Modularer Automationsbaukasten Tünkers vereinfacht die Werkstückspannung - KEM

Modularer Automationsbaukasten

Tünkers vereinfacht die Werkstückspannung

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Aus dem Tünkers-Automationsbaukasten heraus lassen sich mindestens 80 % der geforderten Funktionen realisieren – hier muss keine Entwicklungsarbeit mehr geleistet werden Bild: Tünkers
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Einem Spannelement sei egal, ob es Stahl-, Kunststoff- oder Holzteile spanne, sagt Olaf Tünkers, Geschäftsführer der Tünkers Maschinenbau GmbH in Ratingen. Im Interview mit der KEM Konstruktion erläutert er, warum basierend auf den Erfahrungen im Karosseriebau ein umfangreicher Automationsbaukasten entstanden ist, der Sonderkonstruktionen für die Spann- und Greiftechnik in den meisten Fällen überflüssig machen kann.

Interview: Michael Corban, Chefredakteur KEM Konstruktion

KEM Konstruktion: Herr Tünkers, Ihr Unternehmen ist bislang vor allem im Karosseriebau tätig – was können Sie besonders gut?

Tünkers: Uns gelang der Einstieg in die Automobilindustrie, als dort noch überwiegend mit manuellen Spannwerkzeugen gearbeitet wurde, was sehr zeitintensiv war. Von Anfang an lag deshalb unser Fokus darauf, die Werkstückspannung zu automatisieren und damit zu beschleunigen. Zunächst keine einfache Aufgabe, denn einfache Druckluftzylinder brachten nicht die erforderlichen Kräfte auf, die zu verschweißenden Karosserieteile ‚in Form zu bringen‘. Dies gelang erst über die von uns entwickelte Kombination eines Druckluftzylinders mit einem Kniehebelgelenk. Entstanden ist darauf aufbauend im Laufe der Jahre ein modularer Automationsbaukasten. Heute muss kein Konstrukteur mehr Spanngeräte oder Schweißzangen entwickeln – das alles gibt es als fertige Bauelemente, die nur noch zusammengesetzt werden müssen; der Konstrukteur ‚komponiert‘ gewissermaßen die Fertigungsanlage. Als weiteres Plus kommt hinzu, dass wir diese Spannelemente in großen Stückzahlen produzieren, was den Bau zusätzlich preisgünstiger macht und vor allem die Instandhaltung beschleunigt.

KEM Konstruktion: Ersatzteile sind also binnen kurzer Zeit verfügbar?

Tünkers: Ein Anlagenstillstand ist nicht nur in einem Automobilwerk aufgrund der hohen Kosten ein Problem. Typischerweise wird dort verlangt, innerhalb von 20 Minuten reparieren zu können. Nur über die Standardisierung lässt sich diese Forderung erfüllen. Standardisierte Komponenten wie Spannelemente und Schwenker liegen deswegen auch bei uns auf Lager. Sonderkonstruktionen sind damit in der Praxis kaum noch erforderlich – und zumindest 80 Prozent der geforderten Funktionen kann der Anlagenbauer auch über unseren Automationsbaukasten abdecken. Übrigens lassen sich mit diesen Spannelementen nicht nur Blechteile spannen, sondern auch solche aus Kunststoff oder Holz. Konstruktionsbüros können also mit unseren Bibliotheken und unserem Know-how sehr schnell zu Lösungen kommen.

KEM Konstruktion: Welche Aufgabestellungen lassen sich denn mit Ihrem Automationsbaukasten heute bearbeiten?

Tünkers: Obwohl der Schwerpunkt auf dem Spannen und Greifen von Werkstücken liegt, bieten wir eine Vielzahl von weiteren Komponenten bis hin zu Drehtischen für das Positionieren oder generell die Fördertechnik. Hinzu kommen zudem immer weitere Bereiche – rund um das Stanzen, Prägen und Fügen sowie immer mehr auch das Dosieren und Kleben. Entscheidend ist: Unser Katalog bietet eine ganze Reihe von Modulen und Elementen – da muss niemand mehr konstruieren! Bei uns sind das alles Katalogprodukte. Ein Teil davon ist sogar unmittelbar verfügbar. Die Produktbereiche Spannen und Drehen – im Sinne der Werkstückdrehung – findet man auch schon in unserem Online-Shop. Für bestimmte Anwendungsszenarien bieten wir zudem einen Konfigurator an, mit dem sich sehr schnell eine passende Lösung finden lässt. Der Trick ist, dass wir die teilweise umfangreichen Spannanlagen auf einfache Grundfunktionen reduzieren, die sich dann parametrieren lassen. Außerdem unterstützen wir gerne bei der Lösungsfindung, immerhin ist unser Motto ‚Erfindergeist serienmäßig‘. Das ist ein Stück weit Grundlage unseres Erfolges. (Anm. d. Red.: siehe dazu auch Infokasten)

KEM Konstruktion: Welche Rolle spielen für Sie Industrie-4.0-Konzepte – konkret etwa die virtuelle Inbetriebnahme ganzer Fertigungsanlagen?

Tünkers: Standard sind natürlich die entsprechenden CAD-Bibliotheken, die aber immer wieder auch angepasst und um Funktionsmodelle ergänzt werden – so dass die beweglichen Teile dargestellt werden können. Alle unsere Module und Elemente lassen sich in Robcad komplett simulieren. Auf der digitalen Ebene sind wir also schon ein gutes Stück vorangekommen. Auch das Thema der vorausschauenden Wartung (Predictive Maintenance) können wir über die bereits integrierte Sensorik schon sehr gut adressieren. Interessant wird das Ganze ja in dem Moment, in dem es gelingt, ‚Intelligenz‘ in die Anlage zu bringen. Das testen wir gerade zusammen mit einer Hochschule. Ziel ist, voraussagen zu können, wann ein Schadensfall eintritt – um entsprechend rechtzeitig reagieren zu können. Erkennen lässt sich auf diese Weise übrigens auch, ob die Spann- und Greiftechnik innerhalb der definierten Grenzen belastet oder eben überlastet wurde. Häufig sind eine zu hohe Geschwindigkeit oder zu hohe Drehmomente der Grund für einen Ausfall. Viel wichtiger sind deshalb uns und unseren Kunden sichere Produkte – die Anlagen sollen eben den auftretenden Belastungen standhalten und damit eine hohe Verfügbarkeit bieten. Fertigungsanlagen müssen schließlich laufen – und so denken und arbeiten auch wir.

KEM Konstruktion: Widmen Sie sich auch neuen Bereichen?

Tünkers: Da ist vor allem die Fördertechnik und hier unser fahrerloses Transportsystem zu nennen. Wir produzieren ja bereits seit über 30 Jahren schon Elektrofahrzeuge – denken Sie an unseren Airport-Scooter – und nutzen dieses Know-how rund um Elektrokleinfahrzeuge nun bei fahrerlosen Transportsystemen. Hier haben wir auch seit gut einem Jahr einen Kooperationsvertrag mit unserem brasilianischen Partner Sinova geschlossen, erste Testläufe und Angebote laufen. Hintergrund ist, dass sich die Logistikkonzepte in den Automobilwerken in den nächsten Jahren ändern. Die Variantenvielfalt wird zunehmen – beispielsweise Fahrzeuge, die mit verbrennungsmotorischen und elektrischen Antrieben parallel laufen. Mit den heutigen Logistikkonzepten funktioniert das nicht, gefragt sind flexible Systeme. Deswegen sehe ich die fahrerlosen Transportsysteme/AGVs als Substitutionsprodukt zu den Förderbändern.

KEM Konstruktion: Zudem hatten Sie noch die Dosiertechnik angesprochen?

Tünkers: Exakt – hier kommen die ersten Aufträge auch aus dem Non-Automotive-Bereich, wobei das Thema Dosieren sehr breit gefächert ist und vom Kleben bis hin zum Aufbringen von Dichtmasse reichen kann. Das aber ist unser Vorteil: Wir können mit unserem Automationsbaukasten flexibel auf die verschiedensten Anforderungen eingehen und dennoch überwiegend standardisierte Lösungen anbieten.

Tünkers legt Wert auf den wechselseitigen Austausch mit Erfindern und Lösungssuchenden. Die Plattform dieses Netzwerkes ist zu erreichen unter:

www.erfindergeist.de

Messe Motek: Halle 3, Stand 104 (Automation) und Halle 6, Stand 416 (Verbindungstechnik)


„Heute muss kein Konstrukteur mehr Spanngeräte oder Schweißzangen entwickeln – das alles gibt es als fertige Bauelemente, die nur noch zusammengesetzt werden müssen; der Konstrukteur ‚komponiert‘ gewissermaßen die Fertigungsanlage.“

Olaf Tünkers, Geschäftsführer, Tünkers Maschinenbau GmbH, Ratingen
Bild: Tünkers
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