Vorstand Neue Technologien der Harting-Gruppe, Espelkamp „Der Erfolg der Harting-Technologiegruppe beruht auf den Säulen Kundenzugang, Kompetenz und Produktportfolio”

Dr. rer. nat. Joachim Belz

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Nicht erst seit den dramatischen Einbrüchen im Komponentenmarkt verfolgt die familiengeführte Technologiegruppe Harting konsequent die Strategie der Technologieorientierung des Unternehmens. Diese zielgerichtete und konsequente Gestaltung der langfristigen Geschäftsentwicklung wird insbesonders mitgestaltet von dem am 1.10.2003 zum Leiter des Vorstandsressorts Neue Technologien der Harting-Gruppe berufenen Dr. rer. nat. Joachim Belz.

Das Interview führte KEM-Redakteur Horst Böhland

KEM: Herr Dr. Belz, erfahren in Mikro- und Automatisierungstechnik, in Marketing und Vertrieb, seit dem 1.Mai 1997 bei Harting, überführten Sie den Steckverbindervertrieb Deutschland in die Harting Deutschland GmbH & Co. KG. Was bedeutete das für die Harting-Gruppe?
Belz: Das bedeutete die Gleichstellung aller Vertriebsgesellschaften weltweit.
Es bedeutete das Erreichen der „Volljährigkeit” für die Tochtergesellschaft in Minden und damit die volle Verantwortung für das Handeln oder auch das Nicht-Handeln. Letztlich hieß es auch die konsequente Hinwendung zum Markt, zum Kunden, zur Applikation und damit zur Verbesserung und Beschleunigung aller kundeninitiierten Prozesse.
KEM: Sprang dieser Funke neuen Denkens und Handelns auch auf die Entwicklung und das Marketing über?
Belz: Die Mitarbeiter in Minden haben nach der Verselbstständigung ihre neuen Spielräume genutzt, ihre neue Verantwortung angenommen und gesagt, wir können und wir machen. Sie haben begonnen, für ihre Kunden zu kämpfen, für ihre Interessen, das heißt für die Interessen der Kunden, zu brennen. Und nichts ist für einen Kollegen, einen Mitarbeiter oder auch einen Vorgesetzten motivierender als ein Mitarbeiter, der für seine Sache brennt und aus Überzeugung kämpft. Wenn sich dann der Erfolg einstellt, haben sie gewonnen.
KEM: Ihr Know-how und ihre Erfolge führten auf den Weg vom Steckverbinderhersteller zum technischen Kompetenz-Partner für Lösungen der Verbindungstechnik. Welche Meilensteine setzte dafür das Familienunternehmen Harting?
Belz: Es beginnt mit der Qualifikation der Mitarbeiter. Nur qualifizierte Ansprechpartner werden vom Kunden akzeptiert. Als nächstes gilt es, ein umfassendes kunden- oder marktspezifisches Applikationswissen zu erwerben. Dazu ist es wichtig zu lernen, vom Kunden zu lernen. Wer kennt die Applikation besser als der Kunde selbst. Wenn die Kompetenz stimmt und sie vom Kunden als Partner akzeptiert sind, können sie gemeinsam über eine Neugestaltung der Wertschöpfungsketten beim Kunden nachdenken. Wenn sie schließlich zu den zur Realisierung einer technischen Lösung notwendigen Technologien oder Techniken Zugang haben, das heißt zu einem Technologie-Pool, beginnen sie sich zu differenzieren. Das ist eigentlich alles, also nichts spektakuläres.
KEM: Auf der vergangenen Hannover-Messe präsentierte Harting seine künftige Automatisierungspyramide der horizontalen und vertikalen Produktintegration. Wie sieht das Bruchband für diesen Kraftakt aus?
Belz: Das Bruchband heißt „Fokus”. Fokus bedeutet die Konzentration auf die eigenen Kernkompetenzen und auf die Märkte mit vorhandenem Kundenzugang. Diese Konzentration muss einhergehen mit einer zunehmenden Geschwindigkeit, die sie erreichen durch eine Kombination von beschleunigter Evolution, das heißt. Aufsetzen auf Bewährtem, und gewollter Revolution, das heißt, der Bruch mit Vertrautem. In diesem Spannungsfeld bewegen wir uns und Bewegung tut der Geschäftsentwicklung gut.
KEM: Das sich step by step bildende Produktportfolio nennen Sie „best costumer solutions”. Ist das mehr als ein Marketinggag?
Belz: Best costumer solutions ist kein Gag. Sie sind die exakte Antwort auf die Aufgabenstellung, die uns der Kunde stellt. Dies erfordert zweifelsfrei ein Umdenken in der Entwicklung, im Marketing und vor allem im Vertrieb. Der Vertriebsingenieur geht nicht mehr mit einem Produktkatalog zum Kunden, um hier den Bedarf in Form von Stückzahl, Lieferwunschtermin und Preis zu ermitteln. Er ersetzt vielmehr den Produktkatalog durch sein Applikationswissen und durch das Wissen um den verfügbaren Technologie-Pool der Harting-Gruppe. Der Vertriebsingenieur spiegelt die Kundenapplikation, die Aufgabenstellung an den Fähigkeiten und Möglichkeiten des Unternehmens und kommt so zu einer „best customer solution”, die sehr wohl auch in einem Katalogprodukt bestehen kann, aber eben nicht muss.
KEM: Konstrukteure gehen aber funktionell und zeitlich ein hohes Risiko ein, wenn sie statt Standardprodukten applikationsspezifische, kaum bewährte Komponenten einsetzen.
Belz: Es ist unsere Aufgabe und auch unsere Verantwortung, dieses Risiko für den Kunden zu minimieren. Und genau das tun wir im Rahmen unserer Kompetenzpartnerschaften. Alle applikationsspezifischen Produkte durchlaufen dieselben Qualitätsprüfungen und Freigaberoutinen wie es Katalogprodukte tun. Das beginnt mit der Festlegung des Pflichtenheftes und endet mit der Prüfung und Bestätigung der vereinbarten Spezifikationen. Wir sollten aber gleichzeitig die riesigen Chancen nicht übersehen, die unsere Kunden dadurch bekommen, dass die „best customer solution” exakt auf ihre Applika-tion zugeschnitten ist und häufig die Möglichkeit eröffnet, sich gegenüber den Wettbewerbern zu differenzieren. Keine Innova-tion wird als Standard geboren, aber viele Standards sind aus Innovationen entstanden.
KEM: Als Leiter des neuen Vorstandsressorts „Neue Technologien“ tragen Sie auch die Verantwortung für die Gesellschaften Harting Applied Technologies, Automotive, Electro-Optics und Vending. Was soll Ihre Ingenieurkunst hier künftig richten?
Belz: Es ist nicht die Ingenieurkunst, die hier etwas richten soll. Es ist mehr der gesunde Menschenverstand gefragt. Die Herausforderung liegt in dem Zusammenspiel der sich abzeichnenden Trends in den nationalen und globalen Märkten, der Verfügbarkeit von etablierten und sich neu abzeichnenden Technologien und den Veränderungen der Wertschöpfungsketten. In diesem Dreieck ergeben sich hervorragende Chancen für mittelständische Unternehmen, die schnell, flexibel und „eng am Kunden” operieren. Das wird am Beispiel des Innovationstreibers Automobiltechnik sehr deutlich. Auch in diesem Marktsegment wird sich Harting zukünftig mit innovativen Produkten positionieren.
KEM: Welche Erfolge erwarten Sie für die Technologiegruppe und für die Kunden in den avisierten Harting-Kernmärkten?
Belz: Durch die von uns gewählten Ansätze werden wir uns im globalen Wettbewerbsumfeld neu positionieren, horizontal und vertikal. Wir werden uns neuen Applika- tionsfeldern widmen und Innovation in wirtschaftlichen Erfolg umsetzen. Die konsequente Umsetzung unserer Strategie wird dazu führen, dass wir zunehmend resistent gegenüber Konjunkturschwankungen im In- und Ausland werden. Das ist eine solide Basis für die weiterhin positive Entwicklung der familiengeführten Unternehmensgruppe. Unsere Kunden werden von unserer Technologieorientierung profitieren, insbesondere weil wir ihnen die notwendige Investitionssicherheit bieten können. Unsere innovativen Produkte orientieren sich an heutigen und zukünftigen Herausforderungen. Dies haben wir bisher unter anderem. erfolgreich in den Kernmärkten Bahntechnik, Maschinenbau, Energietechnik oder Automation gezeigt. In dem von mir beschriebenen Dreieck von Markt, Technologie und Wertschöpfung zeichnen sich aber auch weitere Applikationsfelder ab, die den Bogen von MEMS bis zur Vernetzung elektronischer Shop- & Service-Systems spannen. Die Kunst wird darin bestehen, diese Dinge sinnvoll mit einander zu verbinden. Die Verbindungstechnik ist ja unsere Kernkompetenz.
Halle 11, Stand C14
Quergefragt
Mit kleinem Budget in den Bereich Mikrotechnologien einzusteigen heisst…
…in Netzwerken zu denken und so einen breiten Zugang zu neuen Technologien zu gewinnen.
Als Technologie getriebener Physiker kann man sich in in einem familiengeführten Unternehmen…
…auf allen Unternehmensebenen einbringen und fühlt sich dabei einfach wohl.
Die Bauernweisheit: Auch Kleinvieh macht Mist…
…stimmt, wenn Mist für Mikro System Technik steht.
Die Philosophien von Aristoteles und Kant…
…beinhalten für mich Grundaussagen zu einer Ethik, die ich in unserer Gesellschaft zunehmend vermisse.
Firmenprofil
  • Produkte/Lösungen: Steckverbinder und Systemkomponenten, Automotive Solutions, Werkzeug- und Sondermaschinenbau, Mikrotechnologie, Shopsysteme
  • 34 Tochtergesellschaften in 22 Ländern
  • Umsatz 2003: 261 Mio. E
  • Umsatzsteigerung 2003: 7 %
  • Ausgaben FuE 2003: 6 %
  • Mitarbeiter weltweit: 2049 (-7,3 %)
Weitere Informationen
Harting Ethernet-Katalog
KEM 410
Harting Progerammübersicht
KEM 411
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