Herbert Hänchen GmbH & Co. KG, Ostfildern Der Stabwechsel steht an - KEM

Herbert Hänchen GmbH & Co. KG, Ostfildern

Der Stabwechsel steht an

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Das Lebenswerk zu sichern und an einen Nachfolger zu übergeben, ist für Unternehmer in der Regel nicht leicht. Doch da hat Hartmut Hänchen, Geschäftsführer des Hydraulikspezialisten Herbert Hänchen GmbH & Co. KG in Ostfildern-Ruit, keine Sorgen: Die dritte Generation des Familienunternehmens steht gut gerüstet in den Startlöchern.

Das Interview führte Dr.-Ing. Ralf Beck, Redakteur der KEM

KEM:· Herr Hänchen, Sie haben vor kurzem Ihren 70. Geburtstag gefeiert; wie viele Lebensjahre haben Sie sich im Unternehmen Hänchen engagiert?
Hänchen: Ich bin sozusagen schon als kleiner Junge im Unternehmen aufgewachsen. 1971 bin ich dann endgültig in die Firma eingetreten, das sind jetzt 42 Jahre. Ich hatte dort als Lehrling begonnen, danach meinen Techniker gemacht und später Betriebswirtschaft studiert. Denn mein Vater wünschte, dass einer von uns vier Geschwistern den kaufmännischen Part übernehmen konnte. Ich habe alle Abteilungen durchlaufen und viele Funktionen ausgefüllt. Geschäftsführer bin ich seit 2003.
KEM:· Was ist das Typische an einem Familienunternehmen?
Hänchen: Bei uns waren Vater und Mutter und alle Geschwister im Unternehmen tätig. Beim Aufbau eines Familienunternehmens wird nicht gefragt ‚wer macht was‘ – da packt jeder mit an und das ist auch heute, in der dritten Generation, noch so. Ein Großkonzern ist vom DAX, wir sind von der Familie geprägt. Das ist nachhaltiger – wir können viel langfristiger planen – und es besteht ein persönlicheres Verhältnis zu den Mitarbeitern. Ich gehe, wenn ich es einrichten kann, noch jeden Tag durch die Fertigung und spreche mit den Mitarbeitern – es ist ganz wichtig, dass man den Kontakt zu ihnen nicht verliert.
KEM:· Was sind für Sie wichtige Tugenden im Berufsleben?
Hänchen: Ein Unternehmer muss nach vorne schauen, die Ziele im Auge haben. Ganz wichtig ist der Optimismus, den muss er haben und den darf er auch nicht verlieren, sonst kann er die Mitarbeiter nicht motivieren. Von Seiten der Mitarbeiter spielen Zuverlässigkeit und Ordnung eine große Rolle, sonst leidet die Qualität.
KEM:· Das Unternehmen gibt es jetzt seit 88 Jahren, wie hat es sich in dieser Zeit entwickelt?
Hänchen: 1925 gründete mein Vater Herbert Hänchen in Penzig/Schlesien bei Görlitz einen Betrieb für Motoreninstandsetzung. Schon damals gab es das Honen, die Feinstbearbeitung der Zylinder. Nach einer fünfjährigen Zwischenstation in Naumburg/Saale wurden wir 1950 in Ostfildern-Ruit ansässig, wo wir 1954 einen Neubau errichteten. Dort haben wir mit Lohn-Honarbeiten angefangen und uns dann auf Hydraulikzylinder spezialisiert. Als nächstes kam die Prüftechnik. Beispielsweise wird der Airbus A380 mit unseren Testzylindern geprüft. Heute gehen wir in Systeme hinein, wir liefern komplette Lösungen nach Anwenderwünschen, zum Beispiel mit unserem Antriebssystem Ratio-Drive. Die Zeichnungserstellung erfolgt seit langem im CAD in 3D, produziert wird mit programmgesteuerten Maschinen, die eine hohe Stetigkeit in der Qualität ermöglichen und immer leistungsfähiger werden.
KEM:· Welche Innovationen sind besonders bedeutend?
Hänchen: Herausheben möchte ich an dieser Stelle unsere Testzylinder Ratio-Test sowie unsere Sonderlösungen. Test- und Prüfeinrichtungen gehören inzwischen zum festen Bestandteil der industriellen Fertigung. Neben dem schon erwähnten Einsatz unserer Testzylinder in der Luft- und Raumfahrt sind beispielsweise die Fahrsicherheit von Fahrzeugen, die Betriebssicherheit von Maschinen, die Funktionssicherheit einzelner Produkte oder die Prüfung von Abgasanlagen typische Anwendungen. Eine weitere Stärke von Hänchen sind die Sonderlösungen, die unsere Konstrukteure auf Anwenderwunsch entwickeln.
KEM:· Wofür steht der Name Hänchen heute?
Hänchen: Für Qualitätsprodukte, eine sehr hohe Fertigungstiefe von achtzig Prozent, ein Familienunternehmen mit hohem Stellenwert der Mitarbeiter – mehr als die Hälfte sind länger als zehn Jahre im Unternehmen –, ein starkes Engagement in der Aus- – acht bis zehn Prozent der Belegschaft sind Auszubildende – und Weiterbildung, eine hohe Flexibilität infolge eines großen Konstruktionsbüros, Kleinserienfertigung und starke Standardisierungen nach dem Baukastenprinzip durch den elektronischen Katalog, damit nicht für jede neue Anwendung ein Sonderzylinder entwickelt werden muss.
KEM:· Wie engagiert sich Ihr Unternehmen in der Branche?
Hänchen: Wir sind Mitglied im VDMA, dort sind wir auch sehr stark im Normenausschuss tätig. Ich selbst engagiere mich im Vorstand des VDMA-Fachverbands Fluidtechnik. Und wir arbeiten im IHK-Steuerausschuss mit.
KEM:· In der Unternehmensführung steht ein Wechsel zur dritten Generation an. Wer tritt in Ihre Fußstapfen?
Hänchen: Ich werde Ende des Jahres aus der Geschäftsleitung ausscheiden und in einen Beirat, den wir neu installieren, eintreten. Außer mir sollen dort noch zwei externe Geschäftsführer vertreten sein, die eine erweiterte Sicht von Außen einbringen. Ich habe mir vorgenommen, noch fünf Jahre im Beirat aktiv zu sein. Bei der Besetzung der Unternehmensführung haben wir den Vorteil, dass es Familienangehörige gibt, die Interesse und die benötigten Qualifikationen und Fähigkeiten haben. Meine Nachfolger als Geschäftsführer werden meine Tochter Tanja für die Bereiche Verwaltung, Marketing, Rechnungswesen, Personal, mein Neffe Matthias für Konstruktion und Fertigung sowie mein Neffe Stefan für den Verkauf sein.
KEM:· Welche Produkte stellt Hänchen her und wo werden sie eingesetzt?
Hänchen: Unsere Kernkompetenz sind Hydraulikzylinder höherer Qualität und Test- bzw. Prüfzylinder. Sie sind in nahezu allen Branchen im Einsatz, beispielsweise im Maschinenbau, in Kunststoff- und Werkzeugmaschinen, in der Medizintechnik, im Stahlbau oder in Testeinrichtungen – gerade in diesem Bereich sind die Ansprüche der Anwender sehr hoch.
KEM:· Was zeichnet Spitzenhydraulik aus?
Hänchen: Natürlich an erster Stelle, dass sie bei geringer Reibung dicht ist. Dies erreichen wir durch die Feinstbearbeitung: Wir honen unsere Rohre und unsere Kolbenstangen, die extra starke Chromschichten haben. Ein wichtiger Faktor ist, dass damit die Reibung sehr gering wird und die Dichtungen lange halten. Auch Langlebigkeit hat einen besonderen Stellenwert, gerade im Testbereich – da kommen einige Hübe zusammen. Oder in Stahlwerken, wo raue Bedingungen herrschen wie große Hitze und Schmutz. Da muss alles störungsfrei laufen, denn Stillstandszeiten kosten viel Geld, da sind schnell einmal Hunderttausend Euro in einer Stunde weg. Und Energieeffizienz ist heutzutage ganz wichtig. Außerdem kann man bei uns auch noch nach dreißig Jahren Ersatzteile für unsere Produkte bekommen, das ist auch nicht üblich.
KEM:· Können Sie langlebig quantifizieren?
Hänchen: Langlebigkeit hat je nach Einsatzfall eine unterschiedliche Bedeutung: Im Testbereich heißt das, dass Sie in ein bis fünf Jahren viele Millionen Zyklen fahren. Wenn Sie eine Baumaschine anschauen, die macht vielleicht nur wenige Hübe am Tag und wird dann vielleicht ein paar Wochen nicht mehr eingesetzt. Das ist der Unterschied, langlebig ist immer auf den Zyklus, auf die Bewegung im Zylinder bezogen. In den Stahlwerken will man am liebsten ein über fünf Jahre wartungsfreies Produkt haben. In den Prüfeinrichtungen will man die Tests nicht unterbrechen und Fehler durch zu starke Reibung oder durch zu viel Lecköl vermeiden. Das ist ganz wichtig, weil im Testzylinderbereich Zylinder eingesetzt werden, die schwimmend gelagert sind, um die Reibung zu minimieren. Bei den Testzylindern sind Lastwechsel in der Größenordnung von dreistelligen Millionenzahlen kein Problem – und das bei einer Masse von über 40 Tonnen.
KEM:· Wo sind Ihre Märkte?
Hänchen: Vierzig Prozent unserer Produkte gehen im direkten Export in Märkte in der ganzen Welt. Zuletzt haben wir am ersten September ein Büro in Shanghai eröffnet, um in China näher am Anwender zu sein. Außerdem werden unsere Produkte hier in Maschinen eingebaut, die dann wieder in die ganze Welt exportiert werden. Wir sind in nahezu allen Branchen vertreten.
KEM:· Wie heben Sie sich aus dem Feld Ihrer Wettbewerber hervor?
Hänchen: Wir fertigen die Zylinder von Grund auf und verfügen über einen leistungsfähigen Maschinenpark. Aufgrund unserer Fertigungstiefe von achtzig Prozent sind wir ausgesprochen flexibel und haben eine effektive Prozesskette von der Entwicklung und Konstruktion über die Fertigung bis in die Prüfung hinein. Wir sind anpassungsfähig mit unseren Produkten und bieten nach dem Verkauf einen intensiven Service. Wir hören nicht bei den Komponenten auf. Mit Ratio-Drive beispielsweise liefern wir komplette Systemlösungen. Und dann bieten wir natürlich die Integration von Hydraulikzylinder und Elektronik, wie etwa Wegmesssysteme oder Kraftmessdosen, die an die Hydraulikzylinder angebaut werden. I
Hartmut Hänchen, Tel.: 0711 44139-117, gl@haenchen.de

Quergefragt
Im (Un)Ruhestand werde ich als erstes …
… in den Unternehmensbeirat gehen, das ist in den nächsten fünf Jahren meine Hauptaufgabe, mir aber auch mehr Zeit für Privates, wie Reisen oder meine Leidenschaft fürs Fotografieren, nehmen.
Mit dem renommierten Dirigenten Hartmut Haenchen verbindet mich …
… neben unserer Namensgleichheit seine Musik, er ist auch im selben Jahr wie ich geboren und ich habe ihn schon in der Liederhalle in Stuttgart nach einem Konzert getroffen und persönlich gesprochen.
Nach Ostfildern kommen sollte man …
… zum dreitägigen internationalen Feuerwerksfestival Flammende Sterne, immer am dritten August-Wochenende eines Jahres – das sollte man sich anschauen.
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