Dr. Oliver Vietze, CEO der Baumer Group, CH-Frauenfeld

Alle unter einem Dach

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Seit Anfang April 2007 treten alle Unternehmen der Baumer Gruppe – also Baumer Electric, IVO, Thalheim und Hübner Berlin, Baumer Optronic, Massen, hhs und Bourdon-Haenni – weltweit einheitlich unter der Marke Baumer auf. Durch den gemeinsamen Namen und die Neuorganisation der Vertriebsgesellschaften will man die Internationalisierung beschleunigen und Produkte und Lösungen schneller und effizienter vermarkten.

Herr Doktor Vietze, bitte stellen Sie die Baumer-Gruppe vor.

Dr. Vietze: Baumer ist Hersteller von Sensorik für die Prozess- und Fabrikautomation. Wir sind ein international aufgestelltes Familienunternehmen und beschäftigen rund 1900 Mitarbeiter an 32 Standorten.
Welche Produkte werden angeboten?
Dr. Vietze: Wir gliedern unser Angebot in fünf Segmente: Unter Process Instrumentation fallen Produkte, welche zur Prozessinstrumentierung benötigt werden, um Druck, Füllstand und Temperatur zu detektieren und zu messen. Unter Sensor Solu- tions verstehen wir die klassischen Positionssensoren, beispielsweise induktive, kapazitive und photoelektrische sowie Ultraschall- oder Vision-Sensoren. Im Bereich Motion Control werden Drehgeber, Stell- und Positionierantriebe sowie Winkelmesssysteme angeboten, also alles, womit sich rotative Bewegungen überwachen lassen. Bei Vision Technologies unterscheiden wir grob die Bereiche Komponenten, also Digitalkameras und intelligente Vision-Produkte sowie Vision-Systeme und komplette optische Inspektionsmaschinen. Last but not least sind die Leimauftragssysteme zu nennen.
Sie waren bislang Geschäftsführer der Baumer Optronic in Radeberg. Welche Aufgaben haben Sie heute in der Baumer Group übernommen?
Dr. Vietze: In den letzten zehn Jahren habe ich mich um den Aufbau der Aktivitäten im Bereich industrielle Bildverarbeitung gekümmert. Baumer ist heute mit über 100 Ingenieuren und knapp 40 Millionen Euro Umsatz hier eines der führenden Unternehmen in Europa. Seit April habe ich die Gesamtverantwortung für die Baumer Group übernommen. Im Management-Team werde ich mich weiter um die Strategie im Bereich Produkte und Technologie kümmern.
Bisher waren die Unternehmen der Gruppe unter ihrem ursprünglichen Namen am Markt präsent. Seit April 2007 arbeiten alle unter dem Dach der Marke „Baumer“. Welche Gründe sprachen dafür?
Dr. Vietze: Alle Unternehmen waren für sich am Markt sehr erfolgreich. Unsere Strategie war es, schnell am Markt agieren zu können. Im Zuge der Internationalisierung sind wir aber der Meinung, dass es besser ist, unsere Stärke und Größe zusammenzuführen, um insbesondere in neuen Märkten mit nur einer starken Marke aufzutreten.
Welche Kompetenzen bleiben in den Unternehmen, welche gehen in der Gruppe auf?
Dr. Vietze: Grundlage für die Stärke der einzelnen Unternehmen ist ein starkes Management, hervorragende Mitarbeiter sowie Flexibilität und kurze Entscheidungswege, um schnell auf Kundenbedürfnisse reagieren zu können. Das wollen wir beibehalten. Wir sehen aber durch die Zusammenführung unter der Marke Baumer enormes Potenzial im Bereich Vertrieb. Besonders international wollen wir unsere Organisationen bündeln. Selbstverständlich werden schon heute Synergien im Bereich der Entwicklung und Produktion erfolgreich genutzt.
Motion Control etwa wird durch Baumer Electric, Baumer IVO, Baumer Thalheim und Baumer Hübner abgedeckt, Bildverarbeitung durch Baumer Optronic, Baumer Inspection, Visicontrol und Qualivision. Kommt es da nicht zu Konkurrenz?
Dr. Vietze: Im Bereich Drehgeber sieht es auf den ersten Blick so aus, dass es zu Überlappungen kommt. Tatsächlich jedoch hat jede Firma ihr Spezialgebiet, teilweise unterschiedliche Märkte oder Kundensegmente. So ist Baumer Hübner im Bereich Heavy Duty-Geber sehr erfolgreich, Baumer IVO mit Absolut-Drehgebern und Feldbussystemen, Baumer Electric und Baumer Thalheim mit inkrementalen Drehgebern. Dazu kommen bei Baumer Electric die Stell- und Positionierantriebe. Bei der Bildverarbeitung haben wir zwei Bereiche: Komponenten, also Digitalkameras und Smart-Vision-Sensoren sind das Metier der Baumer Optronic. Bei Vision-System-Lösungen ist Baumer Inspection stark. Braucht ein Kunde spezielles Engineering oder Systemintegration, bietet Qualivision oder Visicontrol die Unterstützung auf dem deutschsprachigen Markt.
Wie passen die Beleimungssysteme von Baumer hhs ins Portfolio?
Dr. Vietze: Baumer hhs bietet Leimauftrags- und Qualitätssicherungssysteme. Hier haben wir gleiche oder ähnliche Kundensegmente wie im Bereich Verpackungsindustrie oder dem graphischen Gewerbe bei der Fabrikautomation.
Mit der Übernahme von Bourdon-Haenni, spezialisiert auf Sensoren für die Prozess-Instrumentierung, hat sich für Baumer das Geschäftsfeld Prozess-Automation erweitert. Was erwarten Sie dadurch?
Dr. Vietze: Wir sehen im Bereich Prozess-Automation sehr großes Wachstum. So ergänzen die Produkte von Baumer Bourdon- Haenni, also Druck-, Temperatur- und Füllstandsensoren hervorragend unser Portfolio. Es gibt heute kaum Sensoraufgaben, die Baumer nicht lösen kann.
Der Umsatz der Baumer-Gruppe stieg in den letzten Jahren stetig an. Beruhte das Erfolgsrezept ausschließlich auf gezielten Akquisitionen?
Dr. Vietze: Wir sind jedes Jahr aus eigener Kraft gewachsen, die Akquisitionen kamen immer „On Top“. Wir werden auch dieses Jahr wieder im zweistelligen Bereich wachsen.
Wie sehen die strategischen Ziele mittelfristig aus? Sind weitere Zukäufe geplant?
Dr. Vietze: Mit dem Re-Branding haben wir dieses Jahr einen sehr großen Schritt eingeleitet. Wir sind in Europa gut positioniert. Jetzt wollen wir international ausbauen. Sollten sich gute Gelegenheiten für weitere passende Akquisitionen bieten, werden wir diese natürlich prüfen.
Im letzten Jahr hat Baumer verstärkt Gesellschaften in Asien gegründet. Wie sieht das internationale Engagement zudem aus?
Dr. Vietze: Asien steht für die nächste Zeit im Focus. Viele unserer Kunden produzieren vermehrt dort. Wir wollen in Asien gleichen Support, gleiche Dienstleistungen und gleiche Qualität anbieten können. Zudem wollen wir unsere Position in Europa und USA weiter ausbauen.
Wie geht man bei Baumer mit unterschiedlichen Unternehmenskulturen um?
Dr. Vietze: Unternehmenskultur wird bei uns sehr groß geschrieben. So haben wir auch bei Akquisitionen stets darauf geachtet, dass wir nur passende Unternehmen ins Boot holen.
Welche Werte sind Ihnen für die Baumer-Gruppe wichtig?
Dr. Vietze: Wir haben im Zuge des Re-Brandings unsere Werte im Corporate Identity nochmal verdichtet. Eine Unternehmenspersönlichkeit kann zwar nicht einfach in einem Manual zusammengefasst werden, hilft aber, die gemeinsame Richtung zu definieren. Fokussiert beschreiben dies unsere drei „P“: Partnerschaftlich, Präzis und Pionierhaft. Unter Partnerschaft verstehen wir die Nähe zu Kunden, unter Präzision Zuverlässigkeit, ausgereifte Produkte wie auch eine präzise Beratung. Pionierhaft heißt ganz einfach, immer wieder Bestmarken zu setzen, die Kundenbedürfnisse zu antizipieren und der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein.
Wie funktioniert deren Übertragung nach Asien?
Dr. Vietze: Das ist sicher eine der größten Herausforderungen. Die Nähe zum Kunden, die technische Kompetenz sind durch die grossen Distanzen und sprachlichen Barrieren nicht so einfach zu portieren. Wir sind aber zuversichtlich, dies zu schaffen.
Das Interview führte KEM- Redakteurin Denise Fröhlich
Fotos: Thomas Klink
Prozessinstrumentierung KEM 410
Positionssensoren KEM 411
Drehgeber, Stell- und Positioniersysteme KEM 412
Bildverarbeitungssysteme KEM 413
Leimauftragssysteme KEM 414
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