Kfz- Testbericht BMW 320 d: Schneller Ritt auf harter Piste Dynamik ja – Komfort na ja - KEM

Kfz- Testbericht BMW 320 d: Schneller Ritt auf harter Piste

Dynamik ja – Komfort na ja

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Der BMW 320d Touring ist ein Kombi nach Art des Hauses. Knapp geschnittene Karosserie, mäßiger Nutzwert, agiles Fahrwerk und ein grandioser Motor. Der 320d beweist, dass es nicht unbedingt der zu recht hoch gelobte Reihensechszylinder sein muss. Vier Pötte tun’s auch.

Der Autor und Testwagenfahrer Dipl.-Ing. Jürgen Goroncy ist freier Mitarbeiter der KEM

Bei 5,4 l Diesel pro 100 km bleibt die Verbrauchsanzeige nach dem Test der KEM-Redaktion stehen. Außerordentlich wenig bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von flotten 84 km/h auf dem 2400 km langen Testzyklus. Geradezu sensationell wenig, wenn man die Leichtigkeit erlebt hat, mit der das Vierzylinder-Dieselaggregat den etwa 1600 kg schweren Kombi bewegt.
Ruhiger Dieselmotor
Schon im Stand ist wenig vom gewohnten Nageln zu hören. Einmal in Fahrt, zieht der Motor ohne großes Turboloch sauber hoch und schiebt mit 340 Nm das Fahrzeug kraftvoll nach vorn. Zwischensprints gelingen mit Leichtigkeit, das Aggregat spricht sehr spontan an und erinnert dabei mitnichten an einen ruppigen Diesel. Die Laufkultur ist hervorragend.
Dazu passt auch folgende Episode: Am Rande einer Presseveranstaltung sprach eine Führungskraft eines asiatischen Automobilherstellers über einen neu entwickelten Dieselmotor. Natürlich habe man ihn ausgiebig mit den europäischen Wettbewerbsaggregaten verglichen. Auf die Frage, welches denn der Benchmark gewesen sei, kam wie aus der Pistole geschossen: „Das von BMW“.
Automatikgetriebe passt gut
An der eindrucksvollen Vorstellung des BMW-Vierzylinders gibt es also nichts zu deuteln. Zumal er im 320d-Touring serienmäßig mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe von ZF kombiniert ist, das mit seiner Abstufung und knackigen Gangwechseln den sportlichen Charakter des Antriebs wunderbar unterstützt. Wie bei jedem drehmomentstarken Motor erfordert das Schaltgetriebe allerdings einen sehr feinfühligen Kupplungsfuß. Wer mit der Dosierung der hohen Kupplungskräfte Schwierigkeiten hat, sollte lieber ein Automatikgetriebe – ebenfalls von ZF – bestellen.
Geschlossenes Partikelfiltersystem
Auch beim Thema Abgas lässt BMW nichts anbrennen und setzt auf ein geschlossenes Partikelfiltersystem mit Keramikfilter von NGK. Geschlossen heißt, dass die Filtergänge wie Sackgassen enden und nur die gasförmigen Bestandteile sowie äußerst kleine Partikel durch die mikroskopisch feinen Löcher der Siliziumcarbid-Wände gelangen, die restlichen etwa 97 % Rußmasse bleiben hängen.
Eine katalytische Beschichtung wandelt zusammen mit NO2, das im Oxikat entsteht, in einem kontinuierlichen Regenerationsprozess schon einen kleineren Teil des eingefangenen Rußes um. Da sich aber immer mehr Ruß in den Filtertaschen ansammelt, steigt der Abgasgegendruck an. Dann wird durch etwas zusätzlich eingespritzten Kraftstoff die Abgastemperatur erhöht, der gesamte Ruß zündet und verbrennt fast rückstandsfrei.
Bei offenen Filtersystemen findet lediglich der durch katalytische Beschichtung und NO2 angestoßene kontinuierliche Regenera-tionsprozess statt. Eine Vernetzung des Filters mit der Motorsteuerung und eine Abgas-Temperaturerhöhung ist hier nicht vorhanden, was offene Systeme als kostengünstigere Lösung vor allem für die Nachrüstung prädestiniert. Denn die Metallfolie weist größere „Löcher“ auf, sodass vor allem größere Rußpartikel in die Umwelt entweichen. Die kleineren Teilchen werden im Filtervlies allerdings gefangen und verbrannt, was den Wirkungsgrad auf etwa 40 Prozent beschränkt. Wichtig ist jedoch: Bei Medizinern stehen vor allem die kleinsten Rußteilchen in Verdacht, Krebs zu erzeugen.
Thema: Nachrüst- Partikelfilter
À propos Nachrüst-Partikelfilter: Die jetzt von der Bundesregierung anvisierte finanzielle Förderung führt manche zu einem unzulässigen Trugschluss. Nämlich, dass der Motor durch den Partikelfilter in eine günstigere Schadstoffklasse rutscht, etwa von EU3 auf EU4. Ein zusätzlicher Rußfilter senkt zwar die Partikelemissionen beträchtlich, aber andere relevante Abgaswerte (Kohlenwasserstoffe, Kohlenmonoxid) nur unwesentlich und die Stickoxide gar nicht.
Der Weg ist das Ziel
Auch beim Fahrwerk geht BMW keine Kompromisse ein. Es ist konsequent auf Fahrdynamik ausgelegt: neutrales Kurvenverhalten, wenig Seitenneigung, eine präzise Lenkung, kräftige Bremsen. Wenn der Fahrer über genügend Erfahrung verfügt, kann er sogar per Knopfdruck die Regeleingriffe des ESP von Continental weiter nach hinten schieben. Dann lassen sich die physikalischen Grenzbereiche intensiver ausloten, bevor das ESP eingreift. Nur für Könner am Lenkrad ist die Option, das ESP komplett zu deaktivieren.
Zusammen mit dem agilen Antrieb löst das Fahrwerk des 320d Touring das Versprechen der „Freude am Fahren“ überzeugend ein, aber nur bei guten Straßen. Unebenheiten gibt er fast ungefiltert an den Fahrer weiter. Einem Sportfahrwerk stünde diese Abstimmung gut zu Gesicht, aber bei einem Serienkombi? Nein danke!
Maße in Maßen
Im Innenraum dominieren wie üblich erstklassig und routiniert verarbeitete und hochwertige Materialien. An das I-Drive-Bedienkonzept hat man sich inzwischen gewöhnt. Da es eine Sonderausstattung ist, kann der Fan klassischer Bedienkonzepte leichten Herzens darauf verzichten, muss dann aber auch das Fehlen des Navigationsgeräts mit in Kauf nehmen. Trösten kann er sich mit den logischen und gut zur Hand liegenden Bedienelementen und einer sehr gut klingenden Soundanlage von Harman Kardon.
Auch die Sitzposition passt, obwohl die Sitze für massigere Staturen oder mit dicken Winterjacken schon ziemlich schmal geschnitten sind. Dieses enge Raumgefühl wird durch die breite Mittelkonsole von Dräxlmaier noch verstärkt. Da die Fond-Sitzpolster nicht beweglich sind, entsteht bei umgeklappten Rückenlehnen auch keine ebene Ladefläche. Wenigstens kann man durch das separat zu öffnende Heckfenster, diverse Halterungen, Netze, Haken, Fächer und eine wasserdichte Klappbox die geringe Zuladung und das mäßige Stauvolumen gut nutzen.
Eines ist klar: Wer einen Kombi als Lademeister sucht, soll sich zum Beispiel den VW Passat kaufen. Der ist geräumiger, fährt fast genauso gut und ist billiger. Wer die mindestens 33 000 € €– der Testwagen kostete 47 540 € €– für den BMW 320d-Touring locker macht, der ist definitiv ein Fan des „bavarian way of drive“.
BMW 320 d KEM 441
Partikelfilter HJS KEM 442
Partikelfilter Twin Tec KEM 443
Automatikgetriebe ZF KEM 444
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