Bodo Hermann, Mitglied der Geschäftsleitung B&R Industrie-Elektronik, Bad Homburg

Alles aus einer Hand

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Der Pioniergeist der Unternehmensgründer Erwin Bernecker und Josef Rainer prägt auch heute noch die Leitlinien von B&R: Nicht nur unternehmerischer Mut, auch eine gehörige Portion Spürsinn hat das Unternehmen in knapp dreißig Jahren zum internatio- nalen Konzern aufblühen lassen.

Herr Hermann, B&R steht für komplette Automatisierung aus einer Hand. Was wird konkret angeboten?

Hermann: Wir bieten Steuerungen, Bediengeräte, IPC, CNC-Systeme, Robotik- und Safety-Komponenten, mechatronische Einheiten und Antriebe sowie Software und Prozessleittechnik an.
B&R entwickelt alles selbst. Ausnahme ist der antriebstechnische Bereich, wo wir Entwicklungsarbeiten auch vergeben. Produziert wird ebenfalls mit Ausnahme von Motoren alles bei uns im Haus.
Der B&R-Slogan heißt „Perfection in Automation“. Wie untermauern Sie diese Aussage?
Hermann: Aus unserer Sicht sind wir die Einzigen auf dem Markt, die für alle Arten von Maschinenautomation eine integrierte Informationsplattform haben. Das heißt, wir integrieren Achsbewegungen mit unterschiedlichen Kinematiken, kümmern uns um die Anbindung von Servoverstärkern, die Visualisierung, die IO-Systeme und deren Verarbeitung sowie um die Kommunikation zu anderen Systemen. Wir haben da den höchsten Integrationsgrad in der Praxis. Dadurch sind wir zum Innovationsführer im Automationsmarkt geworden.
B&R hat als lokaler Anbieter von Automatisierungstechnik angefangen und sich in etwa 30 Jahren zu einem weltweit agierenden Komplettanbieter der Branche entwickelt. Wie hat man es trotz dieses Wachstums geschafft, weder an Qualität noch an Dynamik einzubüßen?
Hermann: Da spielen viele verschiedene Faktoren zusammen: Zum einen versuchen wir mit kleinen dynamischen Einheiten sowohl im Vertrieb als auch in der Entwicklung schlagkräftig zu sein. In Österreich haben wir die Entwicklung und die Produktion an einem Standort. Zum anderen konnten wir unsere hohe Qualität auch dadurch beibehalten, indem wir den Automationsgrad in der Produk- tion erhöht haben. Zudem haben wir durch 100-Prozent-Tests die Qualität voll im Griff.
Weltweit gesehen arbeiten wir ebenfalls mit operativen kleinen Einheiten, wo sich Vertrieb und Applikation sehr gut ergänzen. So hat der Kunde immer einen kompetenten Ansprechpartner.
Immer innovativ zu sein und an vorderer Front mitzuspielen heißt auch, ein hohes Risiko einzugehen. Wie geht man bei B&R mit diesem Risiko um?
Hermann: Global gesehen sind wir immer noch der Herausforderer der Marktführer. Wir sind es gewohnt, damit umzugehen und Produkte sehr schnell zur Marktreife zu entwickeln, schließlich ist der Produktlebenszyklus ja nicht mehr so lang wie früher. Hinzu kommt, dass wir oft die Möglichkeit haben, unsere Produkte zusammen mit unseren Kunden im Feld zur Serienreife zu bringen. Das heißt, wir entwickeln gemeinsam mit dem Kunden einen Vorsprung am Markt. Damit minimieren wir für beide Seiten das Risiko.
Zudem muss man sehen, dass wir zu etwa 90 Prozent den Serienmaschinenbau bedienen. Deshalb müssen wir in gewisser Weise auch „konservativ“ sein.
In welchem Entwicklungsstadium wird B&R denn einbezogen?
Hermann: Das kommt auf die Klientel an. Aber: Wenn der Kunde sagt, ich gehe in eine neue Branche oder ich will aus einer hydraulischen Maschine eine elektrische machen, dann sind wir von Anfang an bei Konstruktion und Entwicklung mit dabei, um die Entwicklungszeiten möglichst kurz zu halten.
Bis zum Jahr 2011/2012 will B&R rund 500 neue Arbeitsplätze in Produktion, Entwicklung und Vertrieb schaffen. Sind Hochlohnländer wie Deutschland, Österreich und die Schweiz mit von der Partie?
Hermann: Prinzipiell ja. Unsere Investitionen sehen so aus, dass wir in Österreich die Fertigungsfläche verdreifachen werden. In Deutschland expandieren wir mit weiteren Vertriebsbüros. Aber natürlich werden wir auch in anderen Ländern Europas wie die Jahre vorher in Personal investieren.
Im Jahr 2006 hat B&R einen Umsatz von rund 235 Millionen Euro ausgewiesen nach rund 190 Millionen Euro im Vergleichszeitraum davor. Wie sieht es für dieses Jahr aus und ist der Erfolg nur auf die allgemein gute Konjunktur zurückzuführen?
Hermann: Anfang diesen Jahres wurde ein Umsatz von 280 Millionen Euro für 2007 anvisiert, die wir auch erreichen werden. Das entspricht wieder einer Steigerung von rund 20 Prozent.
Der Erfolg ist nicht ausschließlich auf die gute Konjunktur zurückzuführen, auch wenn wir diese natürlich merken. Wir haben eine motivierte Mannschaft und innovative Produkte, so dass wir gemeinsam mit den Kunden erfolgreich sein können. Zudem sind wir heute viel breiter aufgestellt als noch vor zehn Jahren. Haben wir früher SPSen und I/O-Systeme angeboten, gibt es heute auch Bediengeräte, IPC sowie Visualisierungs- und Achssysteme. Auch generieren wir neue Kunden im Bereich CNC-Systeme und Robotik und neu im Safety-Bereich. Hier sind wir mit „Automation Studio“ auf dem Markt. Mit diesem Tool kann der Maschinenbauer sehr schnell und einfach eine Entwicklung realisieren, aber auch in Serie gehen. Zudem sind wir damit unabhängig von Prozessorgenerationen. Jeder Prozessor, der sich mit Standardprodukten in kürzester Zeit programmieren lässt, ist integrierbar. Das gibt dem Kunden die Sicherheit, einmal erstellte Software mit auf andere Prozessoren mitzunehmen.
Verkaufen Sie ausschließlich Produkte oder das gesamte Engineering?
Hermann: Beides. Wir haben Kunden, die sind drei, vier Jahre mit uns in Serie und kaufen tatsächlich zur Zeit „nur“ Produkte. Insgesamt leben wir aber von einem hohen Grad an Neukunden. Hier übernimmt unsere Applikationsmannschaft auch das komplette Engineering.
Was wir allerdings anders machen als der Wettbewerb: Wir entwickeln Know-how für den Kunden, aber wir geben es ihm auch zurück. Wir sind der Meinung, dass unsere Kunden die Möglichkeit haben müssen, ihre eigenen Produkte selbst zu warten und zu pflegen, ohne dabei auf jemanden angewiesen zu sein. Das ist die Schlagkraft des deutschen Maschinenbaus.
B&R hat 2001 mit Powerlink eine echtzeitfähige Ethernet-Variante vorgestellt. Jetzt ist es ruhig geworden um Powerlink. Wie erklären Sie das?
Hermann: Ich glaube nicht, dass es tatsächlich ruhiger um Powerlink geworden ist. Als wir das Protokoll offen legten, haben wir wahrscheinlich zuwenig die Werbetrommel gerührt. In der Praxis ist Powerlink mit über 300 000 Knoten im Feld – und das bei mehr als 40 000 Serienmaschinen. Powerlink ist das einzige von mehr als 300 Maschinenbauern erprobte Echtzeit-Netzwerk im Feld. Neben B&R liefern noch 30 andere Hardwarehersteller über 100 Serienprodukte mit Powerlink. Das sind Hersteller von Achs- und Steuerungssystemen, von CNC- oder I/O-Systemen oder Gebern. Hinzu kommt, dass wir der einzige am Markt sind, der bewiesen hat, dass es mit einem Echtzeit-Ethernet-System für den Maschinenbauer möglich ist, Gigabit-Ethernet zu nutzen. Die Kraft von Ethernet-Powerlink ist noch lange nicht zu Ende.
Neben Powerlink gibt es verschiedene Ethernet-Systeme. Welche werden sich am Markt etablieren?
Hermann: Allein durch die Marktmacht von Siemens wird sich bestimmt Profinet durchsetzen. Wir werden die Produkte unterstützen, die unsere Kunden benötigen. Trotz anderer Ethernet-Systeme ist Powerlink notwendig, da es nur auf Softwarebasis funktioniert und die Möglichkeit besteht, auf demselben Kabel TCP/IP-Protokolle zu übermitteln.
Das Interview führte KEM- Redakteurin Denise Fröhlich
Fotograf: Frank Herrmann
Steuerungen KEM 410
Bediengeräte KEM 411
IPC KEM 412
CNC-Systeme KEM 413
Robotik-Komponenten KEM 414
Safety-Komponenten KEM 415
Antriebe KEM 416
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