Interview mit der KEM

Erhard Tellbüscher, Mitglied der Geschäftsführung Lenze Holding, Hameln Gast der KEM

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Lenze schloß mit einer Umsatzsteigerung von knapp 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr ab. Das Eigenkapital liegt mit knapp 175 Mio. DM bei 51 Prozent der Bilanzsumme. Elektronik, Motoren und Getriebemotoren sowie Service und Automation bilden zusammen das Kerngeschäft. Die Redaktion KEM befragte den bei Lenze für die Produkttechnik zuständigen Dr.-Ing. Erhard Tellbüscher. KEM: Die Lenze-Gruppe kann auf eine über fünfzigjährige Firmengeschichte zurückblicken. War die Herstellung von Getrieben der Grundstein einer erfolgreichen Firmenphilosophie?

Das Interview führte Matthias Boehme, Red. KEM

Tellbüscher: Das Unternehmen wurde 1947 gegründet, und bereits ab 1950 gab es unterschiedliche Produktlinien. Unsere Gründerväter waren angetrieben von dem ständigen Bemühen um die Drehzahlverstellung und setzten dabei zunächst den Schwerpunkt auf Drehzahlvariatoren in Form von Getrieben. Insofern kann ich Ihre Frage mit „Ja“ beantworten. Später dann, Anfang der sechziger Jahre, kam zur mechanischen die elektronische Antriebstechnik durch die elektronische Verstellung zur Steuerung von zunächst Drehstrommotoren. Heute ist dieser Zweig ein wichtiges Standbein in Form unserer Frequenz- und Servo-Umrichter-Baureihen. Damals war der Kauf eines Motoren-Patents mit drehzahlvariablen Spannungsstellern der Einstieg in den Maschinenbau und die Wickeltechnik. So wurde Lenze kompetenter Ansprechpartner für eine Reihe drehzahlverstellbarer Antriebe – sowohl auf elektronischer als auch auf mechanischer Weise. Erst später entschloß man sich, eigene Übersetzungsgetriebe wie Stirnrad- und Schneckengetriebe auch herzustellen. Zusätzliche mechanische Elemente z.B. Kupplungen, Federkraftbremsen und Kupplungs-Brems-Kombinationen wurden in den Sechzigern in das Programm aufgenommen. Einige davon wurden Klassiker, wie z.B. Simplatroll, immer noch ein Begriff für ausgereifte Federkraftbremsen. Sie wird heute von verschiedenen Herstellern nachgebaut.
KEM: Im Laufe der letzten zehn Jahre fand ein großer Innovationsschub in der Antriebstechnik statt. Verbessserungen im Fertigungsprozeß, der Einsatz leistungsfähiger Werkstoffe ermöglicht eine Erhöhung der Leistungsdichte der Motoren und Getriebe. Welche Anstrengungen unternimmt Lenze, um mit der Entwicklung mitzuhalten?
Tellbüscher: Wir sind u.a. über die Forschungsvereinigung Antriebstechnik an Forschungsprojekten dieser Themen zur Leistungsteigerung der Getriebe beteiligt. Wir nehmen teil an der Entwicklung von neuen Berechnungsverfahren und – Kern der letzten Jahre – Berechnungsverfahren für Verzahnungsgeometrien, vor allem der Mikrostruktur und ihrer Umsetzung über die Fertigungstechnik auf die Zahnflanke. Das sind die wesentlichen Schwerpunkte der Forschungsvereinigung Antriebstechnik und verschiedener Hochschulen. Hier steht Lenze in einem ständigen Austausch mit den Instituten.
KEM: Der Kunde möchte in Produkte mit einem moderaten Preis/Leistungsverhältnis investieren. Der Preiskampf unter den mehr als 200 Getriebeanbietern in Deutschland ist groß. Welche Vorteile weisen Produkte aus dem Hause Lenze auf?
Tellbüscher: Unsere Baureihe ist sehr modern. Wir haben sie ausgelegt auf eine geringe Teilevielfalt und können den Kunden eine maximale Bandbreite bieten. So sind wir in der Lage, ein weites Sprektrum an Varianten in sehr kurzen Lieferzeiten präsentieren zu können – ein Vorteil unseres Baukastensystems. Leistungsverdichtung gehört ebenso dazu wie Geräuscharmut. Unsere spielarmen Getriebe sind für Spezialaufgaben der Fördertechnik, Handlingsgeräte etc., als ein Anwendungsschwerpunkt entwickelt worden.
KEM: Lebensdauerkosten auch ein Thema?
Tellbüscher: Über die VDA 9000 ist dies ins Gespräch gekommen. In der Antriebstechnik sind die Lebensdauerkosten von der Mechanik bis hin zur Elektronik ein Thema. Der VDA verlangt ja, daß man seinem Kunden Lebensdauerkosten darlegt. Wir haben heute Anwendungsfälle, wo der Kunde dies in seine Betrachtungen mit einbezieht. An dieser Stellen können wir Pluspunkte verbuchen!
KEM: Energiesparen ist heute überall ein Thema, da dies ein Kostenfaktor in der Betriebsabrechnung ist. Was bietet Lenze?
Tellbüscher: Der Maschinen- und Anlagenbauer schaut heute noch viel zu sehr auf preiswerte Antriebe. Sie bieten aber häufig nicht über die Lebensdauer einen guten Nutzen für den Anwender. Der Maschinenbauer betreibt die Anlage ja nicht selbst. Aber sein Endkunde hat möglicherweise hohe Energiekosten. Wir legen unsere Produkte auf hohe Wirkungsgrade aus. Die von uns entwickelten Motoren und darauf abgestimmten Frequenzumrichter runden das Bild der deutlichen Energieeinsparung ab.
KEM: Lenze bietet neben Getriebemotoren, Getrieben und Motoren auch eigene Leistungs- und Steuerungselektronik an. Haben sich die hohen Investitionen in eine eigene Fertigungslinie zur Herstellung von Servo- und Frequenzumrichtern gelohnt?
Tellbüscher: Wir haben 35 Mio. DM im Jahr 1995, in einer Phase der allgemeinen wirtschaftlichen Rezession, in diese moderne Fabrik mit insgesamt vier Produktionslinien investiert. Das zahlt sich heute aus. So können wir Innovationen mit bestimmten Fertigungstechniken mit völlig neuem Design und Qualität vorantreiben; plus verbesserter Lieferfähigkeit. Gut die Hälfte der Bestellungen von Frequenzumrichtern werden innerhalb einer Woche, bzw. entsprechend den Kundenwünschen abgewickelt.
KEM: Auf der Hannover Messe´98 stellte Lenze den intelligenten Antriebsregler vor. Als Verbindung von Automation und Antriebstechnik präsentierte Lenze auf der letzten SPS/Drives in Nürnberg eine Antriebs-SPS (siehe auch KEM 1/99). Sind diese Technologien nur zwanghaft Zwitter-Geräte, die von jeder Technik etwas beherrschen, oder ist das eine neue vollwertig funktionsfähige Automatisierungs-Steuerung?
Tellbüscher: Es ist eine vollwertige Automatisierungstechnologie. Die SPS-Funktionalität ist im Regler enthalten oder eben als zusätzliche Baugruppe. Dies hat Kostenvorteile für den Anwender und ist ein Thema für die dezentrale Automatisierungstechnik. Die Antriebsregler können über eine bekannte Programmiersprache, die IEC 1131, angesprochen werden. Das spart in vielen Anwendungen eine zentrale SPS. Vorteile: geringer Verdrahtaufwand, einfachere Integration in das Antriebskonzept. Unser Motec (Frequenzumrichter-Motor) ist eine weitere Möglichkeit, dezentrale Antriebskonzepte zu realisieren. So kann der Maschinenbauer je nach seinen Vorstellungen die Leistungsfähigkeit von Anlagen modular aufbauen.
KEM: In welche Richtung wird sich die Antriebs- und Automatisierungtechnik weiterentwickeln? Können Sie uns einen Blick oder eine Vision über die Hannover Messe im April hinaus beschreiben?
Tellbüscher: Ich denke, Dezentralisierung und Flexibilität werden noch weiter gehen durch kleinere, leistungsfähigere Antriebe. Parallel zur Antriebstechnik entwickeln sich insbesondere auch die Sensorik und Mikromotorik sowie die Schnittstellentechnologie in der Software. Das werden weitere Komponenten sein, die die Antriebs- und Steuerungstechnik wesentlich unterstützen und beflügeln.
Ausführliche Informationen
GetriebemotorenKEM 400
FrequenzumrichterKEM 401
„Die SPS-Funktionalität im Regler spart in vielen Anwendungen eine zentrale Steuerung – die IEC 1131 macht es möglich“
„Entwicklungsschwerpunkt: Mikrostruktur und ihre Umsetzung über die Fertigungstechnik auf die Zahnflanke“
Die Lenze-GruppeBranche: Mechanische und elektronische Antriebstechnik; AutomationProdukte: Leistungselektronik mit Motoren in Gleichstromtechnik, Frequenzumrichtertechnik und Servotechnik; Getriebe; Integral- und Getriebmotoren; Kupplungen, Bremsen; Passive Antriebstechnik; Anlagenbau; ServiceGeschäftsführung:Dr. Peter Lohse (Vorsitzender), Heinz-Dietmar KarlDr. Erhard Tellbüscher
Mitarbeiterzahl:
ca. 2 100 weltweit
ca. 1 700 Inland
Auszubildende: 85
Umsatz 1997/98:
ca. 530 Mio.DM
Auslandsgesell-schaften: 9 (Belgien,Dänemark,Frankreich,
Niederlande, Österreich, Polen,
Schweden, Spanien, USA)
alle 100 Prozent
4 Beteiligungen
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