Kfz-Testbericht Opel Signum 3,2 V6: Eigenständiger Außenseiter

Ein bisschen Premium muss sein

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Nach einem bitteren Jahrzehnt schöpft Opel seit Zafira, Meriva & Co. wieder Hoffnung. Derzeitiges Sahnestück der Rüsselsheimer ist der Signum, ein veredelter Vectra mit längerem Radstand und pfiffigem Innenraum.

Der Autor und Testwagenfahrer Dipl.-Ing. Jürgen Goroncy ist freier Mitarbeiter der KEM

Von außen spielt der Signum diese eigenständige Rolle gut, Verwechslungsgefahr mit dem Vectra besteht kaum. Im Gegenteil, der KEM-Redaktion passierte es mehrmals, dass unbedarfte Zeitgenossen den Signum für einen Audi hielten. Seine technisch-kühle Ausstrahlung wird offenbar nicht mit Opel in Verbindung gebracht. Lang gestreckt und doch bullig wirkt der Signum, sein Heck ist ein Zwischending zwischen Kombi und Schrägheck. Wie überhaupt die Opel-Marketingstrategen den Signum nicht eindeutig der Mittel- oder Oberklasse zurechnen, sondern für ihn flugs ein eigenes Segment aus der Taufe gehoben haben, die Signum-Class. Wenn es denn sein muss.
Was ist dann das Besondere dieser Neuschöpfung? Wir stoßen im Fond mit seinen zwei variablen Einzelsitzen darauf. Zwar machen ein Polster und ein schmales Lehnenteil zwischen den äußeren Plätzen sowie der Sicherheitsgurt den Signum nominell zum Fünfsitzer. Aber erstens ist keinem Passagier mit Normalgröße dieser schmale Notsitz zuzumuten. Zweitens bietet Opel anstatt der mittleren Sitzfläche einen „Travel Assistant“ an, eine Box mit Kühlfach, Abfallbehälter, Getränkehalter, 12-Volt-Steckdose und zwei faltbaren Tischen. Bei Bedarf wird sie mit einem Griff entfernt.
Veritabler Kombi
Verwandlungstalent beweist der Signum bei wechselnden Transportbedürfnissen. Soll aus dem Viersitzer ein zweisitziger Kombi werden, klappt man einfach die Fondlehnen um, die Sitzflächen bewegen sich parallel dazu etwas nach unten. Ergebnis ist eine bemerkenswert ebene Ladefläche, die bis zu 1 410 l Gepäck aufnimmt. Sogar die Rückenlehne des Beifahrersitzes klappt um und vergrößert den Stauraum. Wer dann noch mehr Laderaum braucht, dem sei der Vectra Kombi empfohlen.
Variable Fondsitze
Für unterschiedlich große Fondpassagiere lassen sich die Einzelsitze des Signum 130 mm in Längsrichtung verschieben und die Lehnen stufenlos bis zu einem Winkel von 30 ° einstellen. Das gibt Spielraum: Sind die Sitze ganz vorne, wird die Beinfreiheit im Fond etwas knapp, es entsteht aber ein Kofferraum mit Oberklasse-Format und 550 l Fassungsvermögen. Sind die Sitze zurückgeschoben, schrumpft das Fassungsvermögen auf 365 l, dafür offenbaren sich den Fondpassagieren fürstliche Platzverhältnisse. Für die kleinen Dinge des Lebens sind Ablagen in den Türen vorgesehen. Zusätzlich zieht sich im Dachhimmel eine Leiste von vorn nach hinten, die zahlreiche Klappfächer beherbergt. Nette Idee – aber des Guten ein wenig zuviel.
Adieu tristesse
Flexibel sollte der Fahrer auch beim Bedienen der Fahr- und Komfortfunktionen sein. Die Bedienlogik erfordert gründliches Einarbeiten, Gebläse und Radio sind beispielsweise nur kompliziert einzustellen. Hier sollte Opel von der Audi-Bedienphilosophie lernen, außerdem wäre ein etwas größeres Display in die Mittelkonsole von Vorteil. Die Tasten des Tempomats liegen ungünstig auf der Stirnseite des Lenkstockhebels und wurden beim Blinken bisweilen unfreiwillig touchiert und der Tempomat eingeschaltet.
Genug kritisiert, denn die restlichen Bedienelemente und die Materialverarbeitung im Innenraum geben keinen Grund zur Klage.
Man nimmt Opel ab, dass die Qualität des Innenraums im Vergleich zum alten Vectra spürbar gestiegen ist. Trennschärfe und Empfangsqualität des Radios NCDC 2015 von Siemens VDO setzten Maßstäbe. So waren unterschiedliche Programme vom Südwestrundfunk in Stuttgart fast bis zur Stadtgrenze von München zu empfangen.
Angenehm klare Sicht verschafft das zum Aufpreis von 1 300 Euro erhältliche adaptive Lichtsystem von Hella mit schwenkbaren Bixenon-Scheinwerfern. Zum einen hat es ein statisches Abbiegelicht, das bei Geschwindigkeiten bis zu 40 km/h mit Hilfe eines Reflektors den Bereich seitlich des Fahrzeugs großzügig ausleuchtet. Zum anderen schwenkt die Kurvenlicht-Funktion die Scheinwerfer abhängig vom Lenkwinkel und der Fahrtgeschwindigkeit horizontal bis zu 15 ° in beide Richtungen. Kurven werden so deutlich besser ausgeleuchtet.
Imagewandel
Die Wandlung vom biederen Opel-Image zum modernen Mittelklasse-Fahrzeug hat der Signum nirgends so eindeutig vollzogen wie beim Fahrwerk. Er lässt sich trotz des langen Radstands sehr handlich dirigieren, die Lenkung spricht sauber an. Federung und Dämpfung sind jedoch recht straff abgestimmt, was einerseits der Fahrdynamik zu Gute kommt, andererseits erfordern Unebenheiten der Straße auch Nehmerqualitäten der Insassen. Hier sollte Opel entweder eine etwas weichere Abstimmung wählen oder – was wahrscheinlicher ist – in absehbarer Zeit eine variable Dämpferregelung wie im neuen Astra anbieten.
Zur Sicherheit ist ein ESP-Plus-System an Bord. Es greift bei kritischen Fahrzuständen an bis zu drei Rädern in die Bremsen ein und agiert sehr weich und somit fast unauffällig.
Mit der sportlichen Fahrwerksauslegung harmonisiert der V6-Ottomotor mit 3,2 l Hubraum. Seine Höchstleistung von 155 kW erreicht er bei einer Drehzahl von 6 200 min-1. Sein maximales Drehmoment von 300 Nm steht bei 4 000 min-1 an. Ab dieser Marke überschreitet das Motorengeräusch auch die Komfortgrenze, dann zeigt der Tachometer allerdings im fünften Gang auch etwa 200 km/h an.
Verbrauch: bis 13 l
Wird das Potenzial des Motors ausgeschöpft, fordert er an der Tankstelle seinen Tribut. Durchschnittlich 13 l Superbenzin rauschten pro 100 km bei der KEM-Testfahrt durch die Einspritzdüsen. Zur Ehrenrettung muss allerdings gesagt werden, dass der Signum während der 3000 km mit einer außergewöhnlich hohen Durchschnittsgeschwindigkeit von 93 km/h bewegt wurde. Da wäre vielleicht der neue 1,9-l-Diesel mit Common-Rail-Einspritzsystem von Bosch, 110 kW Leistung und Partikelfilter die bessere Wahl.
Weitere Informationen
Signum
KEM 464
Dieseleinspritzung
KEM 465
Scheinwerfer
KEM 466
Radio
KEM 467
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