Geschäftsführer Römheld GmbH Dr. Winfried Ehrhardt - KEM

Geschäftsführer Römheld GmbH

Dr. Winfried Ehrhardt

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Die mittelständische und traditionsreiche Römheld-Gruppe ist eine Holding, die sich aus sechs Firmen zusammensetzt. Die Tätigkeit des Familienunternehmens konzentriert sich auf die Entwicklung, Produktion und den internationalen Vertrieb von Hydraulikelementen für die Fertigungsindustrie. Dr. Winfried Ehrhardt ist Gesellschafter und einer von vier Geschäftsführern. Neben seinen Führungsaufgaben im Bereich Entwicklung ist er stets auch vor Ort an der Basis auf der Suche nach neuen Produkten und innovativen Ideen.

Das Interview führte KEM-Redakteurin Angela Scheufler

KEM: In ein paar Jahren feiert Römheld 135- jähriges Jubiläum. Wie wurde aus der ursprünglichen Gießerei ein Spezialist der Spanntechnik?
Ehrhardt: Nach dem Krieg hat mein Vater zusammen mit meinem Großvater den Betrieb neu aufgebaut. Sie haben die ursprüngliche Gießerei wieder instandgesetzt und eine Maschinenfabrik gegründet. Der Durchbruch zum neuen Erfolg kam mit einem Auftrag für Pumpen, die in Friseurstühle eingebaut wurden. Ein paar Jahre später kam eine hydraulische Steuerung für Schuhmaschinen hinzu. Um nicht von zwei Kunden abhängig zu sein, entschied man schließlich, sich auf die hydraulische Spanntechnik zu spezialisieren. Fortan entwickelte und baute der Betrieb Spannmittel für eine rationelle, qualitativ wiederholbar gute und hochproduktive Fertigung und Montage.
KEM: Woher kommt der Name Römheld und auf welche Höhepunkte der Unternehmensgeschichte blicken Sie zurück?
Ehrhardt: Meine Mutter ist eine geborene Römheld.
Es ist uns gelungen, ein kompetenter Partner im Bereich der Spanntechnik zu sein, der eine gute und verlässliche Arbeit leistet. Wir haben die vergangenen und gegenwärtigen Krisen im Maschinenbau immer meistern können, indem wir uns darauf konzentriert haben, unsere Fähigkeiten ständig zu verbessern. Dabei gibt es viele kleine Höhepunkte, die natürlich auch von Tiefschlägen unterbrochen wurden. Wenn wir diesbezüglich Veränderungen vornehmen, um beispielsweise Kosten zu sparen oder moderner zu werden, leiden manchmal unsere Grundwerte „Respekt und solide Arbeit“ darunter. Gelingt es uns schließlich, diese Grundwerte wieder in das richtige Verhältnis zu rücken, ist das ein Höhepunkt. Oder wenn wir trotz schwierigster Bedingungen mit Überstunden und Wochenendarbeit, sprich mit sehr viel Einsatz der Mitarbeiter ein Projekt im grünen Bereich ausliefern, ist das ein Höhepunkt.
KEM: Wie sind die einzelnen Mitglieder der Römheld Gruppe miteinander „verstrickt“?
Ehrhardt: Wir sind eine Holding, zusammengesetzt aus Firmen, die sich sehr stark auf Marktnischen spezialisiert haben. Die Gießerei Friedrichshütte produziert Grauguss und Kugelgraphitguss meist für komplexe kernintensive Teile mit einem hohen Anspruch an Präzision. Hilma macht Spanntechnik für spanende und spanlose Bearbeitung. In der Fertigungstechnik Weißenfels werden Rundtische hergestellt. Stark Spannsysteme beschäftigt sich mit einer Technik, die spannt und positioniert. Röhmheld baut Hydraulikelemente und -systeme für die Fertigungstechnik. E.P.P. Europress macht Werkzeughydraulik für hohen Hydraulikdruck. Die einzelnen Unternehmen arbeiten vor allem im Vertrieb eng zusammen. Dies stellt eine anspruchsvolle Aufgabe an unsere Mitarbeiter. Im Bereich der Standardvorrichtungen hat man überwiegend fertigungsbezogene Vertriebswege, hingegen erfordern Sonderelemente eine auf den Anwendungsfall abgestimmte Beratung.
KEM: Haben Sie weitere Firmen bzw. Produktspektren im Focus?
Ehrhardt: Nein. Das Bearbeitungs- und Teilespektrum wird immer komplizierter und wir haben hier Aufgaben genug. Darauf möchten wir uns konzentrieren. Wenn wir diese Komplexität vereinfacht bekommen und die vor uns lliegenden Aufgaben gelöst haben, können wir vielleicht mal wieder an eine Erweiterung denken.
KEM: Sie bezeichnen sich als weltweiter Marktführer in der hydraulischen Spanntechnik. Welche Zahlen und Fakten begründen diesen Anspruch?
Ehrhardt: Wir haben allein für Römheld einen Umsatz von über 40 Mio. Euro, von denen über 30 Mio. in die Spanntechnik fließen. In Europa sind wir führend. In Amerika und Asien gelten wir als die qualitativ besten mit dem besten Spektrum aber nicht als die umsatzstärksten. Unser Gesamt-Marktanteil liegt deutlich über 30 Prozent. Das beflügelt mich, das Wort Marktführer zu benutzen. Aber es ist nicht mein primäres Ziel. Ich strebe danach, qualitativ am besten zu sein. Schlüsselt man das Beste auf in Qualität, Lieferzuverlässigkeit, Preis-/Leistungsverhältnis und Produktspektrum, führen wir nicht in allen Punkten. In der Summe dürften wir es am weitesten geschafft haben. Aber wir haben viele Punkte, wo wir besser werden können. Das ist das schöne daran. Dadurch haben wir Möglichkeiten für mehr Zugewinn.
KEM: Welche Highlights ragen aus Ihrer Produktpalette heraus?
Ehrhardt: Wir haben einen hohen Anteil neuer Produkte. Eine zunehmende Bedeutung im Spannprogramm bekommen die Produkte, die Zusatzbewegungen wie „schwenken“ oder „eingreifen“ ausführen können oder über Stützfunktionen verfügen. Unser neuester Bereich sind funktionsflexible Produkte. Diese Elemente müssen wie die Hände nicht nur Teile anfassen, sondern auch halten können. Sie werden vor allem von der Automobilbranche für empfindliche Teile gefordert.
KEM: Wohin geht der Trend in der hydraulischen Spanntechnik?
Ehrhardt: Die Elemente werden mehr Funktionen haben, sie werden robuster und kompakter. Diese gegensätzlichen Forderungen erfordern neue Überlegungen. Hier müssen andere Werkstoffe, Berechnungsprogramme, Fertigungsmethoden und Leichtbau eingesetzt werden. Die Elemente müssen immer sorgfältiger konstruiert und erprobt werden. Allerdings verringern sich tendenziell die aktuellen Kräfte auf die Elemente. Das kommt uns entgegen. Zudem bauen wir immer mehr Systeme, das heißt Spannzeuge, die mit Verrohrungen, Pumpen, Steuerungen oder integrierten Funktionen wie Messmittel ausgestattet sind.
KEM: Wie schätzen Sie das gegenwärtige „Gürtel-enger-schnallen“-Zeitalter ein?
Ehrhardt: Es gehört uns nicht anders. Schlechte Zeiten sind dazu da, dass man aus dem Speck herauskriecht und sich Gedanken macht. Mit dem Umfeld, wie wir es uns gewählt haben, sind die nächsten Jahre besorgniserregend. Mit einer konsequenten Fortsetzung dieser Politik ist die Substanz in 10 bis 15 Jahren aufgebraucht und wir haben keinen Mittelstand mehr. Ich sehe das ausgesprochen kritisch. In Osteuropa arbeiten hingegen hochmotivierte Leute für 15 Prozent des Stundenlohns ihrer deutschen Kollegen und viel weniger sozialen Rechten. Wir müssen Wege finden, um zum einen unsere Position hier behalten zu können, zum andern um uns an den neuen Märkten zu etablieren.
KEM: Wie sind die wirtschaftlichen Aussichten Ihres Unternehmens?
Ehrhardt: Wir haben dieses Jahr das gleiche Ergebnis erzielt wie im letzten Jahr. Das wird auch 2003 unser Ziel sein. Das heißt für uns Erweiterung der Märkte weltweit und die Entwicklung neuer Produkte. Wir leisten uns dafür eine relativ große Betreuungsmannschaft im Vertrieb.
Ausführliche Informationen
Gießerei Friedrichshütte
Hilma
Fertigungstechnik Weißenfels
Stark Spannsysteme
Römheld
E.P.P. Europress
„Unsere Grundwerte sind Respekt und solide Arbeit“
Firmensteckbrief
– Produktportfolio: Hydraulische und pneumatische Spannzeuge für Werkstücke
– Anzahl Standardprodukte: 5 000
– Umsatz in 2001: 41 Mio E
– Mitarbeiter Römheld GmbH: 250
– Mitarbeiter Gruppe: 500
– Vertretungen weltweit: 30
– Exportanteil: 43 Prozent
Quergefragt:
Die Verschiebung der Steuerreform aufgrund der Flutkatastrophe…
…ist eine Entschuldigung für die nicht erreichten Stabilitätskriterien und hat mit der Flut nichts zu tun.
Die geplante EU-Erweiterung…
…halte ich für eine große Chance. Ich hoffe, dass wir alle lernen, so miteinander umzugehen, dass wir uns gemeinsam weiterentwickeln können.
Die Pisastudie…
…ist ein Offenbarungseid. Meine beiden Töchter haben ihren Schulabschluss in Amerika gemacht, weil sie in unserer Schule nicht genügend gefördert wurden.
Frauen und Technik…
…passen gut zusammen. Doch in unserer Gesellschaft wird ein drittklassiger Mann einer erstklassigen Frau immer noch vorgezogen.
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