Thorsten Daus, Produktmanager Merlic, im Interview Komplexe Bildverarbeitungslösungen mit MVTec - KEM

Thorsten Daus, Produktmanager Merlic, im Interview

Komplexe Bildverarbeitungslösungen mit MVTec

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In der industriellen Bildverarbeitung gehört die MVTec Software GmbH zu den führenden Herstellern von Standardsoftware. Im Interview nimmt Thorsten Daus, Produktmanager Merlic, zu den aktuellen Produktentwicklungen des Unternehmens Stellung, erklärt, wie Interessierte an ihre maßgeschneiderte Bildverarbeitungslösung kommen und gibt Auskunft zur Position, die MVTec beim Thema OPC UA einnimmt.

Irene Knap, Redakteurin der KEM Konstruktion

KEM Konstruktion: Herr Daus, MVTec hat gerade für Ende 2017 eine neue Halcon-Version angekündigt. Können Sie schon ein wenig mehr dazu verraten?

Daus: Diese Weiterentwicklung wird eine große Auswahl an Funktionen für den Einsatz von Deep Learning out of the box bieten. Damit ebnen wir den Weg zu einem breiten Einsatz von selbstlernender, auf Deep Learning basierender Bildverarbeitung und unsere Kunden kommen damit einfacher sowie schneller zu noch robusteren Klassifikations-Ergebnissen. Beispielsweise werden Anwender damit in der Lage sein, Convolutional Neural Networks (CNNs) auf Basis von Deep-Learning-Algorithmen in Eigenregie zu trainieren. Die vortrainierten Netze können dann zur Klassifizierung von Bilddateien eingesetzt werden.

KEM Konstruktion: Und das nachdem mit Merlic 3 und dem Halcon Release 13.0.1 in diesem Jahr bereits einige Verbesserungen präsentiert wurden. Was hat sich durch diese Veröffentlichungen für die Nutzer verändert?

Daus: Merlic 3 bietet eine ganze Reihe an neuen und verbesserten Features, unter anderem dank der Anwendung von Deep Learning. Mit diesen Neuerungen ist die Erstellung von Applikationen für die industrielle Bildverarbeitung noch komfortabler und nutzerfreundlicher. Dafür wurden beispielsweise die OCR-Technologien weiter verbessert, sodass jetzt etwa ein auf Deep-Learning-Technologien basierender OCR-Klassifikator zur Erkennung von unterschiedlichen Schriftarten angewendet werden kann. Zudem wird nun das robustere Lesen von Dot-Print-Schriften unterstützt; verschwommene, überbelichtete, verzerrte oder kontrastarme QR-Codes werden erkannt und sogar teilweise verdeckte oder beschädigte Barcodes korrigiert die Machine-Vision-Software automatisiert. Bei Halcon 13.0.1 geht es hauptsächlich darum, dass die Software mit diesem Release erstmalig auch standardmäßig für ARM-basierte Plattformen mit dem Betriebssystem Linux verfügbar ist.

KEM Konstruktion: Woher weiß eigentlich ein potenzieller Anwender, ob ihm Ihre Softwarelösungen bei seinem Problem helfen können und wie erfolgt dann die Realisierung der Applikation?

Daus: Dafür gibt es verschiedene Wege. Manchmal wenden sich Anwender direkt an uns oder auch an einen Kamerahersteller. Der klassische Weg führt aber über unser Netzwerk an Distributoren und zertifizierten Systemintegratoren. Viele dieser potenziellen Kunden schicken dann tatsächlich einfach ein mit dem Smartphone aufgenommenes Bild und beschreiben, was sie machen möchten. Die kostenlose Evaluierung der Bildverarbeitungsaufgabe bildet dann den ersten Schritt hin zu tiefergreifenden Gesprächen und schließlich zu einer möglichen Lösung. Wir geben allerdings keine Hardware-Empfehlungen. Für komplett fertig einsatzfähige Systeme müssen sich die Anwender deshalb eben an Distributoren oder Systemintegratoren wenden. Die kennen unser Partnernetzwerk mit Kameraherstellern und können ein fertiges Paket mit der benötigten Hard- und Software schnüren. Wenn dagegen eine Lösung für den Embedded-Bereich gesucht wird, bietet sich unser Halcon-Embedded-Programm an. Halcon wurde von Anfang an darauf ausgelegt, auf allen Plattformen zu laufen und somit portierbar zu sein.

KEM Konstruktion: Und wie wird bei Projekten, bei denen es nicht um Embedded-Lösungen geht, entschieden, welche Ihrer beiden Software-Lösungen verwendet wird?

Daus: Der Unterschied liegt hauptsächlich in der Verwendung. Bei einer klassischen Herangehensweise wird, wie wir es seit 20 Jahren machen, von einem C++- oder C#-Programmierer eine Anwendung programmiert. Dafür kann unsere Bildverarbeitungsbibliothek Halcon verwendet werden, deren integrierte Entwicklungsumgebung die Programmierung vereinfacht. Damit können sehr komplexe Aufgaben gelöst und auf höchste Performace optimiert werden, allerdings wird auch ein gewisses Fachwissen im Bereich der Programmierung benötigt. Demgegenüber steht neben den oft fehlenden Fachkräften auch das Zeitproblem, das viele Maschinenbauer heute haben. Hier wird zusätzlich zu einer schnellen Antwort, ob die gestellte Aufgabe lösbar ist, auch zeitnah eine funktionierende Lösung ohne viel Programmieraufwand benötigt. Dafür eignen sich unter anderem spezialisierte Kameras, die beispielsweise rein für Vermessungsaufgaben ausgelegt sind. Sie werden nicht mehr programmiert sondern lediglich parametrisiert. Oder eben Merlic, das eine Zwischenlösung darstellt, mit der Standardkameras eingesetzt werden können. Die PC-basierte Bildverarbeitungssoftware bietet dafür verschiedene Funktionen wie das Lesen von Texten und unterschiedlichen Codes, das Auffinden von Defekten wie Kratzer, Zählen, Messen oder Identifizieren. Diese Werkzeuge kann der Anwender einfach konfigurieren.

KEM Konstruktion: Was hat es in diesem Zusammenhang mit der Easy-Touch-Funktion auf sich?

Daus: Im Zuge von Usability-Tests haben wir unsere Nutzer beobachtet und festgestellt, dass sie auch mit einem entsprechenden Werkzeug immer noch verschiedene Parameter einstellen und das Bild anpassen mussten. Deshalb analysiert Easy Touch nun das entsprechende Bild innerhalb von Millisekunden und macht, sobald der Anwender mit der Maus über das Bild fährt, verschiedene Standard-Konfigurationsvorschläge. So ist es beispielsweise mit zwei Klicks möglich, dem System zu sagen, dass es den Abstand zwischen zwei bestimmten Punkten messen soll. Dafür muss sich der Nutzer weder mit Filteranalysen auseinandersetzen, noch benötigt er beispielsweise Wissen zur Morphologie.

KEM Konstruktion: Gibt es neben diesen Standardwerkzeugen auch eine Möglichkeit benutzerdefinierte Konfigurationsaufgaben zu erstellen?

Daus: Ja. Genauso wie unsere eigenen Werkzeuge in Merlic darauf basieren, können auch unsere Nutzer auf Halcon eigene Aufgaben erstellen und über die offene sowie dokumentierte Schnittstelle in die Merlic-Bibliothek laden. Oder der Anwender wendet sich an uns, einen Distributor oder einen zertifizierten Systemintegrator, der eine Entwicklungslizenz für Halcon besitzt und den Service anbietet, solche eigenen Werkzeuge zu programmieren.

KEM Konstruktion: Apropos offene Schnittstelle – abschließend noch eine Frage zu den gerade entstehenden VDMA-Standards, die in der M2M-Kommunikation die Nutzung von OPC UA vorschreiben werden. Wie stehen Sie dazu?

Daus: Wir haben tatsächlich bereits einen OPC UA Client in unsere Produkte Halcon und Merlic integriert und sind ein starker Vertreter dieser Kommunikationslösung. Auch arbeiten wir in der VDMA-OPC-Vision-Initiative mit. Diese hat es sich zum Ziel gesetzt, einen OPC UA Companion Standard für die industrielle Bildverarbeitung zu entwickeln. Denn OPC UA ermöglicht hohe Kompatibilität zu diversen Geräten und Steuerungen verschiedener internationaler Hersteller am Markt. Somit ist dies ein wichtiger Enabler für, oder sogar eine feste Vorgabe von vielen Industrie-4.0-Umgebungen. Und so sehen wir darin definitiv eine zukunftssichere Investition. Statt viele unterschiedliche Standards implementieren zu müssen, könnten wir dann auf einem, möglichst internationalen Kommunikationskanal aufbauen.

www.mvtec.com

Unter folgendem Link stellt MVTec einige Tutorial-Videos bereit:

http://hier.pro/ttXdF


„Wir sind ein
starker Vertreter der Kommunikationslösung OPC UA“

Thorsten Daus, Produktmanager Merlic, MVTec
Bild: MVTec
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