden?
Sunderdieck: Die meisten Unternehmen konzentrieren sich auf ihre Schwerpunkte. SSB geht hier aber einen ganz anderen Weg.
Unsere Philosophie ist, daß der Kunde möglichst viel aus einer Hand bekommen muß. Man muß dazu sagen, wir sind kein Serienhersteller. Ein Produkt in Massen zu fertigen, daß ist nicht unsere Welt.
Zu unserer Angebotspalette gehören z. B. : Servoantriebe, Umrichterantriebe oder flüssigkeitsgekühlte Hochleistungsantriebe, um nur einige Produkte zu nennen. Wir fertigen auftrags- bzw. kundenbezogene Antriebseinheiten mit Leistungen von zirka hundert Watt bis hin zu mehreren hundert Kilowatt.
KEM: SSB wirbt mit dem Slogan: „Eine der ersten Adressen!“ Welche Leistung rechtfertigt einen so hohen Anspruch?
Sunderdieck: Das bezieht sich auf die hohe Qualität unserer Produkte, bei kurzen Lieferzeiten. Unsere durchschnittliche Lieferzeit beträgt zur Zeit vom Auftragseingang bis zur Auslieferung des Produktes sechs Wochen. Selbst wenn wir eine völlig neue Antriebstechnolo-gie für einen Anwendungsfall entwickeln müssen, ist das Produkt in der Regel innerhalb von zwei Monaten beim Kunden. Das ist eine unserer Stärken.
KEM: Wie managt ein Unternehmen mit ca. 170 Mitarbeitern den Spagat zwischen dem Angebot einer umfassenden Produktpalette, der Realisierung anspruchsvoller Entwicklungen wie z. B. flüssigkeitsgekühlter Antriebe und der Tatsache einer „überschaubaren“ Entwicklungsabteilung?
Sunderdieck: Auch wenn es Sie überrascht, aber ich möchte als einen Erfolgsfaktor die umfassende Schulung unserer Mitarbeiter nennen. Auf Mitarbeiter-Schulung legen wir in unserem Hause einen starken Wert. Ein weiterer Punkt wäre die SSB Gruppenarbeit. Dies ist ja in vielen großen Unternehmen ein heißes Thema. Nicht so bei uns. Wir handeln nach dem Motto: Nicht lange reden, machen. Weiterhin haben wir an verschiedenen Stellen den Prämienlohn eingeführt. Hierdurch wurde beispielsweise erreicht, daß in unserer Wickelabteilung die Produktivität um fast 50 % gesteigert wurde.
KEM: SSB informiert seine Mitarbeiter z.B. ständig über Umsatz und Auftragseingang. Damit leistet SSB gegebenenfalls aber auch der Demotivation Vorschub?!
Sunderdieck: Wir gehen davon aus, daß informierte Mitarbeiter auch bessere Mitarbeiter sind: Das heißt, der Mitarbeiter kann sein Wissen und das Wissen um den kompletten Produkt-ablauf dazu nutzen, um Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten. Warum sollte das demotivieren ? SSB stellt den Mitarbeitern alle relevanten Informationen über das Unternehmen, wie z.B. Umsatz- und Auftragsdaten, Produktivitäts- und Qualitätskennzahlen sowie Termintreue zur Verfügung. Dies geschieht beispielsweise über Informationssäulen, die mit PCs bestückt sind. In Workshops mit den Mitarbeitern, übrigens außerhalb der Arbeitszeit, wurden 1996 insgesamt 360 Verbesserungsvorschläge eingebracht, von denen ca. zwei Drittel umgesetzt werden konnten.
Im Moment denken wir sogar darüber nach, wie wir unsere Mitarbeiter am Unternehmen und am Unternehmensergebnis beteiligen können. Unser Modell sieht folgendermaßen aus: Der Mitarbeiter gibt dem Unternehmen ein Darlehen. Die Verzinsung dieses Darlehens ist abhängig von der Umsatzrendite. Somit können unsere Mitarbeiter bis zu 15 oder gar 20 Prozent Zinsen bekommen. Eine Mindestverzinsung wird dabei garantiert.
KEM: Die Entwicklung flüssigkeitsgekühlter Hochleistungsantriebe ist für SSB ein imageträchtiges Thema. Aber läßt sich damit auch Geld verdienen?
Sunderdieck: Vom Image allein kann ein Unternehmen nicht existieren. Für SSB ist es daher eine Selbstverständlichkeit, vor Marktpräsentation neuer Produkte durch entsprechende Wirtschaftsanalysen die Markterfordernisse zu überprüfen. Dieses selbstverständlich auch im Fall der Flüssigkeitskühlung. Ständige Prozeßverbesserungen in Fertigung, Konstruktion, Abwicklung, Organisation usw. führten letztendlich dazu, daß die flüssigkeitsgekühlten Antriebe dem Anwender preiswert zur Verfügung stehen. Die Betonung liegt hier auf preiswert, denn alles hat letztendlich seinen Preis. Mit den flüssigkeitsgekühlten Antrieben haben wir einen klaren return on investment erreicht. Diese Entwicklungen wurden maßgeblich durch unseren tehnischen Geschäftsführer, Dipl.-Ing. Dieter Rupprich beeinflußt.
KEM: Der SSB Hohlwellen- Servomotor bietet das Prinzip: Spindel steht – Motor läuft. Welcher Abnehmerkreis braucht solche Lösungen?
Sunderdieck: Diese Antriebe werden von allen Anwendern eingesetzt, die eine hochpräzise Rotationsbewegung in eine ebenso hochpräzise Linearbewegung umsetzen müssen, und dabei ein Minimum an flankierender Übertragungsperipherie verwenden wollen oder können. Eingesetzt werden diese Antriebe z. B. als Vorschubantriebe für die Line-arachsen in Zerspanungsmaschinen, in der Handhabungstechnik, der Montagetechnik oder in Fügeautomaten.
KEM: Für Laufruhe und Zuverlässigkeit der Kuglerollspindel ist beim AC-Hohlwellen Servomotor die Spindel-Lagerung entscheidend. Welche Faktoren beeinflussen die Lebensdauer der SSB-Lagerung?
Sunderdieck: Da bei den Hohl-wellen-Servomotoren mit eingesetztem Kugelrollspindel-System im Prinzip eine Vorschubeinheit auf Präzisionsniveau von Werkzeugmaschinen zur Verfügung steht, unterliegen die Lagerungen innerhalb des SSB-Antriebes ebensolchen Präzisionskriterien. Die Einflußgrößen sind selbstverständlich Belastung, Drehzahl, Schmierung etc., wie von jedem Wälzlager bekannt. Abhängig von den Betriebsbedingungen werden die Lagerarten gewählt. Verwendung finden spielfrei eingestellte Rillenkugellager und Schrägkugellager bei normalen Anforderungen. Kegelrollenlager bei großer Axialbelastung sowie Spindellager bei hohen Drehzahlen und höchsten Genauigkeitsforderungen.
KEM: Die Entwicklung flüssigkeitsgekühlter Motoren hat die vom Markt gewünschte Reduzierung des Bauvolumens realisiert. Ist damit das Ende der (Reduzierungs-) Fahnenstange erreicht?
Sunderdieck: Die Flüssigkeitskühlung von Motoren ist nur eine Möglichkeit, das Bauvolumen von Motoren zu reduzieren. Die von SSB praktizierte Oberflächen-Mantelkühlung ist hierbei nur ein erster Schritt. Selbstverständlich gehen für SSB die Entwicklungen auch hier weiter. Es wird über direkte Leiterkühlung, Flüssigkeitskühlung des Rotors, usw. nachgedacht. Auch bietet SSB dem Markt luftgekühlte Maschinen an, die eine noch höher Leistungsdichte als die bisherigen flüssigkeitsgekühlten Motoren aufweisen, jedoch sind die Einsatzfälle bzw. Anwendungen völlig konträr.
Historie
  • 1970 Das Unternehmen wird unter dem Namen SSB – Elektromaschinen GmbH & Co. KG in Salzbergen als Ableger eines Unternehmens für landwirtschaftliche Produkte gegründet
  • 1973 Der Positioniermotor wird entwickelt
  • 1975 SSB bringt schlupfgeregelte Drehstromsysteme auf den Markt
  • 1983 Entwicklung elektronisch kommutierter Servomotoren
  • 1990 Lösungen von Antriebsproblemen durch wassergekühlte Hochleistungs-Drehstrommotoren
  • 1991 Präsentation von Hohlwellen-servomotoren mit eingebautem Kugelrollspindelantrieb
  • 1998 Durch konsequente Weiterentwicklungen bietet SSB komplette Antriebseinheiten von ca. 100 Watt bis hin zu mehreren hundert Kilowatt
Mitarbeiter: 170
Umsatz 1998: ca. 40 Mio.DM
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